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Immobilienverkauf beschleunigen: Schöner wohnen heißt schöner verkaufen

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Von: Michelle Spillner

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Maren Kumar weiß es: Aufgeräumt, klar und übersichtlich möbliert lassen sich Wohnungen besser verkaufen. Umfragen zeigten, dass so eine Verkürzung der Verkaufszeit um ein Drittel bis zur Hälfte und ein um 10 bis 15 Prozent höherer Verkaufspreis erreicht werden.
Maren Kumar weiß es: Aufgeräumt, klar und übersichtlich möbliert lassen sich Wohnungen besser verkaufen. Umfragen zeigten, dass so eine Verkürzung der Verkaufszeit um ein Drittel bis zur Hälfte und ein um 10 bis 15 Prozent höherer Verkaufspreis erreicht werden. © Michelle Spillner

Maren Kumant betreibt mit "Home-Staging" eine Mischung aus dekorativer Aufwertung und Innenarchitektur. Das beschleunigt den Immobilienverkauf und zahlt sich aus.

Frankfurt - Es sieht aus wie bei "Schöner Wohnen". Wo vorher die dunkle Wohnzimmerschrankwand stand, beleuchtet eine extravagante Hängelampe ein elegantes Sofa auf hellem Teppich. In der Essecke ersetzen vier Designerstühle um einen filigranen, runden, weißen Tisch eine schwere, braune Sitzbank. Das Kinderzimmer ist der Traum eines jeden Nachwuchses - egal ob Mädchen oder Junge. Neben dem kleinen Bettchen voller Kuscheltiere und dem Regal gibt es Platz für ein weißes Leinen-Tipi auf einem weichen Plüschfell.

In diesem Kinderzimmer mit diesen Möbeln wird jedoch niemals ein Kind schlafen oder spielen - es sei denn, die künftigen Besitzer der 110 Quadratmeter großen Wohnung in Berkersheim übernehmen die Einrichtung. Ein solcher Wunsch sei bisher aber selten an sie herangetragen worden, sagt Maren Kumant. Manchmal gebe sie Bezugsquellen von einzelnen Möbelstücken oder Leuchten weiter, nur selten kauften die Kunden ihr die Dinge ab.

Immobilienverkauf in Frankfurt beschleunigen: „Home-Stagerin“ richtet Häuser für den Verkauf ein

Wenn jemand den Wunsch hätte, das 1,80 Meter breite Bett im geschmackvoll eingerichteten Schlafzimmer zu übernehmen, dann käme die 47-Jährige in Verlegenheit. Verschmitzt lupft sie die Tagesdecke, auf der ein Schild steht, das besagt, dass man sich da auf keinen Fall draufsetzen darf. Der Eindruck eines Bettes wird geformt aus einer Ansammlung von Kartons, in denen Maren Kumant zuvor die Deko-Artikel transportiert hat. Darüber zwei Matratzen, Bettzeug und Tagesdecke. Und fertig ist das Bett - gut anzusehen, aber nicht tragfähig. Das ist das einzige, das nicht das ist, was es vorgibt, zu sein - abgesehen davon, dass in den Schränken nichts drin ist, die Duschtücher im Bad nicht verwendet werden und die Pflanzen nur Gäste sind.

Drei Monate - vielleicht ein wenig länger - werden all die schönen Dinge in dieser Wohnung stehen. Dann wird die Immobilie verkauft sein, und alles Mobiliar wandert zurück ins Lager von Maren Kumant in Heddernheim. Dort hält sie kompletten Einrichtungen unterschiedlichen Stils für 15 Immobilien vor, für Hochhauslofts in der Mainmetropole ebenso wie für Gründerzeitvillen im Taunus oder Fachwerkhäuschen in der Höchster Altstadt.

Frankfurt: Mit schönem Mobiliar Attraktivität von Immobilien steigern

Maren Kumant ist "Home-Stagerin". Ihre Spezialität ist es, Wohnungen und Häuser für den Verkauf behaglich einzurichten und damit ihre Attraktivität zu steigern - und den Verkaufspreis. Die vorübergehende Ausgestaltung der Berkersheimer Wohnung kostet inklusive der Miete aller Möbel und Deko-Elemente für drei Monate 7700 Euro. Dem stehe ein Plus von 10 bis 20 Prozent auf den Verkaufspreis gegenüber, und es geht schneller. 80 Prozent ihrer gestalteten Wohnungen verkauften sich in der Regel innerhalb von vier Wochen, so Kumant. Ihre Einrichtung bleibt stehen, bis der Verkauf unter Dach und Fach ist - nicht, dass ein Deal platzt und sie wieder einräumen muss, was sie gerade ausgeräumt hat.

