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Schluss mit Warten: Zurück ist der Chamisso-Garten

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Von: Sabine Schramek

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Eine Saatgut-Tauschbörse am Wochenende machte den Anfang und war gut besucht. Sehr zur Freude von Ute Posenenske, Laura Ebert und Beate Rudolph. FOTO:
Eine Saatgut-Tauschbörse am Wochenende machte den Anfang und war gut besucht. Sehr zur Freude von Ute Posenenske, Laura Ebert und Beate Rudolph. FOTO: © Rainer Rüffer

Garten-Paradies im Dornbusch lockt wieder mit Blüten und Aktionen

Verwunschen wie in einer anderen Welt wirkt der Chamissogarten. Zwischen haushohem Bambus, tiefgrünem Efeu, der sich seit Jahrzehnten um Backsteinmauern rankt, vor Farben explodierenden Blumenbeeten, romantischen Brunnen und halbversteckten Büsten, Figuren und Engeln aus Stein zwischen Pflanzen ist der Alltag sofort vergessen. Wer durch das große Schmiedeeiserne Tor tritt, wird aufgesogen von der Blütenpracht und mitgerissen, die verwunschenen Wege zu entdecken.

60 Stunden pro Woche

"Wir wollen, dass sich hier jeder wohlfühlt", sagt Ute Posenenske (52), die seit drei Jahren aus der ehemaligen Gärtnerei auf 2500 Quadratmeter Fläche ein Paradies der Inklusion, Kunstförderung und ökologischer Bildung durch gemeinsames Gärtnern geschaffen hat. "60 Stunden ehrenamtliche Arbeit in der Woche gehören dazu", sagt sie und beobachtet die neugierigen Besucher gespannt.

Auf Tischchen unter Pavillons liegen Samentüten voller Radieschen oder Rote Rüben, Erbsen und Bohnen, Tomaten und Paprika, Kräutern und Blumen. Gläser voller unterschiedlichster Samen kommen dazu und stehen leicht erreichbar vor Piktogrammen, die auf einfache Art zeigen, was man wo eintauschen kann gegen selbst mitgebrachte Samen. "So können auch Besucher, die schwer lesen können, sofort erkennen, was für Samen es gibt", so Laura Ebert vom Landesverband für Körper- und Mehrfachbehinderte Hessen (LVKM). "Das Umweltthema ist uns schon lange wichtig und weil der Chamissogarten barrierefrei ist, haben wir bei Ute Posenenske angefragt, ob wir eine gemeinsame Saatguttauschbörse machen können."

Voller Begeisterung staunen Besucher über die Auswahl, sie basteln aus Zeitungspapier kleine Samentütchen und tauschen, was sie mitgebracht haben gegen Neues und Anderes für ihre Blumentöpfe, Balkons oder Gärten. Es duftet nach frisch gebackenen Waffeln und Kaffee, der unter großen Bäumen angeboten wird und entdecken das märchenhafte Gelände. "Jetzt fehlt uns nur noch ein Pavillon, in dem wir rund ums Jahr Kaffee, Kuchen und Kunst anbieten können", sind sich Posenenske und Tanja Wüsten einig, die ebenfalls zum 40-köpfigen Team der Ehrenamtliche gehört, die das Gelände durch Permakultur, Hochbeete, an denen auch Rollstuhlfahrer direkt pflanzen können, und Pflanzen aller Art kultiviert.

Im Ortsbeirat wurde er bereits vorgestellt und mit Wohlwollen aufgenommen. "Gehört haben wir allerdings seither noch nichts", so Wüsten leicht enttäuscht. "Dabei ist es so wichtig, auch im Winter gemeinnützig tätig sein können."

Im hinteren Teil des Garten gackern bald wieder Hühner, die noch im Winterquartier untergebracht sind. Ein riesiger siebenstrahliger Stern ist voller Erde und in Bambus gefasst. An jede Sternspitze kommt ein Bienenstock mit Flugöffnung Richtung Beet. "Das Sternenbeet hat eine junge afghanische Frau ganz alleine mit Silas gebaut", erzählt sie. Silas ist behindert und liebt die Arbeit im Chamissogarten. "Ich schließe meine Augen und bin glücklich", sagt er über das Gartenparadies. Die junge Frau afghanische Frau hat gesagt, wie lang die Bambusstöcke sein müssen, Silas hat sie abgesägt und beide haben sie befestigt.

Kinder basteln Samenbollen

"In die Mitte ist ein kleiner Brunnen für die Bienen, damit sie genug zu trinken finden", so Wüsten. Zwischen Samen aus Ringelblumen, Königskerzen, Basilikum, Kornblumen und Tomaten schwärmen die Besucher aus, um das Gelände zu erkunden. Kinder können Samenbollen basteln, um sie auf brache Flächen in der Stadt zu streuen. Für die Kleinen gibt es Kasperletheater im Gewächshaus. Für die großen Jazz zum Träumen. Wohl fühlen sich alle. Jeder Stress ist vergessen im Paradies, alle genießen das Ambiente. Wildfremde lernen sich kennen und sind neugierig auf die anderen. Am Eingang stehen Hunderte Jungpflanzen zum Mitnehmen gegen eine Spende. Nach Ostern will Posenenske donnerstags für die meist selbst gezogenen Pflänzchen öffnen, "damit mehr Normalbetrieb möglich ist". Mit Veranstaltungen geht es am 30. April weiter. "Mit Bienen durch das Jahr" heißt der Kurs zur "wesensgemäßen Imkerei" an sechs Samstagen. Bis dahin werden andere Pflanzen blühen und das Paradies Chamissogarten noch einladender machen.

Informationen über den Chamissogarten und Veranstaltungen gibt es im Internet unter https://www.chamissogarten.de .

SABINE SCHRAMEK

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