Mit einer phantasievollen Aktion demonstrierte gestern die "Bürgerinitiative Nied: Die Schranke muss weg!" vor dem Römer gegen den gefährlichen Übergang. Von den abendlichen Passanten gab es spontanen Beifall. foto: reuss
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Mit einer phantasievollen Aktion demonstrierte gestern die "Bürgerinitiative Nied: Die Schranke muss weg!" vor dem Römer gegen den gefährlichen Übergang. Von den abendlichen Passanten gab es spontanen Beifall. foto: reuss

Tödlicher Unfall

Schranken-Demo gegen lebensgefährlichen Übergang

  • vonSabine Schramek
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Bürgerinitiative Nied protestiert lautstark vor dem Römer. Jetzt sind Politik und Bahn am Zuge.

"Warum musste sie sterben?" steht auf einem blauen laminierten Schild auf dem Römerberg, das an einem Andreaskreuz hängt. Dazu ein Foto der 16.jährigen Cindy und ein Kreuz vor ihrem Todestag am 7. Mai 2020. Weil die Bahnschranke nicht geschlossen war, als ein Zug heranfuhr, wurde sie getötet und zwei weitere Menschen schwer verletzt. Die "Bürgerinitiative Nied: Die Schranke muss weg!", die Heike und Peter Stoner deswegen ins Leben gerufen haben, hat heute 1420 Mitglieder. Sie wollen es nicht länger ertragen, dass weitere Unfälle passieren. Aus Teppichrollen haben sie in zwei Tagen Arbeit vier täuschend echte Bahnschranken in rot-weiß und das Andreaskreuz gebaut, mit denen sie am Montagabend vor dem Römer auf die dauernde Gefahr hinweisen.

Seit 100 Jahren läuft die Angst mit

"Seit 100 Jahren ist bekannt, wie gefährlich der Übergang ist. Seit Jahrzehnten setzen wir uns dafür ein, dass wir alle ohne Angst und Katastrophen heil über die Gleise kommen." Gut 50 Männer, Frauen und Jugendliche haben ein rotes Seil an ihre Gürtelschleifen und Handtaschen gebunden. Im Quadrat stehen sie vor den langen Schranken, die eine Stunde lang im Wechsel drei Minuten lang geschlossen sind und eine Minute lang geöffnet. 1915 wurde zum ersten Mal angedacht, den Bahnübergang, der 1839 angelegt wurde, zu beseitigen. Dann fassten die Stadtverordneten 1967 den Beschluss, ihn zu beseitigen. Aus finanziellen Gründen ist es nicht geschehen. 1978 wurde die Entscheidung erneuert. Ein Übergang wurde beseitigt, der andere - ebenso lebensgefährliche - ist geblieben. Als 1988 die Bahnunterführung an der Nieder S-Bahn-Station einige hundert Meter weiter südwestlich eingeweiht wurde, sollte die zweite Unterführung auf dem Fuß folgen - nichts passierte. 2005 nahm die Stadtverordnetenversammlung den Antrag des Nieder CDU-Manns Karlheinz Bührmann an, die Schranken zu beseitigen. 2013 März sollte eine Unterführung gebaut werden. Bis heute ist nichts geschehen.

"Cindy musste sterben", sagt Heike Stoner. Den beiden Verletzten ginge es mittlerweile physisch besser. "Ich will mir gar nicht vorstellen, wie die beiden, der Lokführer und die Schrankenwärterin, seelisch leiden müssen. Allein der Gedanke ist entsetzlich." Die Demonstranten zeigen, wie gefährlich der Übergang ist. Mit Pappratschen imitieren sie Zuggeräusche. Männer, Frauen, Rad- und Rikschafahrer versuchen, durchzukommen, bevor sich die Schranke schließt. Im Chor rufen sie "Die Schranke muss weg. Jetzt!". Fußgänger bleiben stehen, klatschen Beifall. Das Unverständnis über das Nichthandeln von Bahn und Politik ist eindeutig. Cornelia Usinger ist bei jeder Mahnwache dabei. "Es kann so nicht weitergehen. Jeden Tag haben wir Angst, dass wieder etwas passiert. Wir sind so viele, die fordern, dass die Schranke weg muss. Dass niemand aus dem Römer rauskommt zu uns, finde ich deprimierend", sagt sie und erzählt, dass erst gestern wieder eine Radfahrerin am Übergang gestürzt sei.

Vergebliches Warten auf den OB

Tobias Fechler, Vorsitzender der CDU in Nied, hatte eine einstweilige Verfügung beim Gericht beantragt. Die Züge fuhren trotzdem. "Heute wäre ein guter Tag für OB Peter Feldmann, zu uns zu kommen. Aber er kommt nicht", sagt er enttäuscht. Stadtverordnete Milkica Romic (SPD) ist ebenfalls wieder dabei. "Hier haben Stadtverordnete ja keine Büros und der Magistrat hat Termine über Termine. Trotzdem ist es schade, dass niemand kommt."

Eine Hoffnung haben die Mitglieder der BI. Der Bahnbevollmächtigte für Hessen, Klaus Vornhusen, und Verkehrsdezernent Oesterling (SPD) haben zugesagt, sich am Dienstag, den 6. Oktober, den Fragen der Nieder im Stadtteil zu stellen. Der Ort wird noch festgelegt. SABINE SCHRAMEK

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