Maren Kumant zieht also ständig um. Gemeinsam mit Möbelpackern und Elektrikern rückt sie an und erfüllt sich jedes Mal einen eigenen Wohntraum - beginnend von der Fußmatte an der Haustür mit dem Schriftzug "Willkommen" bis hin zur Espressomaschine in der Küche. Es gehe aber nicht nur darum, dass potenzielle Käufer sich bei Besichtigungen "gestagter" Immobilien wohler fühlten als in leeren, hallenden, unbeheizten Räumen. Es helfe den Interessenten auch, sich vorzustellen, wie es ist, dort zu leben. "Auf Fotos im Exposé ist es leichter die Größenverhältnisse eines Raumes einzuschätzen, wenn Möbel darin stehen", ergänzt Maren Kumant die Vorteile. Die Kaufinteressenten bekämen außerdem Anregungen für die eigene Einrichtung. "Oft steht da ein Sammelsurium an Möbeln oder es sind schon Umzugskartons gepackt", beschreibt die Expertin, was eher ungünstig ist. Auch sollte nicht allzu Privates herumliegen (dazu zählt auch die Zahnbürste), weil Interessenten sonst womöglich Scheu hätte, sich wirklich umzuschauen.

In den USA ist „Homestaging“ längst etabliert: Frankfurterin berät beim „Aufhübschen“

Maren Kumant stylt aber auch Immobilien, die bewohnt sind. Dann berät sie beim "Aufhübschen", bringt etwa eine schicke Tagesdecke vorbei oder eine schöne Tischlampe. Schon seit fünf Jahren unterstützt Maren Kumant Immobilienmakler, Bauträger und Immobilieneigentümer. Zuvor arbeitete sie im Marketing einer Wirtschaftsprüfungsfirma. Als ihr Elternhaus verkauft wurde, fiel ihr auf, wie lieblos viele Immobilien selbst von professionellen Maklern angeboten werden: unaufgeräumt und schlecht fotografiert. "Ich habe mir gedacht, das geht besser."

In Amerika ist "Homestaging" längst etabliert. Hierzulande hat sich 2010 die Deutsche Gesellschaft für Homestaging und Redesign (DGHR) in Wiesbaden gegründet. Sie hat 200 Mitglieder und bietet als Berufsverband Fortbildungen und die Ausbildung zum Home-Stager mit IHK-Abschluss an. Maren Kumant ist sogar "DGHR Staging Professional". Der Verband will das Berufsbild stärken und legt viel Wert auf den Ehrenkodex: "Es darf auf keinen Fall der Eindruck entstehen, dass durch das Homestaging etwas überdeckt wird", betont Maren Kumant.

Immobilienverkauf in Frankfurt: „Home-Stagerin“ verrät Tipps und Kniffe

Maren Kumant verrät einfache Maßnahmen, mit denen jeder ohne großen Aufwand dafür sorgen kann, dass man sich in seinen vier Wände wohler fühlt - nicht nur für den Verkaufsfall. Erster Tipp der Expertin: Einfach mal aufräumen. Gerade viele kleinteilige Dekorationselemente verursachen optische Unruhe. Wäscheständer und Bügelbrett gehören nicht ins Wohnzimmer, ebenso wenig wie Sportgeräte und Spielzeug. Dann rät sie: gründlich saubermachen. Außerdem sollte man den Räumen jeweils eindeutige Funktionen zuordnen - das helfe beim Verkauf zu verdeutlichen, wofür sich welche Zimmer eignet, und es helfe beim Drinwohnen, Ordnung zu halten. Die Regel: Jedes Ding hat seinen Platz. Das sorge für Aufgeräumtheit.

Zum Wohlfühlen trägt die Beleuchtung entscheidend bei: "Ich empfehle immer mindestens drei Leuchten pro Raum: Decken-, Tisch- und Stehleuchte - und zwar mit warmem Licht", so Maren Kumant. Wer Kaufinteressenten durch sein Zuhause führe, der tue sich einen Gefallen, wenn an der Kinderzimmertür kein Name klebe und wenn keine privaten Fotos an den Wänden hängen, "ansonsten ist es für die Interessenten schwer, sich ihre eigene Zukunft vorzustellen."

Immobilienverkauf beschleunigen: Haustiere sollten nicht bei Besichtigungsterminen dabei sein

Und sie rät auch: Wer verkaufen will und Haustiere hat, sollte dafür sorgen, dass die Haustiere bei den Besichtigungsterminen nicht da sind und auch nichts, kein Napf, keine Leine, kein Spielzeug, kein Körbchen, kein Futter auf das Tier hinweist: "Denn es gibt Leute, die lehnen Tiere ab". Ihr Ansatz des "Homestagings" ist in gewisser Weise das "Neutralisieren": die Wände werden weiß gestrichen und in großer Klarheit mit einem Konzept reduzierter Farben eingerichtet. Das bringt viel Licht und Helligkeit in die Räume und vermeidet alles, was optische Unruhe bringt. (Michelle Spillner)

Ein Gutachter verrät, dass auch die Corona-Krise den Immobilienboom in Hessen bislang nicht gestoppt hat. 

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