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In diesem Mehrfamilienhaus in der Straße ?Im Uhrig? (Eschersheim) ist die Krabbelstube Jona untergebracht. Die Einrichtung ist in die Kritik geraten ? und mit ihr der Träger, das Diakonische Werk.

Alarm wegen Missständen

Schlimme Vorwürfe gegen die Diakonie

Gegen eine Kinderbetreuungseinrichtung der Diakonie in Frankfurt werden schwere Vorwürfe erhoben. Demnach haben Kitaleiterinnen die städtische Aufsichtsbehörde eingeschaltet, weil sie das Wohl der Kinder in ihrer Krippe gefährdet sahen.

Die Frankfurter Diakonie gehört bei der Kinderbetreuung zu den Großen in der Branche. Auf ihrer Internetseite wirbt die Diakonie für die Kinderbetreuung ab drei Monaten bis zum Alter von 12 Jahren. Demnach ist das Diakonische Werk in Frankfurt Träger von 26 Krabbelstuben und zwei Kinder- und Familienzentren. Insgesamt 426 Mitarbeiter sind in diesem Arbeitsfeld tätig. 1287 Kinder erhalten bei der Diakonie „eine liebevolle und pädagogisch wertvolle Erziehung“, so heißt es in dem Text.

Doch das war offenbar nicht immer so. Eine Kitachefin setzte laut der Wochenzeitung „Die Zeit“ einen Notruf an ihre Vorgesetzten in Frankfurt ab. Nach FNP-Informationen handelt es sich um die Krabbelstubbe Jona in Eschersheim. Sie öffnete „im Mai 2006 und bietet Betreuungsplätze für insgesamt 33 Kinder in drei Gruppen an. Doch die Kitaleiterin machte dort wohl schlimme Erfahrungen. „Noch nie habe ich Kinder so wund gesehen und schreien hören, weil sie nicht gewickelt wurden“, so zitiert die Wochenzeitung eine Kita-Mitarbeiterin. Sie und ihre Kolleginnen schalteten die Aufsichtsbehörde ein, weil sie das Wohl der Kinder in ihrer Krippe gefährdet sehen. Als Aufsichtsbehörde fungiert das Bildungsdezernat von Sarah Sorge (Grüne). Die zuständige Referentin Elke Voitl kennt die Vorwürfe. Sie verweist darauf, „dass wir in einem laufenden Verfahren schon rein rechtlich keine konkreten fallbezogenen Auskünfte zu träger- und einrichtungsbezogenen Prüfverfahren erteilen können“.

Das Diakonische Werk kennt den Beschwerdefall laut Zeit schon länger: Schon im Oktober 2014 alarmierte die Leitung der Krippe das Diakonische Werk: „Die Krabbelstube bietet aktuell für die Kinder leider nur eine Aufbewahrungssituation.“ Regelmäßig, so die Zeit, folgen Meldungen an die Diakonie als Träger, was alles schlecht läuft: „Mitarbeiterinnen lassen die Kinder im Schlafraum allein, obwohl es drinnen stockfinster ist und die Jüngsten die Türe nicht alleine öffnen können, wenn sie Angst bekommen. Erzieherinnen sprechen Kleinkinder schroff an, Windeln werden so selten gewechselt, dass Kinder wund werden und beim Wickeln vor Schmerzen weinen.

Diakoniechef Michael Frase war gestern für eine Stellungnahme nicht zu erreichen. Gegenüber der „Zeit“ erklärte er, die Vorgänge berührten interne Vorgänge deshalb könne sich die Diakonie nicht zu allen Punkten äußern. Von der Bereichleiterin Ursula Renkewitz haben die Journalisten aus Hamburg mehr erfahren. Renkewitz ist Bereichsleiterin für 13 Krippen der Diakonie. Sie spricht von einer „Schieflage der Pädagogik,“, sagt aber auch, dass man auf den stockfinsteren Schlafraum sofort reagiert, habe. Und weiter: Eine Fachberaterin habe die Einrichtung unterstützt, die damaligen Leiterinnen hätten ein Coaching erhalten. Inzwischen hätten sie allerdings gekündigt. Unter der neuen Führung laufe die Einrichtung stabil.

Wie alle Träger von Kinderbetreuungseinrichtungen hat auch die Diakonie Personalsorgen und sucht laut ihrer Internetseite „pädagogische Fachkräfte, Leitungskräfte, Fachkräfte aus dem Ausland sowie Praktikanten“. Das Stadtschulamt weist in seiner Stellungnahme darauf hin, dass es als zuständige Aufsichtsbehörde „mit allen Trägern der Kindertagesbetreuung Vereinbarungen geschlossen habe, um die Wahrung des Kinderschutzes und entsprechende Umsetzungsmaßnahmen zu garantieren“. Die Träger hätten sich darin verpflichtet, „für alle Einrichtungen Schutzkonzepte zu erarbeiten, ihre Mitarbeiter in Qualifizierungsmaßnahmen zu schulen und damit den Kinderschutz in standardisiertem Verfahren umzusetzen“. Dies werde auch regelhaft überprüft.

(red)

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