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Viel Arbeit gibt es noch in den neuen Räumen - Geschäftsführerin Petra Widmayer hat es sich dennoch schon am Arbeitsplatz gemütlich gemacht.

Radio X hat neue Räume bezogen

Schluss-Spurt vorm Sendestart

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Am kommenden Montag wollen die Macher des nichtkommerziellen Frankfurter Radiosenders Radio X wieder live auf Sendung gehen. Bis dahin gibt es in den neuen Räumen aber noch allerhand zu erledigen.

Die Klimaanlage steht zwar auf Anschlag, trotzdem hat es gefühlte 40 Grad im Studio 2. Ralf Bauerfeind (48) lässt sich davon aber nicht beeindrucken, er behält einen kühlen Kopf. Mit geübter Hand schließt der Elektriker unzählige Kabel an, sucht im Wirrwarr der Stecker die richtigen Verbindungen und kümmert sich darum, dass die Stromversorgung für die technischen Geräte steht.

Nur mit viel Fantasie ist vorstellbar, dass die Radio X-Moderatoren schon am Montag, 13. Juli, in dem knapp zehn Quadratmeter großen Raum wieder live „on air“ – also auf Sendung – gehen wollen. Bis dahin werden vorproduzierte Beiträge gesendet. Der Glaube daran, dass das klappt, schwindet, wenn man sich umschaut: Im neuen, 200 Quadratmeter großen Domizil von Radio X herrscht einen Tag nach dem Umzug in die Räume Kurfürstenstraße 18 noch heilloses Durcheinander. Maler streichen die Wände, überall türmen sich Kisten, Kabel liegen in unzähligen Strängen am Boden, Mikrofone, Mischpulte und Büros sind bislang nicht einsatzbereit.

Ohne die Unterstützung der Hörer wäre der ehrgeizige Zeitplan wohl nicht zu stemmen. Denn viele packen mit an. So stellen beispielsweise Klima- und Kältebauer oder Elektriker ihre Kenntnisse und Fähigkeiten kostenlos zur Verfügung. „Unsere Hörer zeigen wirklich enorme Hilfsbereitschaft. Ich finde das ganz toll“, ist Radio X-Geschäftsführerin Petra Widmayer überglücklich.

Und Hörer, die ihre Arbeitskraft nicht zur Verfügung stellen konnten, hätten gespendet. Radio X hatte nämlich zu einem Spendenmarathon aufgerufen, um die Mehrausgaben für den Umzug kompensieren zu können. 12 565 Euro sind bis dato zusammengekommen. Mit ungefähr 10 000 Euro Einnahmen hatte Widmayer kalkuliert.

Die Spendensumme reiche aber nicht, um alle Kosten zu decken. „Der Teufel steckt manchmal eben im Detail. Wir mussten im Studio 2 noch eine Klimaanlage einbauen, damit die Geräte nicht überhitzen, für den Technikraum war eine Raum-in-Raum-Lösung notwendig, weil die Technik nicht einstauben darf und einige Jalousien waren auch noch nötig.“

Radio X war vor dem Umzug nach Bockenheim 17 Jahre in der Schützenstraße 12 beheimatet. Weil das Gebäude umfassend saniert werden muss und dies den Live-Betrieb beeinträchtigen würde, war dem Sender zum 30. Juni dieses Jahres gekündigt worden. Die Geschäftsführerin sieht den Neuanfang in Bockenheim mit einem lachenden und einem weinenden Auge. In der Innenstadt habe man Tür an Tür zu kulturellen Einrichtungen wie Theaterhaus oder Kinder- und Jugendtheater gearbeitet. Das werde sie vermissen. „Dafür sind die neuen Räume hier aber viel freundlicher, das erleichtert uns die Arbeit“, schaut Widmayer nach vorne und bemerkt auch bei ihren Mitstreitern eine „unglaubliche Euphorie und Aufbruchstimmung“.

Genauso sehen das die Radio X-Urgesteine Thomas Paul (Fanomania) und Max Schumacher (Vanilleclub), die im Regieraum Mikrofone anschrauben und alles verkabeln. Radio X sei in den vergangenen Jahren viel professioneller geworden. Dazu beigetragen habe auch die unglaubliche Entwicklung auf dem Gebiet der Technik. „Alles ist viel einfacher zum Bedienen – allein schon das Telefon. Was war das früher für ein Akt, wenn man Hörer live ’reinschalten wollte“, erinnert sich Paul. Er ist hauptberuflich Wassermeister im Industriepark Höchst, sein Spezialgebiet bei Radio X: Eintracht Frankfurt. Seine Sendung ist seit dem Sendestart am 22. September 1997 dabei.

Das Programm von Radio X ist im Kabelprogramm auf der Frequenz 99,85 MHz und über Antenne auf UKW 91,8 MHz zu empfangen. Etwa 300 ehrenamtlich tätige Mitarbeiter zeichnen dafür verantwortlich. Widmayer und ein Tontechniker teilen sich die einzige feste Stelle. Die Förderanstalt für Neue Medien und Privaten Rundfunk gibt Zuschüsse. Werbeeinnahmen hat Radio X nicht, denn das Programm kommt ohne Werbebeiträge aus. „Deshalb brauchen wir auch nicht auf die Quote achten“, sagt die Geschäftsführerin.

Für Bauerfeind ist es selbstverständlich, dass er in seiner Freizeit mit anpackt. „Ich bin zufällig darauf gestoßen“, erinnert er sich. Ihm gefällt das Prinzip, auf dem der nichtkommerzielle Sender aufbaue: „Hier kann grundsätzlich jeder mitmachen. Das finde ich genial“. Er beschränke sich allerdings lieber auf handwerkliche Tätigkeiten, die er Radio X unentgeltlich zur Verfügung stelle.

Wer den Sender unterstützen möchte, kann Geld spenden: Radio X-Mix e.V., Frankfurter Volksbank, IBAN: DE32 5019 0000 0077 130462.

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