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Das "Sarotti-Häuschen" auf der ehemaligen Galopp-Rennbahn

Galopp-Rennbahn

"Sarotti-Häuschen" wird abgerissen

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Die Tage des „Sarotti-Häuschens“ inmitten des früheren Rennbahngeländes in Niederrad sind gezählt. Das Landgericht wies die Eigentümerin des wenige Quadratmeter großen Holzpavillons in einem gestern ergangenen Urteil an, diesen zu räumen und abzubauen.

Damit hat die Stadt nun einen der letzten Prozesse um die Zukunft des rund 18 Hektar großen Rennbahngeländes für sich entschieden. Sie hatte die Besitzerin des „Sarotti-Häuschens“, Alexa zu Solms-Wildenfels, vor Gericht auf Räumung des Grund- und Bodens mitten im Rennbahn-Areal verklagt. Und sich dabei besonders auf den im Frühjahr dieses Jahres vom Bundesgerichtshof (BGH) für rechtmäßig erklärten Aufhebungsvertrag zwischen der Betreibergesellschaft der Rennbahn und der Stadt berufen. Richterin Katja Zorembsky von der 27. Zivilkammer folgte in der gestern ergangenen Entscheidung dieser Argumentation. Dort, wo es kein Mietverhältnis mehr gebe, könne auch kein „Gestattungsvertrag“ zwischen dem Rennklub und der Pavillon-Besitzerin mehr gültig sein. Der Rechtsanwalt der beklagten Mutter des seitherigen Rennklub-Vizepräsidenten Carl Philipp Graf zu Solms-Wildenfels hatte damit argumentiert, dass wohl das Mietverhältnis aufgehoben sei, nicht aber der gesondert geschlossene Gestattungsvertrag.

Ungeachtet der Möglichkeit, gegen die landgerichtliche Entscheidung Berufung beim Oberlandesgericht einlegen zu können, wird es jetzt Ernst für das „Sarotti-Häuschen“ inmitten des großteils geräumten Rennbahn-Areals. Das Gericht gestattete der Stadt die „vorläufige Vollstreckung“ des Urteils. Heißt: Sollte eine Sicherheitszahlung von 90 000 Euro hinterlegt werden, könnte mit dem Abbau des Pavillons kurzfristig begonnen werden. Ein Vollstreckungsschutzantrag der Eigentümerin wurde von der Zivilkammer zurückgewiesen, weil die Interessen der Stadt an einer Übergabe des freien Geländes an den DFB überwiegen.

In der mündlichen Verhandlung hatten die Rechtsanwälte der Stadt der Eigentümerin noch die Hand zu einer gütlichen Einigung zu reichen versucht. Der Pavillon sollte zwar weichen, aber im geplanten Bürgerpark wieder aufgebaut werden – inklusive der zahlreichen Exponate zur Geschichte des Rennsports in Frankfurt, den Alexa zu Solms-Wildenfels als passionierte Reiterin selbst mitgeprägt und in einer Dauerausstellung in dem kleinen Haus auch dokumentiert hatte. Doch auch in diesem Prozess kam es nicht zu einer versöhnlichen Einigung.

Im Baudezernat der Stadt reagierte man entspannt auf die neue Entscheidung. „Wir wollen so schnell wie möglich das Urteil vollstrecken“, sagte Sprecher Günter Murr auf Anfrage. Das „Sarotti-Häuschen“, in dem früher einmal die Bauchläden gelagert worden waren, aus denen heraus Süßigkeiten für Rennsport-Besucher verkauft wurden, sei schließlich „der letzte relevante Streitgegenstand für die Räumung des Rennbahngeländes“ gewesen. Ob der Prozess vor dem Landgericht auch der letzte in Sachen Rennbahn gewesen ist, ist jedoch zu bezweifeln. Beim Oberlandesgericht liegen noch diverse Aktenstapel, die sich mit Zahlungsklagen und ähnlichem zur einstigen Rennbahn beschäftigen.

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