Am Wendelsplatz kommen kaum Autos auf der Rechtsabbiegespur durch. Deshalb weichen sie auf Wohnstraßen auf dem Sachsenhäuser Berg aus, wie die leidgeplagten Anwohner Thomas Holzmann und René Hellweger wissen. foto: michael faust
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Am Wendelsplatz kommen kaum Autos auf der Rechtsabbiegespur durch. Deshalb weichen sie auf Wohnstraßen auf dem Sachsenhäuser Berg aus, wie die leidgeplagten Anwohner Thomas Holzmann und René Hellweger wissen. foto: michael faust

Straßenverkehr

Sachsenhausen: Keiner will durch dieses Nadelöhr

  • Stefanie Liedtke
    vonStefanie Liedtke
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Schleichverkehr rollt durch Wohnstraßen. Grund ist enger Wendelsplatz.

Der Wendelsplatz ist neben der Kreuzung Stresemannallee/Kennedyallee eine von Sachsenhausens meistbefahrenen Kreuzungen. Im Vergleich zu letzterer nimmt der Wendelsplatz mehr Verkehr auf kleinerem Raum auf. Mit der Folge, dass auf der Mörfelder Landstraße die Autos oft dicht an dicht hintereinander stehen. Denn die Ampel auf der Ost-West-Achse zeigt am Wendelsplatz eine deutlich kürzere Grünphase an als die der Nord-Süd-Achse Darmstädter Landstraße. Vor allem für diejenigen, die von der Mörfelder nach rechts auf die Darmstädter Richtung Süden wollen, ist deshalb der Platz ein nervenaufreibendes Nadelöhr: Maximal fünf bis sechs Autos kommen bei Grün durch. Von Süden kommend gibt es zwei Linksabbiegerspuren Richtung Westen auf die Mörfelder, eine Geradeaus- und eine Busspur. Doch auch hier wird es im Berufsverkehr eng.

"Das ist der Hauptgrund dafür, dass wir bei uns in den Wohnstraßen so viel Schleichverkehr haben", sagt Thomas Holzmann. Er wohnt auf dem Sachsenhäuser Berg. Wie berichtet, haben sich die Anwohner des Letzten Hasenpfads, des Oberen und Mittleren Schafhofwegs und des Schützenhüttenwegs zu einer Initiative zusammengeschlossen, um gegen den zunehmenden Schleichverkehr vorzugehen. Das ist jedoch schwierig: Bei der Stadt stoßen die Nachbarn auf taube Ohren.

Durchgangsverkehr nervt die Anwohner

Denn es besteht bereits eine Anlieger-frei-Regelung - "an die hält sich nur niemand, und die Stadt hat keine Mittel, die Einhaltung zu kontrollieren." Aufwand und Ertrag von Kontrollen stünden in keinem Verhältnis, hat die Stadtpolizei auch dem Ortsbeirat erklärt. Zudem sind die Strafen für unerlaubtes Durchfahren eines Wohngebiets lächerlich milde: Schlappe 15 Euro werden fällig.

Die Anwohner, die vom Durchgangsverkehr genervt sind, wollen aber nicht locker lassen. Sie stellen sich morgens an die Straße und zählen die Autos, die unerlaubt ins Wohngebiet einfahren. Von Süden kommend, biegen die Schleichwegfahrer an der Aral-Tankstelle auf Höhe des Südfriedhofs links ab. Dabei fahren sie meist mit überhöhter Geschwindigkeit durch den schmalen Schützenhüttenweg. "Ein Nachbar hat mit einer Handy-App gemessen, teilweise haben sie 70 Sachen drauf", berichtet Holzmann. Dann geht es durch den Letzten Hasenpfad abwärts. Abends kommt der Durchgangsverkehr über den Mittleren oder Oberen Schafhofweg gebraust.

"Die Fahrer, die aus der Bürostadt oder anderswo im Westen Frankfurts kommen, biegen schon am Riedhofkreisel rechts in die Stresemannallee ab, dann an der Buchscheer entlang, durch den Ziegelhüttenweg und unsere Wohnstraßen hoch zum Letzten Hasenpfad. Dann wird am Spielplatz vorbeigerast und links in den Sachsenhäuser Landwehrweg abgebogen."

Und das alles, um das Nadelöhr Wendelsplatz zu umfahren. Dabei sei dort wegen Corona gar nicht mehr so viel Berufsverkehr unterwegs wie noch vor acht Monaten. Holzmann vermutet, dass auch viel mehr Menschen die Busse nutzen würden, wenn es oben auf dem Sachsenhäuser Berg einen Park-and-Ride-Parkplatz gäbe.

Das Einzige, was die Anwohner erreicht haben, ist ihre eigenen Straßen zu verengen, damit der Verkehr ausgebremst wird. Geparkt werden darf nur noch auf der Straße, nicht mehr auf dem Bürgersteig. Das funktioniere tatsächlich, berichtet eine Anwohnerin. Sie habe das zweifelhafte Vergnügen, von ihrem Fenster aus die täglichen Fehden zwischen Autofahrern zu beobachten, die sich gegenüberstehen. "Keiner will weichen, um den anderen passieren zu lassen. Die Stimmung ist oft aggressiv, man geht aufeinander los", berichtet sie kopfschüttelnd. Stefanie Wehr

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