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Prof. Hubert Serve gehört zum Team im Universitären Centrum für Tumorerkrankungen und ist auf Leukämie-Erkrankungen spezialisiert.

Ärzte der Uniklinik setzen im Kampf gegen Tumore auf die neuen Immuntherapien

Scharfe Waffe gegen Krebs

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500 000 Menschen werden in Deutschland 2017 neu an Krebs erkranken. Vier von zehn werden daran sterben – noch immer, nach Jahrzehnten der Forschung. Anlässlich des Weltkrebstages am 4. Februar stellten Ärzte der Uniklinik die neuesten Forschungs- und Behandlungsansätze vor: Mit neuen Medikamenten stimulieren sie das Immunsystem. Eine Perspektive für viele Patienten.

An sich ist es einfach: Zellen des Immunsystems erkennen Krebszellen an deren Oberflächenmerkmalen, docken an und lösen eine Zerstörungskaskade aus. Der Krebs verschwindet. Das Problem bislang: Die Krebszelle kann die Immunzelle ausschalten, gewissermaßen den Nothelfer außer Gefecht setzen. Dies geschieht über sogenannte Checkpoints.

Nun die gute Nachricht: Es gibt mittlerweile Medikamente, die wiederum die Checkpoints des Immunsystems blockieren. Diese sogenannten Checkpoint-Inhibitoren wirken gut gegen Tumore, die sich genetisch rasch verändern: „Haut- und Lungenkrebs oder Kopf-Hals-Tumoren sprechen gut an“, erläuterte Prof. Christian Brandts, Direktor des Universitären Centrums für Tumorerkrankungen (UTC). Das UTC hat gestern über die neuen Therapieansätze informiert.

Den Erfolg bezeichnet Prof. Markus Meissner, Leiter des Hautkrebszentrums, als „revolutionär“. „Schwarzen Hautkrebs mit Metastasen überlebte die Hälfte der Patienten nicht länger als sechs Monate. Jetzt können sie vier Mal länger am Leben bleiben.“ Die ersten Inhibitoren bei Hautkrebs erhielten 2011 die Zulassung.

Wegbereiter bei der Krebsforschung sind schon immer die Hämatologen. „Wir können sehr einfach Proben des Tumors nehmen“, erklärt Prof. Hubert Serve, Direktor der Medizinischen Klinik II. „Eine Blutprobe genügt.“ Im Reagenzglas testen die Ärzte, auf welche Chemotherapie der Blutkrebs besonders empfindlich reagiert, welche Immuntherapie wirkt.

Ein weiteres Verfahren, in den vergangenen Jahren auch in Frankfurt entwickelt, ist dabei das der bi-spezifischen Antikörper. „Sie verkoppeln die Immunzellen und die Tumorzellen sehr stabil und sorgen für die Vernichtung des Tumors“, so Serve. Jetzt könne es auch möglich sein, mit Stammzellen ein neues Immunsystem aufzubauen und mit bi-spezifischen Antikörpern verschiedene Krebsarten schon im Ansatz zu bekämpfen.

Prof. Christine Solbach, Leiterin des Brustkrebszentrums, berichtete: „Jede zehnte Frau erkrankt im Lauf des Lebens an Brustkrebs.“ Früh erkannt, lasse die Krankheit sich gut bekämpfen. Auch dabei helfen Immuntherapien wie die Checkpoint-Inhibitoren und bi-spezifische Antikörper, meist in Kombination mit anderen Therapien.

Denn für die alten Methoden wie Strahlen- und Chemotherapie ist lange kein Ende in Sicht, sie werden weiter gebraucht. Prof. Claus Rödel, Direktor der Klinik für Strahlentherapie, sieht für sie jedoch Vorteile aus der Immuntherapie: Die Wirksamkeit der Chemo- und Strahlentherapie steigt, wenn das Immunsystem der Patienten die Tumorzellen gleichfalls bekämpft.

Die Anwendung der Inhibitoren ist vergleichsweise einfach: „Eine Spritze alle zwei oder drei Wochen“, so Prof. Brandts. Als Nebenwirkungen können Autoimmunerkrankungen auftreten, die die Ärzte jedoch behandeln könnten. Ein anderer Aspekt sind die Kosten. „Im Mittel würde ich schätzen, dass die neuen Therapien 150 000 Euro pro Patient und Jahr kosten“, so Serve. Die Kassen zahlen diese Kosten.

Ein weiteres Problem ist, dass die Immuntherapie nur bei etwa jedem dritten Patienten anspricht, erklärte Prof. Sven Becker, Direktor der Klinik für Frauenheilkunde. Bei welchem, ist eine von vielen Forschungsfragen, die sich bei der neuen Therapie noch stellen. Letztlich ließen sich Behandlungskosten sparen, wenn nur diejenigen die neuen Medikamente erhielten, denen sie auch nützen.

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