Der frühere Baudezernent Franz Zimmermann (FDP) an seinem Lieblingsplatz: Die Ledercouch mit Aussicht im 17. Stock des Henninger Turms.
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Der frühere Baudezernent Franz Zimmermann (FDP) an seinem Lieblingsplatz: Die Ledercouch mit Aussicht im 17. Stock des Henninger Turms in Frankfurt.

Henninger Turm

Wohntraum in Sachsenhausen – Ist das die beste Aussicht auf Frankfurt?

  • VonStefanie Wehr
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Wer im Henninger Turm in Frankfurt wohnt, kann sehen, was sich rundherum tut. Ein Besuch beim ehemaligen Baudezernenten Franz A. Zimmermann in Sachsenhausen.

Frankfurt – Wenn die Zimmermanns auf ihrer Ledercouch im Wintergarten ihrer Wohnung im 17. Stock sitzen, lassen sie es sich richtig gut gehen. „Hier oben gibt es immer was zu gucken“, sagt Angela Zimmermann. Auch der 18 Jahre alte Senior-Kater Tatzel schaut manchmal mit. Für alle Fälle liegen zwei Ferngläser bereit.

Der Blick schweift weit in die Ferne Richtung Osten, die Europäische Zentralbank, der Main, Offenbach und die Oberräder Felder sind gut zu sehen. Rechts ragt aus dem Blätterdach des Stadtwaldes von Frankfurt die Spitze des Goetheturms hervor. „Wir sind hier auf gleicher Höhe über Grund wie die Plattform des Turms“, weiß Franz Zimmermann.

Beste Aussicht auf Frankfurt aus dem Henninger Turm

Der Ex-Baudezernent und seine Frau sind Anfang 2018 aus praktischen Gründen aus ihrer Wohnung im Nordend in den gerade fertiggestellten Henninger Turm umgezogen. „Hier gibt es einen Aufzug und die beste Aussicht auf die Stadt“, sagt der 79-Jährige. Mit der Architektin des Turms Claudia Meixner ist er befreundet.

„Das Wohnen im Hochhaus ist ein wenig anders, man muss sich umgewöhnen“, erzählt Angela Zimmermann. „Man hört so gut wie nichts von Nachbarn oder von draußen. Flugzeuge hört man auch nicht. Der Henninger Turm ist sehr schalldicht gebaut“. Im Untergeschoss sogar so dicht, dass der Handy-Empfang streikt.

Mit dem Fernglas die Stadt Frankfurt im Blick

Weil die Zimmermanns so gerne auf ihrem Lieblingsplatz sitzen, bleibt ihnen nicht verborgen, was sich unter ihnen abspielt, im neuen Wohnquartier der Stadtgärten. Das Areal ist dicht bebaut, für Franz Zimmermanns Geschmack ein wenig zu dicht. Der Bebauungsplan stammt von 2012, also nach seiner Amtszeit. Doch obwohl so viele Menschen dort wohnen, bleibt es relativ ruhig. „Oft sieht man kaum eine Menschenseele dort laufen, viele Fenster bleiben abends dunkel“, haben die Zimmermanns beobachtet.

Nur der große L-förmige Riegel am Hainer Weg sowie ein fast quadratischer Klotz mit Innenhof und Laubengang oberhalb des Platzes in der Mitte der Stadtgärten stehen noch leer. Doch siehe da, gerade tut sich etwas: Eine Frau und ein Paar treten auf einen Balkon des L-förmigen Gebäudes. „Das könnte eine Maklerin mit Interessenten sein“, sagt Zimmermann, der zum Fernglas gegriffen hat.

Wohnungen für 2.000 Menschen in Frankfurt-Sachsenhausen

Mehr als 720 Wohnungen für rund 1800 bis 2000 Menschen wurden von den Baufirmen Actris und Conceptaplan auf drei Baufeldern gebaut. „Momentan läuft noch der Bau von 14 Doppelhaushälften“, sagt Markus Wiesendanger, Projektleiter bei Conceptaplan. Der Rest der Stadtgärten ist fertig und zum Großteil schon verkauft oder vermietet. Der L-förmige Riegel und das nebenstehende Gebäude mit der Adresse „Am Henninger Turm 3“ mit dem Innenhof ging komplett an einen Großinvestor, der die Wohnungen vermieten will.

Auf Nachfrage bei der zuständigen Hausverwaltung ist mehr zu erfahren. „Wir fangen in diesen Tagen an mit der Vermarktung der Wohnungen“, sagt Rainer Schwing von der in Niederrad ansässigen Tectareal Property Management GmbH. Die Gebäude hätten leer gestanden, weil der Innenausbau noch nicht fertig war. Derzeit würde noch ein Teil der Wohnungen verkleinert und zu Mikro-Apartments mit einem Zimmer, Mini-Küche und Bad umgewandelt.

„Diese kleinen Wohnungen für Wochenendpendler sind sehr gefragt“, sagt Schwing. Die Mietpreise seien „angepasst an die Umgebung“ und eher im höheren Segment angesiedelt. „Dafür hat man aber auch einen hohen technischen Standard und eine gute Energieeffizienz“, argumentiert der Immobilienfachwirt.

Vergebliche Suche nach gefördertem Wohnraum in Stadtgärten in Frankfurt

Geförderten Wohnraum sucht man in den Sachsenhäuser Stadtgärten vergebens. „Als das Areal geplant wurde, gab es noch nicht, wie heute üblich, die Auflage von der Stadt, einen Teil für geförderten Wohnraum zur Verfügung zu stellen“, erklärt Mark Gellert, Sprecher des Stadtplanungsamts.

Eine Auflage aber war der Bau der Kita „Henninger Turm“. In das Gebäude in der Mitte des Areals ist aber zunächst die Sachsenhäuser Kita Sonnenhügel eingezogen, die aus ihrem Gebäude wegen Sanierung rausmusste - zum Unmut von Eltern in den Stadtgärten, die deshalb keinen Platz für ihr Kind bekommen haben.

Eins freut den Ex-Baudezernenten Zimmermann: Ab Dezember wird es eine neue Bushaltestelle für den 47er Bus am Wendelsweg geben, genau dort, wo der breite Fußweg Richtung Henninger Turm hin beginnt. Das hat Zimmermann noch als Abgesandter des Seniorenbeirats im Ortsbeirat 5 beantragt. „Das ist wichtig für die Leute, die in den Supermärkten am Henninger Turm einkaufen wollen“, sagt er. (Stefanie Wehr)

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