Altes Rathaus

Sanierung des denkmalgeschützten Fachwerkbaus soll 2019 endlich beginnen

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Eigentlich sollte das Berger Rathaus bereits 2012 saniert werden, doch dann wurden immer schwerere Schäden am über 500 Jahre alten Gemäuer und Gebälk entdeckt. Seitdem wird geprüft und untersucht. Im Herbst will die Stadt endlich einen Sanierungs- und Kostenplan vorlegen.

Seit fast zwei Jahren ist das Alte Rathaus von Bergen, das mitten auf der Marktstraße thront, in ein grünes Netz eingewickelt. Es dient als Schutz vor möglicherweise herabfallenden Teilen, denn das Fachwerk des denkmalgeschützten Baus ist marode. Seit sich im Jahr 2012 herauskristallisierte, dass die Schäden am 1507 erbauten hölzernen Dachstuhl und am gesamten Gebäude gravierender sind als gedacht – und die ursprünglich veranschlagten 800 000 Euro für eine Sanierung bei weitem nicht ausreichen werden – , läuft die Planung des weiteren Vorgehens. Diese Phase scheint sich nun dem Ende zuzuneigen: Im Herbst 2018 soll nicht nur die Planung der Sanierung abgeschlossen, sondern auch klar sein, was die Arbeiten wirklich kosten werden, erklärt Gabriele Schuster vom Kulturamt.

Böse Zungen hätten schon gelästert, am besten sei es, den Fachwerkbau abzureißen, sagt Schuster. „Aber das werden wir selbstverständlich nicht machen.“ Das Gebäude sei bis zum Baubeginn gut gesichert. Mit Unterstützung durch Statiker sei außerdem ein Gerüst durch das Gebäude hindurch aufgebaut worden. „Es kann zwar sein, dass sich der ein oder andere Riss weiterentwickelt, passieren kann aber nichts.“ Dadurch konnten auch die Gutachter in Ruhe arbeiten, die die Substanz des Hauses prüften. Dafür musste jedoch das Heimatmuseum ausziehen, denn die Gutachter entschieden, Zwischenwände einreißen zu lassen. Nur so war festzustellen, wie viele der schweren Balken, auf denen die Decke des Fachwerk-Obergeschosses ruht, kaputt sind. Einige waren derart verrottet, dass sie nicht mehr auf der Hauswand auflagen.

Einige der Schäden sind bereits von außen zu erkennen: An vielen Stellen bröckelt das Material der Gefache, also der Flächen zwischen den Holzbalken des Fachwerks. Teilweise ist es so arg, dass man die Hand von innen durch die Wand nach außen stecken kann.

„Außer im historischen, zweistöckigen Dachstock, der das größte Problem darstellt, gibt es auch viele Schäden am Holz“, erklärt Schuster. „Einige Sparren müssen ausgetauscht werden. Jeden einzelnen haben die Spezialisten angeschaut und beurteilt: Ist das Holz noch in Ordnung? Oder muss es ausgetauscht werden?“ Man wolle ja möglichst viel der historischen Bausubstanz erhalten und nur so viel austauschen, wie wirklich nötig.

Architekten, Statiker, Denkmalschützer, Restauratoren, Elektriker und Sanitärfachleute – sowie das Straßenverkehrsamt wegen der nötigen Teilsperrung für das Gerüst – seien ständig in das Projekt eingebunden, sagt Schuster. Auch Schadstoffgutachter seien im Einsatz, weil einige Stellen des alten Gemäuers „einst mit Stoffen angestrichen wurden, die man heute nicht mehr verwenden würde“.

Alle vier Wochen gibt es laut Schuster eine große Besprechung, damit alle Beteiligten auf dem gleichen Stand seien und „damit wir alle in dieselbe Richtung arbeiten.“ Das koste zwar viel Zeit. „Aber wenn wir von vorneherein übereinkommen, was zu tun ist, kommt es später zu weniger Verzögerungen und auch weniger Mehrkosten, weil vielleicht etwas übersehen wurde.“ Das Ziel sei, alle Aspekte der Sanierung abzuarbeiten.

Sind alle Untersuchungen und die Planung abgeschlossen und haben die Stadtverordneten das Sanierungsbudget bewilligt, werden die Arbeiten ausgeschrieben, sagt Schuster. Weil jedoch die Arbeiten sehr „anspruchsvoll“ seien, werde der Ausschreibung ein Teilwettbewerb vorgelagert. „Zunächst schreiben wir Betriebe an, damit diese Angebote abgeben. Das sind Fachfirmen, die ihre Eignung im Vorfeld nachweisen müssen.“ Dann würde jene ausgesucht, die aus Sicht der Stadt in der Lage sind, die Sanierung auszuführen. Diese werden noch einmal aufgefordert, ein Angebot abzugeben. Schuster: „Wenn alles glatt läuft, können die Arbeiten 2019 beginnen.“

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