Menschen tragen Weihnachtsbaum durch die Straße
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Frankfurt: Weihnachtsmarkt in Bornheim ist abgesagt – Schlechte Stimmung auf der Berger Straße

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Frankfurt: Weihnachtsmarkt in Bornheim ist abgesagt – Schlechte Stimmung auf der Berger Straße

  • Matthias Bittner
    vonMatthias Bittner
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Trotz umfangreicher Hygienemaßnahmen hat der Weihnachtsmarkt auf der Berger Straße keine Genehmigung erhalten. Die Veranstalter sind enttäuscht.

Der Traum von weihnachtlicher Stimmung in der Berger Straße ist für die Interessengemeinschaft Untere Berger Straße (IGUB) geplatzt. Wie deren Vorsitzender Kaweh Nemati mitteilt, hat das Amt für Straßenbau- und Erschließung angesichts der grassierenden Corona-Pandemie keine Genehmigung erteilt. "Ich kann die Begründung nachvollziehen", sagt Nemati. Schließlich sei der Weihnachtsmarkt auf dem Römerberg und in Teilen der Innenstadt auch abgesagt worden. Eine Ausnahme für die IGUB wäre da schwer durchzusetzen und zu erklären gewesen.

Die Veranstaltung in der unteren Berger wäre mit dem geschäftigen Treiben auf dem Römerberg jedoch nicht vergleichbar gewesen. 18 bis 20 Buden hätten vom 1. Advent an im Abstand von 25 bis 40 Meter auf dem Abschnitt zwischen Höhenstraße und Bethmannpark aufgebaut werden sollen. Besucher hätten den vorgeschriebenen Mindestabstand von 1,5 Meter deshalb einhalten können. Es habe sogar die Überlegung gegeben, die Buden bis in den Januar hinein geöffnet zu lassen. "Aber wir hätten auch nicht schuld sein wollen, dass sich das Virus verbreitet", sagt Nemati. Und angesichts der späten Absage wäre doch eine enorme Kraftanstrengung erforderlich gewesen, um noch alles für den Start des Weihnachtsmarktes zu organisieren.

Für wenigstens etwas Weihnachtsstimmung im Corona-Winter: Straße soll leuchten

Damit zumindest etwas weihnachtliche Stimmung aufkommt, bemüht sich die IGUB laut Nemati, noch die Lichterkette aufzuhängen, die traditionell die Einkaufsstraße erleuchtet. Ursprünglich hatte Nemati angekündigt, in diesem Jahr darauf zu verzichten. Der Grund: Weil auch das Berger Straßenfest Corona-bedingt ausfallen musste, ist die Kasse ziemlich leer. "Wir verhandeln aber gerade mit der Firma, die die Lichterkette aufhängt. Die sucht auch Aufträge", hofft Nemati, dass der Inhaber der IGUB finanziell entgegenkommt. Das hat die Stadt schon getan, die übernimmt einen Großteil der Kosten für das Hängen der Weihnachtssterne in der Straße.

Keine großen Hoffnungen auf ein ertragreiches Weihnachtsgeschäft machen sich die Einzelhändler in der Einkaufsstraße. Einen großen Anteil daran habe die Bundesregierung. Spitzenpolitiker würden nicht müde zu betonen, wie wichtig die Einhaltung der Kontaktbeschränkungen sei und dass man am besten zu Hause bleiben solle. Oft werde auch propagiert, seine Weihnachtsgeschenke zeitnah im Internet zu bestellen, anstatt den Händler vor Ort zu unterstützen. Die Konsequenz aus allem: "Die Kunden sind verunsichert, die Geschäfte sind leer. Dabei ist der November normalerweise einer der umsatzstärksten Monate im Einzelhandel", sagt Nemati. Einige Geschäftsleute hätten angesichts leerer Verkaufsräume schon darüber nachgedacht, ihre Läden montags und dienstags gar nicht mehr zu öffnen.

Lockdown in Frankfurt: Pleitewelle kommt 2021

Nach Ansicht von Nemati wäre es sinnvoller gewesen, statt des vor rund einer Woche und bis Ende November verhängten "Lockdown light" alles komplett herunterzufahren: Einzelhandel und Gastronomie und jeweils den Betreibern eine Ausfallpauschale in Höhe von 50 Prozent ihres im November 2019 erwirtschafteten Umsatzes zu gewähren. So aber gingen die Einzelhändler jetzt leer aus.

"Die Stimmung in der Straße ist katastrophal", berichtet Nemati. Er weiß von einigen Kollegen, die jetzt schon nicht mehr wüssten, wie sie laufende Kosten wie Miete oder Strom im Dezember bezahlen sollen. "Die große Pleitewelle kommt dann aber sicher noch im nächsten Jahr", glaubt Nemati. Nicht ganz so dramatisch wie Nemati sieht Franz Steul, Vorsitzender des Gewerbevereins Bornheim-Mitte, die Lage für die Geschäftsleute in der oberen Berger Straße. Dort gebe es vor allem kleinere Läden, die mit dem gemäßigten Lockdown und der Regelung, dass pro zehn Quadratmeter Verkaufsfläche ein Kunde eingelassen werden dürfe, ganz gut klarkämen. Wie die finanzielle Situation der Geschäftsleute sei, wisse er nicht. Klarheit brächte vielleicht eine Umfrage, meint Steul. Matthias Bittner

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