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Motoren brummen, Auspuffe röhren: In der Klassikstadt kamen Autofans gestern voll auf ihre Kosten.

Sonntagstreff

Zum Saisonabschluss waren Luxusautos und Oldtimer in der Klassikstadt zu bewundern

Schon von weitem hört man die Motoren röhren, und in der Orber Straße angekommen, wird der Besucher von Benzingeruch empfangen: Gestern fand der letzte Sonntagstreff dieser Saison in der Klassikstadt statt.

Horst Kollmann liebt Autos. Schon als kleiner Junge hat er mit seinen Freunden Quartett gespielt und davon geträumt, einmal selbst einen Oldtimer zu fahren. Seinen Wunsch hat er sich schließlich nach mehr als 50 Jahren erfüllt. „Als ich vor vier Jahren in Rente gegangen bin und endlich Zeit hatte, habe ich mir einen Chevrolet 210 Coupé gekauft“, erklärt der 68-Jährige aus Bad Vilbel.

Mit seinem „Schätzchen“, wie er das schwarze Gefährt mit Baujahr 1953 nennt, nimmt er nun zum dritten Mal am Sonntagstreff in der Klassikstadt in Fechenheim teil. Diesmal hat er seinen Oldtimer auf dem Parkplatz vor der umgebauten Industriehalle abgestellt – zu groß war der Andrang derer, die sich und ihr Fahrzeug im Innenhof der Klassikstadt präsentieren wollten.

„Es geht ums sehen und gesehen werden“, weiß Bernd Schultz. „Und natürlich darum, Freunde zu treffen und den einen oder anderen Tipp auszutauschen.“ Der Journalist und Moderator begrüßt jeden Oldtimer, Youngtimer oder Luxuswagen, der in den Innenhof fährt. Schultz kennt sich aus mit Autos. Das erkennt man nicht zuletzt an den Daten, Fakten und Anekdoten, die er über jedes der Fahrzeuge durch das Mikrofon zum Besten gibt. „Und das, obwohl ich nie weiß, welches Auto als nächstes kommt“, sagt der Autoliebhaber. Mehr als 400 Fahrzeuge hat er in der Zeit von 10 bis 18 Uhr begrüßt.

In der Eventhalle der Klassikstadt drängen sich derweil Schaulustige dicht an dicht. Bereits zum zweiten Mal gibt es beim Sonntagstreff eine Auktion, zuletzt beim Saisonauftakt im April. Mehr als 200 Bieter haben sich diesmal angemeldet, um einen der mehr als 40

Old- und Youngtimer

zu ergattern. Die Auktionäre von Perlick Industrieaktionen haben unter anderem einen Ferrari Testarossa, zwei VW Käfer Cabriolets, zwei sogenannte Kübelwagen, mehr als zehn Porsche-Modelle und mehrere Fahrzeuge englischer Automarken im Angebot.

Für letztere interessiert sich Horst Kollmann besonders. „Vielleicht bekommt mein Chevy noch einen Bruder“, sagt der Rentner und lacht. „Einen Rolls Royce kann ich mir sehr gut vorstellen“, erklärt er, während er sich einen zu versteigernden „Silver Shadow“ der englischen Marke anschaut. „Der ist schon sehr schön.“

Doch mitbieten will er lieber nicht. „Meine Frau wäre damit bestimmt nicht einverstanden“, sagt er. Währenddessen begrüßt Moderator Bernd Schultz draußen einen knallgelben Opel Manta. „Es sind diesmal viele Fahrzeuge da, die ich noch nie gesehen habe“, sagt der Experte. Seine Favoriten an diesem Tag: Ein Morgan Plus 4 Baujahr 1958 und ein Buick Roadmaster in knalligem Türkis.

Die Veranstaltungen zur Saisoneröffnung und zum Saisonabschluss sind die beliebtesten in der Klassikstadt. „Das sind markenoffene Treffen, zu denen

Old- und Youngtimer

aus der Region kommen“, sagt Geschäftsführer Titus Schneider. Bis zu 7000 Besucher kommen zu den einzelnen Treffen. Doch schätzen lässt sich das kaum, wegen des ständig wechselnden Publikums und weil die Veranstaltungen keinen Eintritt kosten.

Auch für Manfred Kowalski sind die Sonntagstreffen in der Fechenheimer Klassikstadt feste Termine im Kalender. „Ich plane sogar meinen Sommerurlaub danach“, erklärt der Mainzer. Diesmal ist er mit seinem Sohn Marcel nach Frankfurt gereist. Die beiden interessieren sich mehr für die sogenannten Super-Sportwagen als für die zahlreichen Oldtimer.

„Es ist wirklich erstaunlich, wie viele Autos der Luxusklasse hier an einem Ort sind“, sagt Marcel Kowalski. Er ist zum ersten Mal in der Klassikstadt und kann seine Begeisterung kaum zurückhalten. „Leider kann ich mir selbst keinen Maserati oder Ferrari leisten. Aber ich freue mich für jeden, der das kann“, sagt der 26-jährige Malermeister.

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