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Ein Wegweiser zeigt, wie die Schlafplätze in der U-Bahn-Station Eschenheimer Tor zu erreichen sind.

Winterübernachtung

Kältewelle: Schlafplätze im in der U-Bahn-Station sind begehrt

Bei der derzeitigen Kältewelle ist das Übernachten im Freien kein Vergnügen. Deshalb stehen die Schlafplätze für Obdachlose in der U-Bahn-Station Eschenheimer Tor hoch im Kurs.

Frankfurt - Die aktuelle Kältewelle macht sich auch auf Frankfurts Straßen bemerkbar. In der städtischen Notübernachtung für obdachlose Menschen, die im November von der Hauptwache in die B-Ebene der U-Bahn-Haltestelle Eschenheimer Tor umgezogen ist, suchen nachts derzeit wesentlich mehr Menschen Schutz vor Minusgraden. In der Nacht auf Montag hätten 157 Menschen  das Angebot genutzt, dort im Warmen auf dem Fußboden zu schlafen, sagte Manuela Skotnik, Sprecherin von Sozialdezernentin Daniela Birkenfeld (CDU). Das sei eine „unmittelbare Reaktion auf die Kälte“. Bisher hätten in diesem Winter nur etwa 100 Menschen pro Nacht  die neue Einrichtung genutzt.

Frankfurt: Notübernachung für alle offen

Der starke Anstieg der Übernachterzahlen belege, dass die Notübernachtung unter Frankfurts Obdachlosen sehr wohl bekannt sei, von vielen aber nur bei großer Kälte genutzt werde, sagte Skotnik. Das Angebot steht allen Menschen unabhängig von Nationalität und Status offen, es wird daher vor allem von Obdachlosen etwa aus Rumänien und Bulgarien genutzt, die in anderen Unterkünften der Stadt nicht aufgenommen werden. Grundsätzlich sieht die Stadt sich mit ihrem Hilfssystem für Obdachlose auch bei großer Kälte gut gerüstet. Man halte alle nötigen Strukturen bereit, sagte Skotnik. Gleichwohl sei man natürlich besorgt, „dass jemand das nicht richtig einschätzt und trotz schlechter Ausrüstung im Freien schläft“. Es sei daher in den kommenden Tagen sehr wichtig, dass alle Bürger, die nachts draußen Obdachlose anträfen, den Kältebus des Frankfurter Vereins für soziale Heimstätten  informierten unter 069 431414.

Zum Thema: Video: Kältebus versorgt Obdachlose in Frankfurt

Klaus Schäfer, Leiter der von der Caritas betriebenen Tagesaufenthaltsstätte in der Bärenstraße, sieht die fallenden Temperaturen aktuell noch relativ gelassen. Die Lage sei „noch nicht angespannt“, sagte er. Seine Einrichtung sei trotz der Kälte nicht überlaufen. Derzeit gebe es sogar noch freie Plätze bei den Notbetten, die die Bärenstraße in jedem Winter zusätzlich anbiete. Dennoch seien alle, die in der Obdachlosenhilfe arbeiteten, bei Minusgraden natürlich besonders aufmerksam, sagte Schäfer.

Frankfurt: Bahnhofsviertel im Blick

Ein besonderes Augenmerk auf das Bahnhofsviertel  möchte der Förderverein Roma kommende Woche werfen. Zusammen mit dem in der Weserstraße ansässigen Diakoniezentrum Weser 5 werde man Orte aufsuchen, an denen vor allem in den Sommermonaten obdachlose Roma übernachtet hätten, berichtet Geschäftsführer Joachim Brenner.

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„Momentan aber stellen wir fest, dass die Leute, mit denen wir Kontakt hatten, und die jetzt nicht am Eschersheimer Tor unterkommen, weg sind“, sagt er. Waren im Frühling und Sommer Gruppen von Roma zu beobachten, die vor allem im Bahnhofs- und Gutleutviertel auf Plätzen oder in Eingangsbereichen von Geschäftshäusern nächtigten, sei die Situation im Moment relativ ruhig. „Wir vermuten, dass die meisten entweder bei Bekannten untergekommen sind, sich in anderen Städten aufhalten oder auch in Rumänien“; sagt Brenner.

von DANIJEL MAJIC UND HANNING VOIGTS

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