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S-Bahn Station Frankfurter Berg, aufgenommen am Mittwoch (22.03.2017) in Frankfurt am Main. Foto: Salome Roessler

Erweiterung der Bahnstrecke Frankfurt–Friedberg

S6-Ausbau: Jetzt kann's endlich losgehen

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Der Bund stellt endgültig das Signal auf Grün für den Ausbau der S-Bahn S6 zwischen Frankfurt und Friedberg – obwohl die Kosten deutlich höher liegen als bisher angenommen. Eine Aktualisierung der Kosten-Nutzen-Analyse zeigt nun sehr deutlich auf: Weil die Region so stark wächst, wird der Ausbau der Main-Weser-Bahn immer wichtiger.

Rollen sollen die Bagger ab September. Kahl geschorene Bahndämme entlang der Main-Weser-Bahn zwischen Frankfurt-West und Bad Vilbel sind bisher die einzigen sichtbaren Vorboten für den Ausbau der S-Bahn-Strecke S6.

Die letzte Genehmigungshürde hat das Projekt nun genommen: Vom Bund gibt es grünes Licht für den Baubeginn. Basis dafür ist, dass die Kosten-Nutzen-Analyse aktualisiert worden ist. Zuvor hatte eine Aktualisierung die Kostenschätzung erheblich in die Höhe getrieben: Statt 301 soll der Ausbau zwischen Frankfurt und Friedberg inzwischen stolze 550 Millionen Euro kosten (die FNP berichtete).

Trotzdem jetzt die Überraschung: Der Kosten-Nutzen-Faktor liegt nach der neuen Untersuchung sogar erheblich besser als bisher. Einen Faktor von 1,67 erreicht der S6-Ausbau nun.

Ab einem Wert von 1,0 sieht die öffentliche Hand Projekte als förderfähig an. „Das ist wirklich ein sehr guter Wert“, sagt Gerd-Dietrich Bolte, Leiter Großprojekte Mitte der DB Netz AG in Frankfurt.

Überraschend ist der hohe Wert nicht nur, weil die Kosten ja deutlich höher liegen als zuvor geschätzt. Die vorigen Kosten-Nutzen-Analysen hatten „nur“ bei 1,33 im Jahr 2005 und 1,22 im Jahr 2006 gelegen. Dennoch sei die positive Einschätzung einfach zu erklären: Der starke Zuzug in die Region sei in den bisherigen Analysen nicht berücksichtigt gewesen, so Bolte.

Der Zuzug und damit die deutlich höhere Nachfrage steigert nun den Nutzen des Ausbaus erheblich: „Seit 20 Jahren gibt es ein deutliches Wachstum in der Metropolregion“, erinnert der Fachmann.

„Das S-Bahn-Netz ist aber noch auf dem Stand der Siebzigerjahre und bisher nicht ausgebaut worden.“ Die Zahl der Fahrgäste zwischen Frankfurt und Gießen habe seit 2005 bereits „signifikant zugenommen“ – und die Nachfrage werde weiter steigen.

Deshalb haben Bund, Land, Stadt Frankfurt und Wetteraukreis diesmal über den Nutzen für die S-Bahn auch jenen für den Regionalverkehr berücksichtigt – mit stets konservativen statt optimistischen Fahrgastprognosen, wie Gerd-Dietrich Bolte betont.

Ergebnis: Außer der S-Bahn profitieren auch Regionalexpress-Züge und Regionalbahnen sehr stark durch mehr Pünktlichkeit. Das wird möglich, weil die S6 auf „systemeigenen“ Gleisen rollt und nicht länger andere Züge ausbremst. Dafür sind heute in den Fahrplänen Überholungen vorgesehen, für die dann Bahnen minutenlang an Stationen warten müssen.

Derweil laufen aber im Hintergrund die Vorarbeiten für das größte Bahn-Infrastrukturvorhaben im Rhein-Main-Gebiet in diesem Jahrzehnt. Mit einer Fachabteilung ist die Bahn-Tochter DB Netze derzeit dabei, 111 private Grundstücke zu kaufen, die für den Ausbau von zwei auf vier Gleise notwendig sind. „Wir kommen bei den Verhandlungen gut voran und haben schon etliche Vereinbarungen abgeschlossen“, sagt Bolte.

Die Bahn-Tochter ist aber zuversichtlich, dass der Grundstücksankauf bis Herbst ohne Komplikationen klappt – obwohl die Bürgerinitiative „Bahnane“ seit Monaten zu Widerstand gegen den Verkauf aufruft. Auch wenn die Bürgerinitiative darauf beharrt, dass es kein Baurecht für die Strecke gebe, gibt es das dennoch.

Lediglich über die Pläne für den Erschütterungsschutz läuft noch ein Streit vor Gericht. Das allerdings hält das Vorhaben nicht auf: Falls nötig, könnte DB Netz noch während der Bauphase verbesserten Schutz einbauen: So genannte „besohlte Schwellen“, die die Erschütterungen der Züge direkt unter den Gleisen abpuffern.

Mit dem Ausbau sind nicht nur die S-Bahnen bis zu fünf Minuten schneller, sondern auch die Regionalzüge mit weniger Verspätungen unterwegs. Das wirkt sich laut der aktualisierten Analyse nicht nur in Frankfurt und im Wetteraukreis aus, sondern sorgt bis in die Landkreise Gießen, Marburg-Biedenkopf und Lahn-Dill für zuverlässigere Verbindungen. Durch den Wegfall der S-Bahnen auf den Regionalverkehrsgleisen wird zudem ein größeres Nahverkehrszug-Angebot möglich.

Dass er mehr Züge zwischen Mittelhessen und Frankfurt fahren lassen will, hat der Rhein-Main-Verkehrsverbund (RMV) mehrfach betont. Beispielsweise überlegt er einen Ausbau der Niddertalbahn zwischen Frankfurt und Stockheim in der Wetterau. „Solche zusätzlichen Züge sind nur mit dem S6-Ausbau möglich“, sagt Bolte.

Während die S6 auf dem Südabschnitt ab 2022 auf eigenen Gleisen rollen soll, läuft für den Abschnitt Bad Vilbel–Friedberg noch das Genehmigungsverfahren. Im April wird es dazu die Anhörungen Betroffener in der Wetterau geben.

Für Frankfurt-West–Bad Vilbel dagegen stehen die Gelder schon bereit: 60 Prozent zahlt der Bund, 27,5 Prozent das Land, 12,5 Prozent teilen sich die Stadt Frankfurt und der Wetteraukreis. Mit ihrem Okay zur Kosten-Nutzen-Analyse haben die Financiers jetzt die 323 Millionen Euro für den ersten Bauabschnitt freigegeben. Damit die Bagger ab September rollen können.

Die neue Kosten-Nutzen-Analyse will DB Netz auch unter veröffentlichen.  

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