Noch etwas ungläubig hält Leana Zanotti ihren Zopf in der Hand. Sie lässt Haare für den guten Zweck - und ihre Mama Natascha hält den Moment per Handy fest. Friseurin Jasmin Kasal war's ein Vergnügen.
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Noch etwas ungläubig hält Leana Zanotti ihren Zopf in der Hand. Sie lässt Haare für den guten Zweck - und ihre Mama Natascha hält den Moment per Handy fest. Friseurin Jasmin Kasal war's ein Vergnügen.

Hilfsaktion mit Haaren

Schnipp, schnapp - der Zopf ist ab!

  • VonSabine Schramek
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Die siebenjährige Leana spendet im Friseursalon Wagnitz zum zweiten Mal ihre langen Haare für Krebspatienten.

Vor drei Jahren war Leana zuletzt beim Friseur. Schon damals hat sie ihre dicken Haare so kurz schneiden lassen, dass aus ihrem Zopf ein Teil einer Perücke hergestellt werden konnte. Jetzt hat sie sich wieder von 37 Zentimetern Länge von ihrer Haarpracht getrennt. Mit so dicken Haaren, dass gleich drei Zöpfe fielen.

Schule findet sie nicht so toll, dafür aber Gertrude, ihr Lieblingshuhn. "Zum Eierlegen sind Gertrude und unsere fünf anderen Zwerghühner noch zu jung. Aber wenn sie alt genug sind, müssen sie uns Eier spenden", sagt Leana (7) mit großen braunen Augen unter ihrer Einhornmaske. "Ich spende ja auch." Bis fast zum Po reichen ihre dicken hellbraunen Haare auf dem hellgrünen Kleid. Nach dem Waschen föhnt ihr ihre Mama Natascha Zanotti 20 Minuten lang die lange Mähne, bis sie trocken ist.

"Spitzen schneiden ist nicht so spannend"

Ab heute geht das viel schneller, weil Leana sich von Jasmin Kasal (27) im Friseursalon Wagnitz die Haare abschneiden lässt, um sie für Perücken für Krebskranke zu spenden. "Vor drei Jahren haben wir hier schon einmal einen langen Zopf von Liana abschneiden lassen und gespendet. Jetzt ist wieder Zeit dafür", meint Zanotti und streicht Leana durch das glänzende Haar. "Aber bis zur Schulter sollen sie dran bleiben", fordert Leana, als sie auf den schwarzen Friseurstuhl klettert, in dem extra für sie ein dickes Kissen liegt. Kasal legt sechs Gummibänder zurecht und beginnt, die Kleine zu bürsten. Es ziept und Leana grummelt. "Gleich ist es vorbei", wird sie getröstet - und schnell sind drei Zöpfe geflochten.

"Ich kämpfe bei meinen eigenen Haaren zwar selbst um jeden Zentimeter, aber es ist schon toll, wenn man als Friseur eine ganz neue Frisur machen kann", sagt sie lachend. "Immer nur Spitzen zu schneiden, ist nicht annähernd so spannend." Seit elf Jahren arbeitet sie bei Wagnitz und war der erste Lehrling von Junior-Chefin Stefanie Helbing, die zurzeit in Mutterschaftsurlaub ist. Ihre Mutter Ulrike Wagnitz hält mit Kasal die Stellung. "Vor 57 Jahren hat mein Vater sich mit einem Friseursalon in der Königsteiner Straße niedergelassen, seit 40 Jahren sind wir im Familienbetrieb in dritter Generation hier in der Albanusstraße", sagt sie.

Leana ist ein bisschen aufgeregt, als Kasal einen Zollstock anlegt und stolze 37 Zentimeter misst, die abgeschnitten werden können. Leana greift die Zöpfe und strahlt. "Die sind ganz schön dick", meint sie. Kasal lacht und sagt, dass ganz viele Leute aus all ihren Haaren nur einen solchen Zopf machen können. Bei Leana sind es drei.

Ein Kilo weniger Gewicht auf dem Kopf

Sie und ihre Mutter sind erleichtert. Das Mädchen trägt knapp ein Kilo weniger Gewicht auf dem Kopf, die Mama freut sich, dass in Zukunft das Haare waschen und Trocknen viel schneller geht. Leana durfte sich von ihren Eltern auch etwas wünschen. "Jetzt kriege ich ein Polizeikostüm", strahlt sie unter ihrem gestuften Pagenschnitt. "Mit Knüppel und Handschellen. Mami und Pappi sind Diebe und mein Bruder Nicolo ist mein Assistent, wenn ich sie festnehme", schwärmt Leana.

Wenn Leana groß ist, will sie Schauspielerin werden und nicht heiraten. Ob sie später kurze oder lange Haare haben will, weiß sie noch nicht. Zu ihrer neuen Friseur nickt sie anerkennend, schüttelt den Kopf auf und ab, nach links und nach rechts und sagt "Jay". Sogar rosa Haarspangen passen rein, damit ihr keine Haare ins Gesicht fallen. Auch ein kleiner Pferdeschwanz ist noch drin. Leanas einzige Sorge ist, ob ihr Papa, ihr Bruder, ihre Mitschüler, ihre Lehrer und das Huhn Gertrude sie jetzt noch erkennen. "Wenn nicht, gebe ich mir einfach einen neuen Namen", meint sie und grinst unter ihrer Einhornmaske. sabine schramek

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