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Familienglück im Lyoner Quartier: Igor und Marta Spasic mit Sohn Gabriel.

Bürostadt

Schöner wohnen im Lyoner Quartier

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Die einstige Bürostadt Niederrad wandelt sich zum Lyoner Quartier. Überall entstehen Wohnungen – rund 1000 sind es schon, 5000 sollen es einmal werden. Doch wie lebt es sich zwischen all den Bürogebäuden? Wir haben Familie Spasic zu Hause besucht. Sie leben seit einem Jahr in dem Viertel.

Das Lyoner Quartier, die ehemalige Bürostadt Niederrad, gleicht derzeit einer riesigen Baustelle. Unzählige Kräne ragen in den Himmel, Bagger fahren umher, es wird gehämmert und gebohrt. Dazwischen stehen hohe Bürogebäude mit Glasfassaden, in denen sich die Wolken widerspiegeln. Trostlos, trist und grau wirkt das Viertel auf den ersten Blick – schaut man allerdings ganz genau hin, dann entdeckt man vereinzelte Farbtupfer. Zum Trocknen aufgehängte Wäsche weht sacht im Wind hin und her. Ein kleines rotes Dreirad steht in einem Vorgarten, Kinder toben auf einem Spielplatz zwischen neu gebauten Wohnhäusern.

In einem dieser neuen Wohngebäude leben Marta und Igor Spasic (beide 35) mit ihrem zweijährigen Sohn Gabriel. Sie gehören zu den ersten, die seit einiger Zeit in der Bürostadt wohnen. Das Quartier befindet sich im Wandel, es wird in ein Wohn- und Büroviertel umgewandelt. Dieses ehrgeizige Projekt hat sich die Stadt schon vor einigen Jahren vorgenommen. Perspektivisch sollen dort, zwischen der Lyoner Straße und der Hahnstraße, über 5000 Wohnungen für rund 10 000 Singles, Paare und Familien gebaut werden. Knapp 1000 Wohnungen gibt es bereits, rund 2000 sind derzeit im Bau.

Doch wie lebt es sich zwischen all den Bürobauten und den rund 25 000 Arbeitnehmern, die jeden Morgen in das Viertel pendeln und es abends wieder verlassen? „Wir haben unsere Entscheidung, ins Lyoner Quartier zu ziehen, nicht ein einziges Mal bereut“, sagt Igor Spasic. Seit einem Jahr lebt er gemeinsam mit seiner Frau Marta und seinem kleinen Sohn Gabriel in einer Drei-Zimmer-Wohnung mit kleinem Garten im „Lyoner Carrée“, eine Anlage der städtischen ABG Holding, zwischen der Lyoner und der Saonestraße.

„Das ist zwar nicht die Berger Straße, wo man direkt mitten im Leben steht, wenn man aus der Haustür tritt, und so wird es hier wohl auch nie werden – aber das vermissen wir auch nicht“, sagt Spasic. „Wir hatten uns bewusst dafür entschieden, hierher zu ziehen.“ Schon vor ihrem Umzug hat die Familie in Niederrad gelebt. „Wir sind oft im Lyoner Quartier spazieren gegangen, haben gesehen, wie die ganzen Wohnbauten entstehen und konnten uns gut vorstellen, hier zu leben.“ Und dann haben sie hier ihre Traumwohnung gefunden.

Nach Feierabend und am Wochenende sind die Straßen in der einstigen Bürostadt wie leer gefegt. „Wir lieben die Ruhe hier“, sagt Marta Spasic. Vor allem für Familien mit Kindern sei das Viertel zu empfehlen. „Am Wochenende ist hier kaum etwas los. Man kann wunderbar spazieren gehen, die Kinder können sich austoben. Das ist wirklich toll.“ Und ihr Mann fügt hinzu: „Wenn man zwischen all den Bürobauten hindurchläuft, hat das wirklich Charme. Wo findet man solch ein Wohnviertel sonst noch? Das ist einzigartig.“

Von Kritikern wird diese Ruhe aber ebenso bemängelt wie die fehlende Infrastruktur. Doch längst gibt es Supermärkte und Discounter sowie eine Drogerie. Demnächst soll ein Bio-Supermarkt das Angebot komplettieren. Zudem gibt es einige Restaurants, darunter eine Pizzeria und eine Suppenbar. Auch eine Post, ein Friseur und Ärzte bieten ihre Dienstleistungen an.

„Mittlerweile bekommt man hier wirklich fast alles“, lobt Igor Spasic. „In das alte Niederrad gehen wir nur noch ganz selten.“ Das Einzige, das die Familie vermisst, sind ein schönes Café und eine Bar. „Ansonsten sind wir hier nahe am Stadtwald, und auch der Main ist nicht weit entfernt“, sagt Spasic. „Besonders toll sind auch die Pferdekoppeln und -ställe direkt am Waldrand. Unser Sohn liebt Tiere, dort schauen wir oft vorbei.“

In seiner Freizeit nutzt der Familienvater auch die Soccer-Halle in der Hahnstraße mit seinen Freunden oder er geht zu Fuß in die Commerzbank-Arena, um sich ein Spiel der Eintracht anzuschauen. „Und wenn man das Quartier doch mal verlassen will, ist man durch den S-Bahn-Anschluss und die Autobahn auch schnell woanders.“

Und dann erzählt Marta Spasic noch von einer Sache, die sie am Lyoner Quartier besonders liebt. Etwas, das man sonst nur selten in Frankfurt erleben kann. „Ich liebe es, wenn wir morgens beim Frühstück sitzen und sich die Sonne in der Fassade des gegenüberliegenden Bürokomplexes von Siemens spiegelt“, sagt sie. „Diese Lichtspiele sind einfach wunderschön.“

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