Studie: Gesundheitsrisiko "vollständig unterschätzt"

Schlechte Luft auch am Römerberg

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Seit Jahren ist bekannt, dass in Frankfurt die Grenzwerte für Stickstoffdioxid nicht eingehalten werden können. Eine am Mittwoch veröffentlichte Studie von Greenpeace (siehe auch Seite 1) zeigt erstmals, wie groß das Problem vor allem in der Innenstadt ist.

Im Frühjahr vermeldete die Stadt einen kleinen Erfolg: Erstmals seit Jahren wurde am Höchster Bahnhof der Grenzwert für Stickstoffdioxid (NO2) eingehalten. Zurückgeführt wird das auf die modernen Busse an der benachbarten Haltestelle. Hingegen sind in der Friedberger Landstraße – einer engen, verkehrsreichen Straßenschlucht – die Werte nach wie vor überhöht. Als Hauptursache für die Schadstoffe gelten die Abgase aus Dieselfahrzeugen. Dieses Problem ist selbst bei modernen Motoren noch nicht gelöst.

In Höchst und an der Hanauer Landstraße im Osten der Stadt ermittelt die zuständige Landesbehörde die sogenannte Hintergrundbelastung, also die Schadstoffkonzentration abseits der Verkehrsschwerpunkte. Doch nach Einschätzung von Experten des Instituts für Umweltphysik der Uni Heidelberg sind die beiden eher am Stadtrand gelegenen Messstellen nicht repräsentativ. Die tatsächliche Belastung sei viel größer, sagt Denis Pöhler, der mit seinen Kollegen im Auftrag von Greenpeace die Luftqualität in zwölf Städten untersucht hat.

Anfang März waren die Heidelberger Umweltphysiker mit mobilen, auf einem Fahrrad installierten Messgeräten in Frankfurt unterwegs. An 14 Stellen, überwiegend in der Innenstadt und in Sachsenhausen, haben sie die NO2-Belastung ermittelt. Zwar dauerten die Messungen jeweils nur eine halbe Stunde, doch die Experten haben eine Methode entwickelt, durch den Abgleich mit den Daten aus dauerhaft installierten Stationen einen realitätsnahen Jahresmittelwert zu errechnen. „Unsere Zahlen stimmen mit einer Abweichung von zehn bis 20 Prozent“, sagte Denis Pöhler, einer der Autoren der Studie, im Gespräch mit der FNP.

Das Ergebnis der Berechnungen ist ernüchternd: An allen Messstellen wird der zulässige Jahreswert von 40 Mikrogramm NO2 pro Kubikmeter Luft überschritten. Spitzenreiter ist der Börneplatz. An der dortigen Straßenbahnhaltestelle wurde im abendlichen Berufsverkehr ein Wert gemessen, der hochgerechnet auf ein Jahr einen Wert von rund 90 Mikrogramm ergibt – deutlich mehr als die offiziell an der Friedberger Landstraße gemessenen 53 Mikrogramm. An zweiter Stelle folgt der Reuterweg mit 62 Mikrogramm, obwohl zum Zeitpunkt der Messung nach Angaben der Experten gar nicht so viele Autos unterwegs waren.

Aber nicht nur an Verkehrsschwerpunkten ist die Luft schlecht. Auch in der Stegstraße, einer eher ruhigen Wohnstraße in Sachsenhausen, haben die Experten einen überhöhten Wert berechnet. Und selbst an Plätzen, wo es unmittelbar keinen Autoverkehr gibt, ist die Luft schlecht – zum Beispiel am Römerberg. Pöhler erklärt das mit der allgemein hohen Verkehrsdichte in der Innenstadt und der schlechten Durchlüftung in den Straßenschluchten. „Das bedeutet, dass eine hohe Grundbelastung für einen großen Teil der Bevölkerung vorliegt“, heißt es in der Studie. Durch die offiziellen Messstationen werde das Gesundheitsrisiko „vollständig unterschätzt“.

Insgesamt schwankt die Belastung von Straße zu Straße. Das zeigen die Messungen auf drei verschiedenen Strecken, die mit dem Fahrrad abgefahren wurden. Vor allem an Hauptverkehrsstraßen war die Belastung hoch, sie lag zwischen 63 und 72 Mikrogramm. „Das hohe Verkehrsaufkommen, geringer Abstand der Radwege zur Fahrbahn und enge Straßen verursachen konstant sehr hohe Konzentrationen, denen die Radfahrer ausgesetzt sind“, heißt es in der Studie. Die Autoren führen das auch auf die ihrer Ansicht nach unzureichenden Radwege zurück. Oft habe der Radler auf der Straße hinter Autos fahren müssen. Auf Nebenstraßen auszuweichen, bringe den Radfahrern in Frankfurt wenig, da auch dort die Belastung hoch sei.

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