fff_turm_fruehchen_181120
+
Das Höchster Schloss in Lila: Chefarzt Lothar Schrod, Andrea Christiansen, Felix Fischer-Wasels, Evelyn Koch, Susanne Ressel und Ortsvorsteherin Susanne Serke (v.l.) stecken hinter der Aktion.

Aktion am Weltfrühchentag

Schloss wirbt im lila Licht für die gute Sache

  • Michael Forst
    vonMichael Forst
    schließen

Auch der stundenlange Stromausfall im Frankfurter Westen konnte die besondere Aktion des Höchster Klinikums und seines Frühgeborenen-Nachsorgeteams "Rückenwind" gestern nicht stoppen: Von 16 bis 23 Uhr ließen sie mit Hilfe einer Spezialfirma das Höchster Schloss vom Schlossplatz aus in Lila erstrahlen.

Der Licht-Spezialist Herbert Menge speiste seine vier Strahler sonst aus der Stromversorgung des Schlosskellers, doch diesmal verließ er sich lieber auf die eigenen mitgebrachten Stromaggregate.

"Frühgeborene sind so selten nicht"

Die Organisatoren, unterstützt von Ortsvorsteherin Susanne Serke (CDU), nutzten den gestrigen Frühgeborenen-Tag und die weltweite Aktion "Purple für Preemies" (Lila für Frühgeborene) dazu, um neugierig gewordenen Passanten freundlich und engagiert ihr besonderes Anliegen zu erklären: Ein Licht auf die Frühchen zu werfen, über die viele Menschen nach ihrer Wahrnehmung noch zu wenig wissen. "Dabei", gab Professor Lothar Schrod, Leiter der Kinderklinik zu bedenken, "kommen fünf bis acht Prozent aller Neugeborenen zu früh auf die Welt - so wenige sind es also nicht."

Die öffentliche Wahrnehmung indes sei meist "nur auf die extremen Fälle besonders kleiner Frühgeborenen von 300 bis 500 Gramm reduziert und darauf, dass sie dank der moderne Medizin überleben können". Andere Aspekte, die mit Frühgeburten zu tun haben können, würden hingegen ausgeblendet: Die Hoffnungen von Paaren, nach misslungenen Schwangerschaften doch noch die Chance auf ein Baby zu haben, das dann ein Frühgeborenes ist; die verzweifelten Ängste der Familien, wenn die Schwangerschaft nicht normal läuft und das Kind vorzeitig zur Welt kommt; die Herausforderungen und Belastungen, die möglicherweise auch nach der schwierigen Zeit des Babys in der Intensivstation auf die Eltern zukommen - "das sehen viele Menschen nicht."

Doch gerade in der ersten und besonders schwierigen Zeit des Übergangs vom Krankenhaus nach Hause greift am Höchster Klinikum die Arbeit des Teams Rückenwind aus Kinderkrankenschwestern, einer Sozialpädagogin, einer Kinderärztin und einer Familientherapeutin. Als erfahrene Fachkräfte organisieren, koordinieren, helfen, beraten und begleiten sie die Eltern bei den vielfältigen Herausforderungen, die der individuelle Familienalltag stellt.

Emotionale Treffen mit den Familien

Dabei, das betonen die Frauen um Team-Leiterin Andrea Christiansen, entstehen tiefe emotionale Erfahrungen auf beiden Seiten. Ausdruck davon sind jedes Jahr die gemeinsamen Treffen zum Weltfrühgeborenentag mit den "Rückenwind"-Mitarbeiterinnen und ehemaligen betreuten Familien, die die Erfahrungen als "Frühchen-Eltern" oft lebenslang prägen - häufig stärker als die damaligen Frühchen selber, "die wir oft als gesunde, lebensfrohe, junge Menschen wiedersehen," wie die Frauen erzählen. Da diese traditionelle Zusammenkunft mit den Eltern in diesem Corona-Jahr nicht möglich sei, "wollen wir mit dieser Aktion ein für alle sichtbares Zeichen für die Versorgung von Frühgeborenen setzen", erklärte Evelyne Koch, Kinderkrankenschwester auf der Kinder-Intensiv-Station und Managerin im Team Rückenwind. Aber auch an die Frühchen in der Kinderklinik selbst wurde an diesem Tag besonders gedacht. Ihre Eltern erhielten vom "Rückenwind"-Team kleine Päckchen mit einem Lila-Lätzchen mit der Aufschrift "Frühstart 2020" sowie besonderen Pflegeprodukten.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare