Die von den Liebigschülern gebastelten Papierschiffchen fliegen durch die Luft, statt im Becken zu schwimmen. Denn das liegt schon seit eineinhalb Jahren auf dem Trockenen, seit Dezember 2019 ist das Schulschwimmbad dicht.
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Die von den Liebigschülern gebastelten Papierschiffchen fliegen durch die Luft, statt im Becken zu schwimmen. Denn das liegt schon seit eineinhalb Jahren auf dem Trockenen, seit Dezember 2019 ist das Schulschwimmbad dicht.

Gymnasium in Westhausen

Schüler sitzen auf dem Trockenen

  • Judith Dietermann
    vonJudith Dietermann
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Schwimmbad der Liebigschule ist marode, die Sanierung kostet 1,2 Millionen Euro.

Kein Tröpfchen Wasser befindet sich im Becken des Schwimmbades der Liebigschule. Da ist es auch kein Problem, dass die Schüler sich nicht in ihre Badeklamotten geworfen haben, sondern in Straßenkleidung und mit Schuhen auf den blauen Kacheln Platz genommen haben. Nass können sie nicht werden. Und das schon seit Dezember 2019 nicht mehr. Denn so lange schon ist das Schwimmbad des Gymnasiums dicht, seitdem hatten die Schüler keinen Schwimmunterricht mehr.

"Wir sind wirklich verzweifelt. Wir fühlen uns allein gelassen, bekommen keine Informationen wie es weitergeht", klagte Schulleiterin Sabine Brieske den Mitgliedern des Ortsbeirates 7 (Hausen, Industriehof, Praunheim, Rödelheim, Westhausen) deshalb in der Sitzung am Dienstagabend ihr Leid. Seit mehreren Jahren schon gebe es Probleme mit dem Bad, immer mal wieder sei es geschlossen gewesen, schnelle Reparaturen durchgeführt worden, damit wieder geschwommen werden konnte. "Es wurde Flickenarbeit durchgeführt, nie richtig saniert. Das ist jetzt wohl die Konsequenz", sagte sie.

Das Konzept wurde umgestellt

Und das bei einer Schule, die sich auf die Fahnen geschrieben hat, dass jedes Kind schwimmen lernt oder sein Können verbessern kann. Es gebe dafür sogar ein entsprechendes Konzept an der Schule, dass man nun habe umstellen müssen. "Wir können damit nicht mehr werben, wenn wir kein Schwimmbad haben, in dem wir den Unterricht anbieten können", sagte Brieske. Bislang seien der Schule auch keine Ersatzflächen zur Verfügung gestellt worden. Darum bemühe sie sich weiterhin, auch eine entsprechende Fahrzeit würde man in Kauf nehmen. "Es geht nicht nur um die Fähigkeit, sicher schwimmen zu können. Es geht auch um das soziale Miteinander bei diesem Sport, das die Kinder und Jugendlichen verbindet", sagt sie.

Nach einer Trinkwasseruntersuchung durch das Gesundheitsamt wurde zudem eine Legionellen-Kontamination der Duschen des Schwimmbades festgestellt, woraufhin das Bad sowie die Duschen im Dezember 2019 gesperrt wurden.

Weiterhin Geduld gefragt

Im Laufe der weiteren Untersuchungen wurde schließlich das Ausmaß des Sanierungsaufwands bekannt. "Ein Gutachter hat alles auf Herz und Nieren geprüft und kam zu dem Ergebnis, dass die gesamte Schwimmbadtechnik erneuert werden muss", sagt Günter Murr, Sprecher von Bau- und Immobiliendezernent Jan Schneider (CDU). Die Leitungen zu entkeimen reiche nicht mehr aus. Rund 1,2 Millionen Euro werde die Sanierung nach aktuellen Schätzungen kosten, nach der genauen Planung müssten die Arbeiten ausgeschrieben werden, erklärt Murr das weitere Vorgehen. Und: Schnell ginge das alles nicht, einen genauen Zeitpunkt, wann das Schwimmbad wieder genutzt werden kann, könne er noch nicht nennen.

Schnellstmöglich solle dies passieren. Dafür hat sich der Ortsbeirat ausgesprochen, einstimmig wurde ein SPD-Antrag verabschiedet, der genau dies fordert. "Ich bin selber dort geschwommen, allein schon deswegen stimme ich zu", sagt die Grünen-Fraktionsvorsitzende Miriam Dahlke. Und auch Antonio Fernandes Coelho (Ökolinx) hat in dem Becken, das vier Bahnen, je 20 Meter lang, bietet, schon Schwimmunterricht gehabt. "Ist das noch das gleiche Bad von früher? Unverständlich, dass da bislang nichts getan wurde", sagte er.

Freibad Hausen als Ersatz

Inge Pauls, Fraktionsvorsitzende Farbechte/Linke, sah das Problem in zwei Ebenen. Klar sei, dass das Schwimmbad saniert werden müsse. Bis es so weit ist, bräuchte die Schule aber eine kurzfristige Lösung, also die Möglichkeit in anderen Bädern Schwimmunterricht anzubieten. Dies könnte vielleicht auch im Hausener Freibad realisiert werden, dass durch die Traglufthalle, die zum Ende dieser Sommersaison aufgestellt wird, im Winter nutzbar sei.

Rosemarie Lämmer (BFF) sah das Problem derweil bei der Stadt, bereits im September habe der Ortsbeirat die Probleme mitgeteilt. "Passiert ist jedoch immer noch nichts", sagte sie. Dem stimmt Schulleiterin Brieske zu. Früher habe es einen Schulhausverwalter gegeben, der sich um das Schwimmbad gekümmert hat. Mittlerweile gebe es keinen direkten Ansprechpartner mehr bei der Stadt. "Das würde jedoch vieles einfacher machen", ist die Direktorin überzeugt. judith dietermann

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