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ARCHIV - Oper und Schauspiel in Frankfurt am Main (Hessen), aufgenommen am 09.12.2013. Foto: Daniel Reinhardt/dpa (zu dpa "Sanierung von Schauspiel und Oper: Feldmann will alle Optionen prüfen" vom 21.07.2016) +++(c) dpa - Bildfunk+++

Podiumsdiskussion

Sanierung von Oper und Schauspiel: Vorhang zu und viele Fragen offen

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Die Geschäftsführer der Städtischen Bühnen, Bernd Loebe und Anselm Weber, haben bei einer Podiumsdiskussion die Stadtpolitiker aufgefordert, bei der Sanierung des Doppelhauses von Schauspiel und Oper eine klare Richtung vorzugeben. Weber äußerte zudem die Hoffnung, dass eine Sanierung im Bestand für 200 bis 250 Millionen Euro möglich sein könnte.

Im Juni hat das Gutachten für die verschiedenen Varianten einer Sanierung oder eines Neubaus der Städtischen Bühnen die Stadtpolitik aufgeschrecktr: Bis zu 889 Millionen Euro könnten fällig werden, wenn das technisch marode Bauwerk am Willy-Brandt-Platz (dort sind Oper und Schauspiel untergebracht) abgerissen und an gleicher Stelle durch einen Neubau ersetzt wird. Die Kosten einer Sanierung werden auf 848 bis 868 Millionen Euro geschätzt. Oberbürgermeister Peter Feldmann (SPD) hält die Kosten für zu hoch und will eine Neuplanung.

Unter dem Titel „Was soll das Theater?“ diskutierten Theatermacher und Kulturschaffende bei der 45. Auflage der Römerberggespräche am Samstag in Frankfurt über die Frage, mit welchen Anforderungen Theater und Schauspiel in der Gegenwart konfrontiert sind.

Schauspielintendant Anselm Weber äußerte die Hoffnung, dass sich vielleicht doch eine Sanierung im Bestand für 200 bis 250 Millionen Euro bei laufendem Spielbetrieb realisieren lassen könnte. Wie er zu diesen Zahlen kam, blieb unklar. Mit Blick auf eine Interimslösung oder eine Ausweichspielstätte stellte Weber aber klar: „Ich gehe nicht fünf Jahre in eine Baustelle oder spiele in einer Bretterbude Theater.“ Für die Oper erklärte deren Intendant Bernd Loebe im Hinblick auf eine Ausweichspielstätte: „Wir wären nicht gänzlich unvorbereitet.“ Weber verwies allerdings auch auf die Problematik von Ersatzspielstätten: „Oper und Schauspiel verdienen 15 Millionen Euro im Jahr.“ Diese Einnahmen brächen bei einer Ausweichspielstätte wegen der geringeren Zuschauerkapazität dramatisch ein.

Die überregionale, ja internationale Bedeutung der beiden Häuser möchten die beiden Intendanten erhalten. „Wir haben eine eigene Identität aufgebaut“, betonte Loebe. Das bestätigte die Dramaturgin Yvonne Büdenhölzer. Die Frankfurter Bühne sei „besonders und riesig“. Nur wenige Regisseure beherrschten diese Bühne.

Eine neue Bühnentechnik werde zwar mit Kosten von etwa 100 Millionen Euro beziffert, aber sie sei auch extrem wichtig für Qualität und Vielfalt der Städtischen Bühnen, sagte Loebe. Und sein Schauspielkollege Weber ergänzte: „Wenn Sie dem Theater die technischen Möglichkeiten nehmen, dann nehmen Sie ihm den Zauber. Ohne Drehbühne und Schnürbühne sind wir nicht einmal mehr regional.“

Loebe forderte die Stadtpolitik an oberster Stelle auf zu handeln: „Der Oberbürgermeister muss sagen, was er will, anstatt in alle Richtungen zu arbeiten.“ Loebe hat bei dieser Handlungsweise einen bestimmten Verdacht: „Man will das Thema nicht in die Hand nehmen, weil man fürchtet, Wählerstimmen zu verlieren.“ Und Weber fügte hinzu: „Herr Loebe und ich können nicht entscheiden, welche Bedeutung dieses Haus haben soll. Wir wünschen uns ein Haus von überregionaler Bedeutung. Wenn die Politik entscheidet, dass es nicht so sein soll, dann ist es eben so.“

Die Mehrheit des Publikums im mit rund 200 Personen voll besetzten Chagall-Saal ließ erkennen, dass es sich einen Verbleib am Standort wünscht. Auch der Frankfurter Architekt Ernst Ulrich Scheffler hält zumindest die über 100 Meter lange Glasfassade für erhaltenswert. Die Schaufront von Apel/Beckert/Becker verweigert jegliche Repräsentation. Scheffler betonte: Otto Appel war ein Star seiner Zeit. Er hat sein Besters gegeben.

Ein repräsentativeres Gebäude „mit mehr Strahlkraft“ forderte dagegen der Kölner Architekt Peter Böhm. Er vermisst an dem 1960-er-Jahre-Bau „das Festliche, Liebevolle und Lustvolle. Das Gebäude verkörpere den Satz: „Ich will mich bilden und gehe ins Theater.“ Frankfurt habe etwas Besseres verdient, folgerte Böhm, erhielt für diese Aussage aber nur spärlichen Applaus.

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