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Sand zwischen den Zehen, aber ein Strand ist es nicht

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Keine Sorge, die Kamera hat den Schuss von Corinna Bretiling (li.) gut überstanden. Geschäftsführer Thomas Völker (in der Mitte) schmunzelt nur. Christian Arndt ist bereit für den nächsten Pass, denn gerade ist der Fußballplatz unter den Wolken ausnahmsweise mal frei. FOTO: natascha heidenreich
Keine Sorge, die Kamera hat den Schuss von Corinna Bretiling (li.) gut überstanden. Geschäftsführer Thomas Völker (in der Mitte) schmunzelt nur. Christian Arndt ist bereit für den nächsten Pass, denn gerade ist der Fußballplatz unter den Wolken ausnahmsweise mal frei. © Natascha Heidenreich

TG Bornheim eröffnet im Herbst neue Schwimmhalle

Frankfurt -Es ist fast wie in einem Traum. Ein Fußballplatz über den Dächern der Mainmetropole. Netze winden sich in die Höhe um zu verhindern, dass der Ball in die Tiefe springt. Der Kunstrasen ist hellgrün und weich. Die kleinen Kicker werden gerade von ihren Eltern gebracht, denn immer Donnerstagnachmittag können sie dort trainieren. Dort auf dem Dach vom Sportcenter des TG Bornheim. Das TG steht zwar für „Turngemeinde“, aber der Verein bietet inzwischen über 100 Sportarten an. Von Aqua-Fitness, über Ballett, oder Capoeira - ein brasilianischer Kampftanz - bis hin zum Fitnesstanz Zumba gibt es alles, was das Herz begehrt und mehr als man erwartet. Vereinsmitglieder können sogar einem Akkordeonorchester beitreten. Aber was hat das mit Sport zu tun? Die Antwort ergibt sich aus der Geschichte. „Früher hatten Vereine auch Orchester“, klärt Thomas Völker, Geschäftsführer der TG.

Die Turngemeinde Bornheim ist seit 1860 lokal verwurzelt, aber stetig gewachsen. „Wir verbinden Tradition und Neues“, sagt Völker, der dem Verein seit seiner Kindheit treu ist. Der heutige Geschäftsführer begann mit 11 Jahren Prellball zu spielen. Prellball ist ein bisschen wie Volleyball - nur eben umgekehrt. Der Ball muss im eigenen Feld einmal mit der Faust auf den Boden geprellt werden, bevor ein Mitspieler ihn dann weiterverarbeiten kann. Prellball ist übrigens auch die Sportart seines Vater Peter Völker, der in den 1980er Jahren zum Vereinsvorsitzenden wurde und den kleinen Stadtteilverein mit 500 Mitgliedern zu einem der größten Breitensportvereine Deutschlands machte.

Mittlerweile zählt die TG Bornheim knapp 30 000 Mitglieder, darunter etwa 12 000 Schwimmer. Deshalb war der Bau der neuen Schwimmhalle, die am 9. September eröffnet wird, auch dringend nötig. „Wir haben immer dann gebaut, wenn wir an die Kapazitätsgrenze gekommen sind“, sagt Völker. Die Warteliste zeigt den dringenden Bedarf. Alleine auf der Liste fürs Seepferdchen stehen im Moment 150 Namen. „Manche mussten über drei Jahre warten bis sie einen Platz in einem der Quartalskursen bekommen haben.“

Außer dem Bau muss aber eine wichtige Sache noch vor September beschlossen werden: Ein Name für die neue Schwimmhalle muss her. Die Mitglieder waren im Juni eingeladen sich an der Findung zu beteiligen. „Ich hab schon Favoriten“, verrät Völker. Jeder Raum im Sportcenter hat traditionell einen eigenen Namen, wie etwa das „Yoga-Gym“ mit Bambus an den Wänden, in gelb gestrichen und mit Spiegeln versehen und mit einer fantastischen Aussicht aus der doppelten Fensterfront oder das „Water-Gym“, das farblich in Blau gehalten und mit einem Raum-Wasserfall versehen wurde oder das „Street Style-Gym“, in dem Jens Diehl gerade eine Tanzstunde gibt in lila T-Shirt und kunterbunter Hose. Die Kinder tanzen zu den von Diehl eigens produzierten Songs in der Halle voller Graffiti. Auftritte der Gruppe gibt es bei Vereinsfesten, wie etwa dem „Lerchenherbst“. Völkers Vater holte das traditionelle Fest Anfang der 1980er Jahre zurück in den Verein. „Diese Veranstaltung ist eine gute Erinnerung daran, einfach mal hinter die Kulissen zu schauen“, sagt der Sohn. Lerchenherbst spielt auf die Zeit des Weinbaus an, als im Herbst die Lerchen in Bornheim einfielen und die Teller der Bornheimer füllten. So alt der Name auch ist, so sollten sich die jüngsten Vereinsmitglieder dennoch nicht davon abhalten lassen, die Feier zu besuchen, die von allen Mitgliedern gemeinsam vorbereitet und durchgeführt wird.

Neben Tradition gibt es auch viel Modernes: Völker steht gleich im Foyer des Sportcenters neben einem der großen Bildschirme. Darauf zu sehen ist ein riesiger Stundenplan, der via Touchscreen bedient werden kann. So können alle, die eintreten, und noch nicht genau wissen, was sie jetzt machen möchten, direkt sehen, welche Kurse gerade laufen.

Mitglieder zahlen einen Beitrag von zwölf Euro. Nur spezielle Sportarten, das Fitnessstudio und die Sauna kosten mehr. Schwimmer zahlen zusätzlich drei Euro im Monat, Ballett zwölf Euro, Tennis hat einen Jahresbeitrag von 90 Euro und Golf kostet jährlich 60 Euro. Die Nutzung der Fitnessräume kostet 30 Euro.

Alle Räume sind liebevoll gestaltet. Außerdem gibt es zwei hybride Räume mit Livestream für Mitglieder, die zu Hause trainieren möchten. „Unsere Architektin durfte sich 2017 richtig austoben“, sagt Thomas Völker. Ein paar Schritte neben dem Fußball-Court in schwindelerregender Höhe, ist ein Raum voller Sand mit Surfbrettern um das Gleichgewicht zu üben. Das „Beach-Gym“. Was es nicht alles gibt...

Natascha Heidenreich

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