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Schauspiel und Oper: Tendenz geht zu Abriss und Neubau

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Von: Thomas Remlein

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Frankfurts Städtische Bühnen (Oper und Schauspiel) sind ein teurer Sanierungsfall. Aber deswegen abreißen? Ina Hartwig votiert für den Verbleib am Standort.
Frankfurts Städtische Bühnen (Oper und Schauspiel) sind ein teurer Sanierungsfall. Aber deswegen abreißen? Ina Hartwig votiert für den Verbleib am Standort. © Daniel Reinhardt (dpa)

Die Debatte um Sanierung oder Neubau von Schauspiel und Oper hat gestern Fahrt aufgenommen. Während die SPD einen Neubau an alter Stelle favorisiert, will die CDU auch andere Standorte prüfen.

Kulturdezernentin Ina Hartwig (SPD) stellte gestern im Stadtparlament noch einmal das Ergebnis der Machbarkeitsstudie zu den Städtischen Bühnen vor. Das 800 Seiten umfassende, von Hartwigs Vorgänger Felix Semmelroth (CDU) in Auftrag gegebene Gutachten sieht drei Varianten vor: Eine Sanierung im Bestand mit einer provisorischen Spielstätte im Haus; das würde elf Jahre dauern und unterm Strich 868 Millionen Euro kosten (Variante 1).

Eine Sanierung mit Auslagerung einer Bühne: Der Bau würde acht Jahre in Anspruch nehmen und wäre mit 848 Millionen Euro etwas günstiger (Variante 2).

Der Totalabriss und Neubau wäre mit sechs Jahren Bauzeit die schnellste Variante. Auf der Basis anderer Theaterbauten kalkulieren die Architekten mit insgesamt 889 Millionen Euro (Variante 3).

Erschreckende Zahlen

„Weil sich die Zahlen annähern, müssen wir uns mit allen Varianten beschäftigen“, sagte Hartwig und fügte hinzu: „Die Zahlen haben uns alle erschreckt.“

Die Sanierung im Bestand mit einem Hochhaus im Norden des Areals (Variante 1) nannte sie wenig plausibel. Dies sei „kein Zeichen für die Zukunft“, zudem sei es schwierig, so lange das Publikum bei Laune zu halten. Für Hartwig bietet sich daher die Variante 3 an. Dann könnte man definieren, „welches Theater für das 21. Jahrhundert wir wollen“. Sie regte an, Zitate des bestehenden Gebäudes wie die Glasfassade in einen Architektenwettbewerb aufzunehmen.

Als Vorteile der Variante 2 nannte sie: Die kürzere Bauzeit; für Frankfurt könne ein neues Markenzeichen entstehen, das Modell der Doppelanlage von Schauspiel und Oper könne fortgeführt werden. Eine Interimsspielstätte könne am Kulturcampus Bockenheim entstehen, das danach in ein Zentrum für ästhetische Avantgarde umgewandelt werden könnte. „Damit hätte Frankfurt ein Alleinstellungsmerkmal jenseits der Königsdisziplin Oper und Schauspiel“, sagte die Kulturdezernentin. Als Interimsspielort für die Oper schlug sie einen angemieteten Holzbau oder eine angemieteten Messehalle vor. Sie nannte als Beispiel die Genfer Oper, die während der Sanierung in einem Holzbau untergebracht war.

Auch der kulturpolitische Sprecher der CDU-Fraktion, Thomas Dürbeck, will nicht ausschließen, „dass ein Neubau die beste Lösung ist“. Aber die Prüfung aller Varianten müsse auch für den Standort gelten. Ein Neubau an anderer Stelle sei erheblich günstiger. Zu den Provisorien stellte er kritische Fragen: Finde wir gute Künstler, die fünf Jahre in Provisorien spielen? Bieten diese genügend Platz? Was, wenn sich der Bau verzögert? Dürbeck kritisierte die hohen Ansprüche Hartwigs. Er erinnerte daran, dass die Kosten für die Sanierung der Bühnen im Bereich der Kosten für die Elbphilharmonie lägen. Aber Hamburg habe mit Einnahmen in Höhe von elf Milliarden Euro eine andere Wirtschaftskraft als Frankfurt mit 3,7 Milliarden.

Nicht zu stemmen

Baudezernent Jan Schneider (CDU) sprach daher bei den Kosten von Dimensionen, „die nicht zu stemmen sind“. Ein Zehntel der Summe falle allein für Ersatzspielstätten an. Auch habe das Raumprogramm eine erhebliche Ausweitung erfahren: von 44 000 auf 53 000 Quadratmeter. Renate Wolter-Brandecker (SPD) verteidigte das Raumprogamm: Dieses sei kein Wunschkonzert der Intendantin.

Sebastian Popp (Grüne) erklärte, Theater und Oper müssten als Doppelanlage genau an dem Ort blieben an dem sie sind, „nicht an einer zugigen Ausfallstraße“. Die Summe von 880 Millionen Euro habe klassische Reflexe ausgelöst.

Stefan von Wangenheim (FDP) hält den Kulturcampus als Interimsspielstätte für geeignet, am besten mit Holzbau. Der Willy-Brandt-Platz müsse Spielstätte bleiben, aber dann in einem Hochhaus.

(tre)

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