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Sanierung der Offenbacher Landstraße legt Oberrad lahm

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Von: Ute Vetter

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So nah und doch so fern: Um zu den gegenüberliegenden Häusern oder Läden zu gelangen, müssen Anwohner teils viele hundert Meter laufen.
So nah und doch so fern: Um zu den gegenüberliegenden Häusern oder Läden zu gelangen, müssen Anwohner teils viele hundert Meter laufen. © Holger Menzel

Fast 250 Beschwerden, Vorschläge und Anfragen reichten Oberräder Bürger seit dem Start der Komplettsanierung der Offenbacher Landstraße am 24. April ein. Die Großbaustelle macht Anwohnern, Geschäftsleuten und Gastronomen das Leben schwer, Autofahrer müssen für Wege durch den Stadtteil lange Umwege in Kauf nehmen.

„Das dicke Ende kommt erst noch“, orakelt Matthias Krämer (54). Dem stellvertretenden Vorsitzenden des Oberräder Gewerbevereins, der an der Offenbacher Landstraße nahe des Buchrainplatzes bis 2014 eine Metzgerei betrieben hatte, graut vor dem Herbst. Dann „wandert“ die knapp 400 Meter lange Großbaustelle, die seit 24. April den westlichen Teil Oberrads im Bereich der „Offenbacher“ lahmlegt, weiter in Richtung Osten.

Dieser letzte Bauabschnitt beginnt im September / Oktober ab der Einmündung Hirschhorn- und Bleiweißstraße (Gaststätte „Zum Hirsch“) und reicht bis zum Buchrainplatz. Doch ausgerechnet in diesem Bereich pulsiert das „Herz“ des 13 000 Einwohner zählenden und extrem langgezogenen Stadtteils zwischen den Gemüsefeldern am Main und dem Stadtwald: Vor allem hier befinden sich Fachgeschäfte, kleine Lädchen und gastronomische Betriebe. „Was ist mit dem Anlieferverkehr? Wie kommt Heizöl in die Mietshäuser?“, fragt Krämer.

Probleme über Probleme

Ein Anwohner berichtet von Problemen mit der Müllabfuhr etwa im Speckgäßchen, „von Parksündern ganz zu schweigen“. Andere posten in sozialen Netzwerken hohntriefend: „Skandal, so wird Geld rausgeschmissen: Flyer wurden verteilt, darin aber der Mathildenplatz und die Rebenstraße vergessen“. Zu- und Abfahrten seien „chaotisch“. Wie zum Beweis rangiert ein Lkw auf der „Offenbacher“ rückwärts, der Fahrer steigt aus, blickt sich um – und „parkt“ auf einer Fahrspur vor der Einmündung Mathildenstraße. Wenig später ist die Polizei da. „So geht das hier dauernd“, seufzt Krämer.

Er fasst die zwiespältige Einstellung vieler Oberräder gegenüber dem Bauprojekt zusammen: „Seit Ende der 50er Jahre wurde auf der ,Offenbacher’ immer nur Flickschusterei betrieben“. Vor 25 Jahren habe es florierenden Einzelhandel gegeben, inzwischen sei die Lage „katastrophal“, Umsatzeinbußen und Leerstände hätten zugenommen. „Die Sanierung hätte früher und jeweils nur halbseitig erledigt werden müssen. Die Auswirkungen wären weniger gravierend“. Christa Mayer vom „Schuhhaus Mayer“ stimmt zu: „Wir haben noch Glück, das Haus gehört uns, wir zahlen keine Miete. Aber es kommen weniger Kunden. Wir geben inzwischen zehn Prozent Rabatt“.

Tobias Gebhardt, bei der seit über 50 Jahren in der Hausnummer 301 angesiedelten „Raumgestaltung Tilo Ramm GmbH“ in der Geschäftsleitung tätig, sorgt sich um Parkplätze und damit Kundenservice: „Die einzige Parkbucht in Oberrad ist zwar vor unserem Geschäft, es sind aber keine Kurzparkplätze und daher stets von Anwohnern zugestellt.“ Was wegen des Platzmangels „sogar verständlich“ sei.

Rasende Geisterfahrer

Volker Hartmann vom Vorstand des Bürgervereins Oberrad bilanziert: „Nach anfänglich chaotischen Zuständen wie Suchverkehr, Ignoranz gegenüber Beschilderungen und amoralischem Verkehrsverhalten hat sich die Lage etwas entspannt“. Doch seien Anwohner von „rasenden Geisterfahrern etwa in der teils gesperrten Balduinstraße“ (hier dürfen nur Kleinbusse fahren) sogar bedroht worden. Die Anbindungen des 81er Busses an die Straßenbahnlinie 16 sei mangelhaft.

Kai Abicht, Wirt des Lokals „Grüne Soße und mehr“ am Buchrainplatz, kritisiert die fast fünf Kilometer lange Umleitung, die nehmen muss, wer vom östlichen in den westlichen Teil Oberrads gelangen will: Über Buchrainplatz, Wehr- und Gerbermühlstraße am Main bis nach Sachsenhausen und den Mühlberg zurück über den Goldbergweg. „Ein Wahnsinn“.

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