Schritt für Schritt geht es ins Berufsleben

Der Arbeitsmarkt ist für alleinerziehende Frauen oftmals ein Buch mit sieben Siegeln. Das Projekt „Schritt für Schritt ins Erwerbsleben“ gibt Perspektiven.

Alleinerziehende Frauen ist die Aussicht auf Karriere verbaut, wenn die zwei wichtigsten Dinge auf der Jobsuche fehlen – ein klares Ziel vor Augen und nötige Qualifikationen wie PC-Kenntnisse oder eben Deutsch. Perspektiven und Fähigkeiten vermitteln will das Projekt „Schritt für Schritt ins Erwerbsleben“, ein Gemeinschaftsprojekt des Jobcenters und des Vereins zur beruflichen Förderung von Frauen (VdFF). Das Projekt beinhaltet sechs Monate Schulungen in Sachen „Vereinbarkeit Familie und Beruf“, Zeitmanagement und Formalitäten des Bewerbungsgeschäfts und soll die weiblichen Rückkehrer oder Spätstarter ins Erwerbsleben bereitmachen für die Herausforderungen des Arbeitsmarkts.

Projektleiterin Anke Henigin will mit den arbeitssuchenden Frauen, die ihr vom Jobcenter zugewiesen werden, dort ansetzen, wo sie in ihrer individuellen Biografie stehen: „Wir suchen zusammen mit den Frauen in kreativen Workshops nach ihren Stärken und Potenzialen – oftmals können und wissen die Frauen viel mehr, als ihnen bewusst ist.“ Realistisch müsse bewertet werden, welche Fähigkeiten vorhanden sind, und an welchen Qualifikationen gearbeitet werden muss. Im Anschluss daran ist klar, in welche berufliche Richtung es gehen soll. So auch bei Adiza (33), die vor vier Jahren aus Niger nach Bornheim zog. Sie bekam ein Kind, trennte sich vom Mann und kam beruflich nicht voran. „Ich wollte immer im Einzelhandel eine Ausbildung machen“, sagt sie, „Erfahrungen hatte ich in meiner Heimat schon gesammelt, aber mein Deutsch war zu schlecht.“ In „Schritt für Schritt“ hat Adiza ihr Deutsch in Sprachkursen aufbessern können. Jetzt hofft sie auf Erfolg bei ihren Bewerbungen.

Klischees und patriarchische Rollenbilder, bei denen der Mann im Haus den Lebensunterhalt bestreitet, sind Claudia Czernohorsky-Grüneberg, Geschäftsführerin des Jobcenter, ein Dorn im Auge. „Ich habe noch nie zwei gleiche Biografien gehabt – das bedeutet, man muss auf jede Geschichte offen zugehen.“ Viele arbeitslose Mütter hofften auf Teilzeitausbildungen, die trotz der gesetzlichen Einführung 1998 noch zu rar gesät seien. Dabei seien vor dem Hintergrund des Fachkräftemangels Frauen besonders interessant für Arbeitgeber: „Wir merken, dass die Frauen, die über Umwege ins Erwerbsleben streben, großes Potenzial für die Arbeitgeber mitbringen. Ganz konkret heißt das, sie sind oftmals die besten in ihren Klassen, überdurchschnittlich motiviert und loyal.“

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