Forschergeist

Sachsenhäuser Kita erkundet das Raumfahrtzentrum ESOC in Darmstadt

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Als erste Kindergartenkinder überhaupt durften Jonas, Mathilda & Co. gestern das Europäische Raumflugkontrollzentrum besuchen. Dort bekamen sie sogar einen Mini-Raketenstart geboten. Kommen die Astronauten von morgen aus Frankfurt-Sachsenhausen?

„Ich weiß alles über den Weltraum, bis auf die Planetenreihenfolge“, hat Jonas gerade eben noch vor seinen Freunden angegeben. Jetzt steht der Fünfjährige genauso verdutzt wie sie dort, wo noch nie zuvor ein Kindergartenkind gewesen ist: In der Schaltzentrale der europäischen Raumfahrt – und alles ist anders als erwartet.

Raketen, Raumanzüge und Mondbilder? Fehlanzeige. Stattdessen Zahlen, Grafiken und Bildschirme. Selbst Astronaut Alexander Gerst steht nur als Pappaufsteller im Flur. Trotzdem sind die Kinder der Caritas-Kita „Himmelszelt“ sichtlich beeindruckt vom Kontrollraum des ESOC (siehe Box): Schließlich lenken hier die klügsten Köpfe Europas Satelliten durch Erdumlaufbahn. Und anfassen dürfen die Kinder auch nichts. Ein sicheres Zeichen, dass hier Großes passiert.

Dass die Europäische Raumfahrtorganisation ESA Kita-Kinder in ihre „Security Zone“ lässt, ist neu. Für die Knirpse der Sonnengruppe macht sie aber eine Ausnahme. Diese haben den bundesweiten „Forschergeist“-Wettbewerb gewonnen. Mit ihren Erzieherinnen bauten sie eine Rakete, formten aus Reifen und Folien eine Kraterlandschaft und bastelten sich eigene Raumanzüge. Und sie verschlangen Bücher und Filme über den Weltraum.

Als Belohnung organisierte der hessische Staatssekretär für Wissenschaft und Kunst, Patrick Burghardt (CDU), einen Besuch im ESOC, dem Raumfahrtzentrum in Darmstadt. Gestern war es so weit. Schon währen der Sicherheitskontrolle hieß es mit vor stolz geschwellter Brust: „Das dürfen normalerweise nicht mal Erstklässler.“ Und auch Kita-Leiterin Sabine Chmielorz (56) befand: „Das ist eine Riesensache für die Kinder.“

Hand in Hand trabten sie über das Gelände der ESA, staunten über Modelle von Raumsonden und erzählten den Weltraumforschern, die sie trafen, dass man Satelliten übrigens auch für Telefon und Fernseher braucht, und dass man nur eineinhalb Packungen Mehl mit auf die ISS nehmen darf. Woher die Kinder das wissen? Ganz klar: Der Dank gilt „Astro-Alex“.

Der Deutsche Alexander Gerst lebt seit Anfang Juni auf der Internationalen Raumstation. Der ESA-Astronaut ist das Werbegesicht der Raumfahrtorganisation. Eines das wirkt. Als Paolo Ferri, Leiter des Missionsbetriebs, fragt, ob auch die Kita-Kinder „Astro-Alex“ kennen, ertönt ein einstimmiges „Ja“. Ferri lächelt zufrieden.

„Es ist eine der Aufgaben der Raumfahrt, die jungen Generationen zu inspirieren“, sagt er. „Ich habe mit neun Jahren die Mondlandung erlebt, diese Faszination geht nie weg.“ Und weil es dafür nicht nur schnöde Kontrollräume sondern eben Raketenstarts braucht, haben er und seine Mitstreiter noch ein Ass im Ärmel.

„Fliegt die wirklich bis ins Weltall?“, fragt der sechsjährige Daniel ungläubig. Im Kreis stehen die Kinder um eine kleine Abschussrampe im Hof des ESOC: Ein Ingenieur baut gerade eine Spielzeugrakete auf. Die Astronauten in spe sollen sie abschießen – aber so richtig traut sich niemand heran.

Mit den Fingern in den Ohren und gebührendem Abstand beobachten die Kinder, wie das Mini-Modell rauchend und zischend erst in Richtung Baumkronen startet und dann mit einem Fallschirm zu Boden sinkt. Ein kollektiver Jubelschrei. „Noch einmal?“, fragt der ESA-Mitarbeiter und dieses mal ist die Antwort klar.

Jetzt, da die erste Furcht überwunden ist, trauen sich manche Kinder sogar selbst heran und schicken eine Rakete in den Darmstädter Himmel. Das Selbstverständnis ist schnell da, schließlich gab’s in der Kita ja Astronautentraining. „War ja alles ganz normal“, befindet deshalb Daniel.

„Astro-Alex“ nacheifern will er trotzdem nicht: Unter dem Gelächter der Erzieherinnen und ESA-Vertreter stellt der Racker glatt fest, dass er doch lieber länger leben würde als Astronaut zu werden. „Ich will Polizist werden“, ergänzt Jonas. „In der Schwerelosigkeit wird mir doch schlecht.“ Und die sechsjährige Mathilda sagt, dass sie, obwohl sie so viel über die Raumfahrt gelernt hat, lieber etwas mit Reiten machen würde: „Über Pferde weiß ich mehr als über Astronauten.“

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