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Petra Roth und Bernd Reisig: Trauer hier, Freude da über das Wahlergebnis in Frankfurt.

Umfrage zur Wahl

Das sagen Prominente und Funktionäre zur Wiederwahl Feldmanns

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Die SPD feiert, die CDU nicht. Doch was sagen die Anhänger der kleinen Parteien? Was sagen Prominente und Funktionäre, die gestern im Römer waren? Wir haben uns umgehört.

Janine Wissler, Landtagsabgeordnete der Linken, wirkt emotional unbeteiligt: „Ich freue mich über mein Ergebnis, nicht über seines“, sagt die OB-Kandidatin, die vor zwei Wochen knapp neun Prozent der Stimmen erhalten hat. Das fulminante Ergebnis des SPD-Oberbürgermeisters Peter Feldmann beeindruckt sie nicht. „Mich beeindruckt eher, dass Bernadette Weyland sogar Stimmen verloren zu haben scheint“, sagt sie. Zu diesem Zeitpunkt am Wahlabend im Römer war die Zählung jedoch noch nicht abgeschlossen. CDU-Kandidatin Weyland könne „Mitarbeiterin des Monats“ der SPD werden, meint Wissler.

Rosemarie Heilig, grüne Umweltdezernentin, glaubt an eine bessere Zusammenarbeit in Zukunft: „Feldmann hat sich zuletzt auf grüne Positionen zubewegt.“ Aber auch Heilig meint, dass ein Teil von Feldmanns Erfolg an Weyland liegt: „Sie hat viele Fehler gemacht in den vergangenen zwei Wochen.“

Ernst Gerhardt, ehemaliger CDU-Stadtkämmerer, knurrt im Vorübergehen: „Bei der nächsten Wahl stellen wir einen Kandidaten auf, der gewinnen kann.“ Total fröhlich indes ist Stadtrat Eugenio Muñaz del Rio (SPD): „Jetzt muss nur noch die Eintracht gewinnen.“

Eine Stunde später aber liest Michael Erhardt, erster Bevollmächtigter der IG Metall Frankfurt, am Smartphone ab: „Eins zu eins.“ Da haben die Adler noch nicht verloren. Und Feldmann? „In dieser Stadt gewinnt man Wahlen mit sozialen Themen, und der OB hat zurecht gewonnen.“

Der Vorsitzende des Ausländerbeirats der Stadt, Jumas Medoff, bedauert nur eines: „Die Wahlbeteiligung ist so niedrig. Und zuletzt haben die EU-Ausländer, die ja das Wahlrecht haben, nur zu sieben oder acht Prozent gewählt.“ Der frühere Chef der DGB-Region, Harald Fiedler, freut sich dagegen: „Feldmann hat in sechs Jahren gemacht, was Arbeitnehmer und Gewerkschaften gefordert haben: Ob beim Wohnraum, dem Verkehr, er hat die Sorgen der Arbeitnehmer ernstgenommen. Das Ergebnis ist der Dank dafür.“ Fiedler freut sich auch darüber, dass – obwohl die Wahl oft schon als gewonnen galt – trotzdem die SPD-Anhänger noch motiviert werden konnten, ihre Stimme abzugeben. Nur so sei das hohe Ergebnis von 70 Prozent zu erklären. „Sensationell“, findet das Fiedler.

Zu den Besuchern im Römer, die dem Amtsinhaber gratulieren, gehört auch Adolf Kannengießer, SPD-Politiker aus Eschborn. Er ist dort Planungsdezernent. Feldmann, schätzt er aus seiner Perspektive, „steht für die Zusammenarbeit der Kommunen. Er treibt seine Themen voran, aber in der zweiten Amtszeit muss die Region wieder stärker werden.“ Yanki Pürsün, stellvertretender Fraktionschef der FDP im Römer, steht neben Jumas Medoff auf einer Treppe, um den Trubel zu überblicken. Was er von dem Wahlausgang hält: „Es wundert mich nicht. CDU, Grüne und Weyland haben Peter Feldmann nicht ernstgenommen.“ Er sei also nicht überrascht. Pürsüns Lieblings-OB? „Mit Bernadette Weyland gab es mehr Gemeinsamkeiten, aber sie hat keinen Themenwahlkampf gemacht.“ Beide Kandidaten seien zum Schluss von den Liberalen gleich weit entfernt gewesen.

Multitalent Bernd Reisig, der SPD näher als Pürsün, glaubt: „Die Menschen spüren, wer für die Stadt da ist.“ Er war Optimist. Aber an ein Ergebnis 70 zu 30 hat er dann doch nicht geglaubt. Petra Roth, Feldmanns Amtsvorgängerin, auch nicht. Noch im Mantel drängt sie sich zwischen den wartenden Menschen durch, klopft am Amtszimmer des OB, öffnet und schaut, ob er da ist. Zum Ergebnis sagt sie jedoch nichts.

VGF-Geschäftsführer Thomas Wissgott findet: „Das Ergebnis ist angemessen.“ Er habe Feldmann noch in der Vorwoche bei seinen Hausbesuchen begleitet. „Er hat ein Ohr für die einfachen Menschen und ihre Anliegen.“

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