Der historische Frauenhof mit Tor als Durchgang zum alten Ortskern Niederrads verfällt zusehends. Jetzt soll wenigstens der verkommende Vorplatz verschönert werden.
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Der historische Frauenhof mit Tor als Durchgang zum alten Ortskern Niederrads verfällt zusehends. Jetzt soll wenigstens der verkommende Vorplatz verschönert werden.

„Großes Pech“

Frankfurter Wahrzeichen wird zum Schandfleck – Besitzer zeigt kein Interesse

  • VonStefanie Wehr
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Der Frauenhof, Frankfurt-Niederrads historisches Wahrzeichen, wandelt sich immer mehr zum Schandfleck. Das Gebäude verfällt – der Besitzer zeigt kein Interesse.

Frankfurt – Die Wände in der Durchfahrt sind mit Graffiti verschmiert, der Putz an der Fassade bröckelt und fällt herab. Das ist leider nichts Neues. Die Stadt Frankfurt, die das Ensemble 2006 meistbietend versteigerte, kann nichts weiter tun, als an den Besitzer zu appellieren, sich um das gut 250 Jahre alte Gebäude mehr zu kümmern.

Nun soll wenigstens der Vorplatz auf städtischem Gelände verschönert werden. Das fordert die neue Koalition aus CDU, SPD und FDP im Ortsbeirat 5 (Niederrad, Oberrad, Sachsenhausen). Die Stadt soll ein Konzept erstellen, wie der Platz umgestaltet und attraktiver werden kann, heißt es in einem gemeinsamen Antrag. Etwa könnten Sitzbänke aufgestellt werden, das Pflaster müsste öfter gereinigt werden. Bürger beklagten, dass die Gehwege unansehnlich seien und der Platz einen trostlosen, ungepflegten Eindruck mache.

Frankfurt: Frauenhof in Niederrad verfällt

Ungepflegte Blumenkübel stehen zur linken Seite des Tors, zwischen den Pflastersteinen wächst Moos und Gras. „Zum Verweilen lädt der Vorplatz nicht ein“, findet Mit-Antragstellerin Petra Korn-Overländer (SPD). „Das ist schade, denn das Gebäude ist ein wirklich schönes Eingangstor zu Niederrad.“ Neben dem Bolongaropalast in Höchst sei der Frauenhof die einzige noch vollständig erhaltene Barockanlage in Frankfurt, schreiben die Antragsteller. „Mit der Neugestaltung des Vorplatzes würde sich endlich ein abgerundetes Bild ergeben.“

Dass der Frauenhof vor gut 15 Jahren in die Hände des heutigen Besitzers geriet, der offenbar im Ausland lebt, ist für Frankfurt-Niederrad „großes Pech“: So bezeichnet es der Niederräder Heimatforscher Werner Hardt. Der Inhaber sei augenscheinlich nicht interessiert an der Geschichte des Ensembles und an seiner Bedeutung für den Stadtteil. Vor einigen Jahren lud Werner Hardt ihn ein, als er im Heimatmuseum eine Ausstellung zum Frauenhof kuratierte. „Er kam aber nie vorbei.“

Der Frauenhof liege den Niederrädern sehr am Herzen, weiß Hardt. Umso schmerzlicher sei es, dass das schöne Gebäude so verkomme. Schade sei auch, dass das historische Uhrtürmchen auf dem in den 1770er-Jahren fertiggestellten Frauenhof nie wiederhergestellt wurde. Im Zweiten Weltkrieg wurde der Uhrturm zerstört. Der Ortsbeirat hatte die Stadt vor Jahren gebeten, den Besitzer zu einer Rekonstruktion zu bewegen.

Frauenhof in Frankfurt-Niederrad steht unter Denkmalschutz

Doch der Frauenhof steht erst seit 1986 unter Denkmalschutz. Geschützt sei die derzeitige Dachform des Mitteltraktes ohne den ursprünglichen Dachaufbau mit Uhrtürmchen, erklärte daraufhin die Stadt. Sollte das historische Dach rekonstruiert werden, wäre dies durchaus im Sinne des Denkmalschutzes. Doch das müsse der Eigentümer selbst anregen. Noch sei das Gebäude zudem nicht so schlimm verkommen, dass das Denkmalamt einschreiten müsse, fand die Stadt.

Zurzeit befinden sich zwei Mietparteien im Frauenhof: der türkische Moschee- und Kulturverein Mevlana und die Kita Krümelkiste von der gemeinnützigen BVZ. Die Wohnung im Parterre steht leer. Interessenten hatte der Besitzer schon vor Jahren abgewiesen. Über die Wohnungen im ersten Stock ist nichts bekannt.

Historisches Wahrzeichen in Frankfurt – Frauenhof wurde als Kattunfabrik erbaut

Erbaut wurde der Frauenhof als Kattunfabrik, dort wurden Stoffe bedruckt und gefärbt. Das erfolgreiche Unternehmen des Eigentümers J. F. Müller bot in Niederrad viele Arbeitsplätze. Der Besitzer konnte weitere Gebäude und Land um das Gebäude herum kaufen und baute es weiter aus. Später wurde das Anwesen zum Gutshof. Um 1841 kaufte das Catharinen- und Weißfrauenstift das Ensemble. Seitdem trägt es den Namen Frauenhof, in Anlehnung an das Weißfrauenstift.

Ende des 19. Jahrhunderts wurde das Anwesen zur Ausflugsstätte mit Biergarten und großem Tanzsaal, die Gäste von nah und fern anlockte. So blieb es, bis am 5. November 1944 eine Luftmine und Sprengbomben das Dach mitsamt Uhrtürmchen zerstörten. (Stefanie Wehr)

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