Schülerforum des VDI

Von Schneckenschreck und Spinnenseide

36 naturwissenschaftliche Projekte von 81 Schülern aus 13 Schulen in Süd- und Mittelhessen sind in der Frankfurt Fachhochschule zum Wettbewerb angetreten. Auch die Schule am Ried ist dabei.

Pragmatisch bis futuristisch klingen die Themen, die sich die Schüler der 7. bis 13. Klasse ausgesucht haben. Ob Antibiotika in der Massentierhaltung, Meerwasserentsalzungsanlage, eine App zum Pferdefüttern, 3D-Scanner für zu Hause, Solar-Auto und Solar-Jalousie, eine Rakete aus Hausmüll oder der elektrischer Rollator. Alle Forschungsprojekte zeigen, wie sehr sich Kinder mit ihrer Umwelt auseinandersetzen.

„Wenn wir weiterforschen, kann man aus Spinnenseide schusssichere Westen für die Polizei herstellen“, sagt Julian Wörn (14) aufgeregt. „Sie reißt nicht und ist voll elastisch“, erzählt er und das sei Teil des Problems. Man müsse die Elastizität so beeinflussen, dass Körper nicht durchdrungen werden. Für ihre Recherche, wie Spinnenseide synthetisch hergestellt werden kann und wofür sie genutzt werden kann, haben Julian Woran, Felix Berc (beide 14) und Lennard Cales (15) von der Schule am Ried den Sonderpreises „Bester wirtschaftlicher Nutzen“ gewonnen.

Gleich fünf Teams aus der Bergen-Enkheimer Schule sind angetreten. Als einzige Schule aus Frankfurt. Das bedauert Prof. Armin Huss, stellvertretender Vorsitzender Bezirk Frankfurt-Darmstadt vom Verein Deutscher Ingenieure (VDI) und Dozent an der Fachhochschule. „Es könnten viel mehr sein, wenn die Schulen mitziehen würden. Es steht und fällt mit den Lehrern. “ 600 Schüler seien zum Wettbewerb gekommen, jedes Jahr würden es mehr. „In Hessen kränkelt es leider noch ein bisschen, dabei ist es spannend und wichtig, an die Technik von morgen heranzuführen.“

„Mathe ist ein großes Arschloch, Physik sein kleiner Bruder. So heißt es immer wieder“, sagt Elisa Gittinger und seufzt. Sie betreut das Projekt „Formel 1 in der Schule“ und steht an der Rennbahn „Fast und Furious“, die Schülerinnen aus Königstein konstruiert haben. Mit Soda-Patronen werden die selbst entwickelten Fahrzeuge angetrieben. Es zischt laut, wenn sie starten, eine Gaswolke stößt aus dem Auspuff, wenn die Wagen auf Knopfdruck losrasen. „Der Bezug zur Realität ist wichtig“, so Gittinger. „Aerodynamik kann man greifbar machen.“ Das Konzept der Königsteiner zeigt die gesamte Bandbreite von Entwicklung, Technik, Präsentation und Marketing. „Damit haben die Mädchen die Landesmeisterschaft Hessen ’Formel 1 in der Schule’ gewonnen. Sie machen alles selbst, forschen, erarbeiten und verantworten ihr Projekt. Sie lernen, im Team zu arbeiten, Leistung anderer zu akzeptieren. Eine bessere Berufsorientierung kann ich mir kaum vorstellen.“

In mehr als 100 Arbeitsstunden haben Max Schany und Finn Theiß, beide 15 und in der 9. Klasse in der Schule am Ried, ein solarbetriebenes Auto entwickelt. „Mit den ganzen Reflektoren bekommen wir Mehrleistung über das Licht“, so Finn, der später das Elektrogeschäft „mit Werkstatt zum Forschen“ seines Vaters übernehmen will. Max möchte Lehrer werden. „Ich bin nicht so gut in Technik, aber die AG macht Spaß“, sagt er grinsend und schaut auf das Elektroauto. „Auch wenn wir nicht gewinnen, das ist spannend“.

Alltagstauglich ist es bei Paul Hruschka (12) und Rouven Malinowski (13). Sie wollen Schnecken abschrecken. „Ohne Gift möchten wir die Artenvielfalt schützen und dabei weder Tiere noch Grundwasser vergiften“, so Rouven, der jüngste Teilnehmer. Im Schulgarten und bei Paul im Garten haben sie Experimente mit Eierschalen, Kaffeesatz, Rindenmulch und flüssigem Kaffee gegen Nacktschnecken gemacht. „Wir haben dafür auch mal die Kaffeemaschine im Lehrerzimmer geplündert. Wir haben bewiesen, dass eingedrückte Eierschalen und Kaffeesatz am besten sind“, sind sich die Jungs einig. „Das mögen Schnecken nicht. Kaffeesatz hat eine raue Konsistenz und Eierschalen harte Kanten.“ Beim Wettbewerb haben sie einen Sonderpreis für die jüngsten Ingenieure gewonnen. „Bei Jugend Forscht haben wir sogar den zweiten Platz gemacht.“

(bi)

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