Verspätungen der S-Bahn

S-Bahn unpünktlich wie noch nie

  • schließen

Nur neun von zehn S-Bahnen waren im vergangenen Jahr pünktlich, etwa ein Prozent der Züge sind ganz ausgefallen. In diesem Jahr drohen wegen zahlreicher Baustellen weitere Beeinträchtigungen.

Einerseits war 2015 für den Rhein-Main-Verkehrsverbund (RMV) ein gutes Jahr: Rund 722 Millionen Fahrgäste nutzten die Bahnen und Busse in der Region, das waren sieben Millionen mehr als im Jahr zuvor. Auch die Einnahmen sind kräftig gestiegen, von 813 Millionen auf 847 Millionen Euro, wie RMV-Geschäftsführer Knut Ringat in seiner Bilanz berichtete.

Andererseits war 2015 aber auch ein katastrophales Jahr. Das bekamen vor allem die Fahrgäste der S-Bahnen zu spüren: Die Verspätungen haben zugenommen, nur 90 Prozent der Züge waren pünktlich. Dieser Wert ist deutlich schlechter als im Jahr zuvor (93 Prozent) und weit entfernt von dem Ziel von 95 Prozent, das der RMV mit der Deutschen Bahn AG vereinbart hat.

Als unpünktlich gelten in dieser Statistik alle Bahnen, die mindestens sechs Minuten Verspätung haben. Legt man die in den neuen Verträge festgelegte Grenze von drei Minuten zugrunde, sind die Werte noch einmal um zehn Prozentpunkte schlechter, sprich: Streng genommen sind nur vier von fünf S-Bahnen pünktlich. Hinzu kommt, dass etwa ein Prozent der Züge ganz ausgefallen sind.

„Das ist für uns dramatisch“, sagte Ringat. „Wir werden versuchen, die Situation so schnell wie möglich zu verbessern.“ Er habe einen Brandbrief an Bahnchef Rüdiger Grube geschrieben. In der Folge sei eine Arbeitsgruppe bei der Deutschen Bahn eingerichtet worden, die sich der Probleme annehmen soll. Daran sollte die DB ein starkes Interesse haben: Denn die neuen S-Bahn-Verträge sehen bei Schlechtleistung hohe Strafen vor. 2015 sei die Maximalsumme ausgeschöpft worden, berichtete Kai Daubertshäuser, der beim RMV für die Qualitätskontrolle zuständig ist. Es handele sich um einen zweistelligen Millionenbetrag.

Die Gründe für die Verspätungen sind laut Ringat vielfältig. Neun Streikwellen hätten den Betrieb beeinträchtigt, es habe aber auch viele Baustellen und technische Störungen gegeben. „Jahrelang wurde bei der Infrastruktur auf Verschleiß gefahren“, sagte er. Die S-Bahn habe auch unter den zunehmenden Verspätungen im Fernverkehr gelitten, mit dem sie sich auf langen Abschnitten die Gleise teilen muss. Zudem habe zeitweise zu wenig Fahrpersonal zur Verfügung gestanden – obwohl zur Verstärkung sogar Fahrer aus Stuttgart geholt wurden.

Ringat warf der Bahn „Missmanagement“ vor. Am pünktlichsten war die S-Bahn ausgerechnet während der Tunnelsperrung im Sommer. Aber zu der Zeit fuhren ja nicht so viele Züge . . In diesem Jahr wird der Tunnel insgesamt acht Wochen lang gesperrt.

Mit einigen kleineren Maßnahmen, die zusammen rund 45 Millionen Euro kosten, soll in diesem Jahr versucht werden, die Pünktlichkeit zu erhöhen. So wird für 2,5 Millionen Euro ein Engpass bei der Zufahrt zum Frankfurter Hauptbahnhof beseitigt. An den Bahnhöfen Kronberg, Schwalbach, Bad Soden und Langen wird eine schnellere Einfahrt ermöglicht. Außerdem hofft der RMV, dass es bei den großen Infrastrukturmaßnahmen vorangeht. Die Arbeiten an der S-Bahn-Anbindung von „Gateway Gardens“ beginnen, für den viergleisigen Ausbau der Bahnstrecke zwischen Westbahnhof und Bad Vilbel beginnen die Vorbereitungen. Das am Flughafen entstehende Terminal 3 muss laut Ringat dringend einen eigenen S-Bahn-Anschluss erhalten. Denn der Regionalbahnhof am Terminal 1 sei heute schon überlastet und könne keine weiteren Fahrgäste aufnehmen.

Sorgen bereiten dem RMV nach wie vor die Finanzen. Zwar wurden die Bundesmittel für den Nahverkehr auf bundesweit 8 Milliarden Euro pro Jahr aufgestockt, doch ist bisher noch nicht klar, wie viel davon beim RMV ankommt. Ringat hofft aber, dass für den Fahrplan 2017 Spielraum für Angebotsverbesserungen besteht.

Unter anderem sollen auf einigen regionalen Verbindungen die Züge abends länger fahren. Der zusätzliche Finanzbedarf soll aber nicht durch übermäßige Fahrpreiserhöhungen gedeckt werden, versicherte Ringat. Erst Anfang des Jahres wurden die RMV-Tickets um 1,85 Prozent teurer. Eine „moderate Erhöhung“, wie Ringat findet. „Wir treten sensibler gegenüber dem Kunden auf als früher.“ Eine Nullrunde stellt er aber nicht in Aussicht, die Kosten würden weiter steigen. Einsparungen beim Treibstoff stünden höhere Aufwendungen für Personal gegenüber.

Von April an will der RMV erst einmal einen neuen, entfernungsabhängigen Tarif testen. Drei Jahre lang will man mit 20 000 ausgesuchten Smartphone-Nutzern Erfahrungen sammeln und dann entscheiden, ob das Angebot flächendeckend kommt.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare