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Schillermarkt ohne Kräuter-Kurti - nach 22 Jahren

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Ein Bild, das nun der Vergangenheit angehört: Kurt und Beate Pfeiffer an ihrem Stand auf dem Schillermarkt.
Ein Bild, das nun der Vergangenheit angehört: Kurt und Beate Pfeiffer an ihrem Stand auf dem Schillermarkt. © Rainer Rueffer-- FRANKFURT AM MA

Der Schillermarkt muss seit gestern ohne Kräuter-Kurti auskommen. Die rund 700 Kräuter, Gewürze und ätherischen Öle verkauft zwar jetzt ein anderer. Der Humor des Ehepaars Pfeiffer wird Kunden und Kollegen aber fehlen.

Nach 22 Jahren hört Kräuter-Kurti auf. Als Kurt und Beate Pfeiffer das bei ihren Kunden und Kollegen auf dem Wochenmarkt in der Schillerstraße bekannt gaben, reichten die Reaktionen von Bedauern bis hin zu purer Ablehnung. Immerhin sind einige für die Pfeiffers zu Freunden geworden. Manche sprachen „vom Ende einer Ära“.

Wenige besänftigte die Tatsache, dass ein anderer den Stand übernimmt und die mehreren hundert Kräuter, Gewürze und ätherischen Öle also weiterhin gekauft werden können. „Ohne die Pfeiffers wird der Schillermarkt nur halb so viel Spaß machen“, sagt ein Händler an einem benachbarten Stand.

Kurt Pfeiffer sitzt zu Hause auf dem Sessel und atmet tief durch, während er davon erzählt. Dann winkt er ab, als wolle er die Gedanken des Bedauerns verscheuchen. Er ist ja Optimist. „Nach 22 Jahren muss mal Schluss sein“, sagt er. Immerhin ist er schon 75 und seine Frau 72 Jahre alt.

Anfang mit sechs Kisten

Kurt Pfeiffer musste erst in Vorruhestand gehen, ehe er zu Kräuter-Kurti werden konnte. Vorher arbeitete er bei der Deutschen Bahn. Mit Kräutern hatte er nicht so viel am Hut. Von seiner Mutter kannte er ein paar Hausmittelchen. Erst als das erste Berufsleben endete, stellte sich die Frage nach dem zweiten. „Und wie aus dem Nichts hieß es, er verkauft jetzt Kräuter“, erinnert sich Beate Pfeiffer.

Am Anfang waren es nur sechs Kisten, ein bisschen Schafgarbe oder Salbei. Schnell wurde daraus mehr. Als Beate Pfeiffer in Rente ging, machte sie mit, spezialisierte sich auf Gewürze. „Ich habe mir alle möglichen Kochsendungen angesehen, um mehr über Gewürze zu lernen“, sagt sie. „Das war vielleicht nervig.“ Dann kamen die Kochbücher.

Auch Kurt Pfeiffer musste sich viel anlesen. Mittlerweile sind die beiden Experten, wenn es um Hausmittelchen geht. Am Stand bremsten sie oft die Erwartungen der Kunden. „Wenn es damit nicht besser wird, gehen Sie zum Arzt“, haben sie denen gesagt, die ein medizinisches Problem hatten.

Die Pfeiffers blühen auf, wenn sie vom Schillermarkt erzählen. Eine Anekdote jagt die nächste. Etwa die von einer älteren Dame: Ein Päckchen „Orgasmus“ wollte sie kaufen. „Was wollen Sie?“, fragte Kurt Pfeiffer. „Ein Päckchen Orgasmus!“ Kräuter-Kurti schaute überfordert zu seiner Frau und überlegte. „Meinen Sie Oregano?“ Verwundert fragte die Dame: „Was habe ich denn gesagt?“ Da fiel der Groschen. Lange wird sie sich aber nicht geschämt haben. Die Pfeiffers sind Humor-Experten – sie wissen, wie man dafür sorgt, dass alle lachen.

Natürlich habe es auch unangenehme Kunden gegeben, sagt Beate Pfeiffer. Mit denen habe man weniger gelacht, dafür aber über sie. Einmal beschwerte sich etwa einer vor versammelter Kundschaft, dass die Vanille verdorben sei. „Die ist ganz schwarz“, sagte er. Dass Vanille eben so aussieht, wusste er nicht und ließ sich auch nicht belehren. Solche Kunden nannten die Pfeiffers „Gänseblümchen“. Kam so einer, drückte der eine Pfeiffer der anderen eine kleine Gießkanne in die Hand: „Das Gänseblümchen muss gegossen werden.“

Der Witz zeigt, wie eingespielt die beiden nach 52 Jahren Ehe sind. Damals, 1966, waren sie etwas mehr als ein Jahr zusammen. Beim Karneval hatten sie sich kennengelernt und wegen des sogenannten Kuppelparagraphen früh geheiratet. „Da war ich 19“, sagt Beate Pfeiffer. „So war Kurt für zwei Jahre mein Erziehungsberechtigter.“ Sie schüttelt verständislos den Kopf. Wenn sie davon erzählt, wirkt das Gesetz noch absurder. Man kann sich keine Staatsgewalt vorstellen, die Beate Pfeiffer davon abhält, selbst über sich zu bestimmen.

Dann eben klöppeln

Werden die Pfeiffers den Schillermarkt vermissen? „Auf jeden Fall.“ Beate Pfeiffer antwortet wie aus der Pistole geschossen. Sie hat sich schon für einen Klöppelkurs angemeldet.

Ihr Mann weiß indes noch nicht, was er von dem neuen Hobby halten soll. „Werden dann auf jedem Tisch und jeder Komode Spitzendeckchen liegen, die du geklöppelt hast?“, fragt Kurt seine Frau. „Das kann ich nun gar nicht gebrauchen.“ „Quatsch“, antwortet Klöppel-Beate in spe. „Ich mache nur Eierbecher und dir jede Menge neue Unterhosen.“

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