Acht Jahre in Haft

Schüsse im dunklen Hinterhof

  • VonMatthias Gerhart
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Ein Streit zwischen einem Türken und einem Kurden endete vergangenes Jahr mit zwei Schüssen. Der mehrfach wegen Gewaltdelikten vorbestrafte Schütze muss nun wegen gefährlicher Körperverletzung für acht Jahre ins Gefängnis.

Acht Jahre Haft wegen gefährlicher Körperverletzung – mit diesem Urteil endete jetzt der Prozess um die Schüsse in einem dunklen Hinterhof in der Adalbertstraße in Bockenheim, die in der Nacht zum 29. Februar vergangenen Jahres am Ende einer stundenlang hitzig geführten Diskussion um den Konflikt zwischen Türken und Kurden standen. Der 41 Jahre alte Türke wurde trotz der erheblichen Verletzungen seines Opfers lediglich wegen gefährlicher Körperverletzung verurteilt, weil die Richter der Schwurgerichtskammer keinen Tötungsvorsatz feststellen konnten.

Zuvor tüchtig gezecht

Den Ausgangspunkt nahm die Auseinandersetzung in den Abendstunden in einem nahen Café, in dem der spätere Schütze und der 36 Jahre alte Kurde aufeinandertrafen. Obwohl man schon nach kurzem Gespräch bemerkte, dass wohl grundsätzliche Meinungsverschiedenheiten in der sogenannten Kurdenfrage existierten, setzte man den Disput über Stunden fort, wobei auch der Alkohol den nötigen Treibstoff fürs Streitgespräch lieferte. Am Ende – der Türke hatte sich auf einen Alkoholwert von fast drei Promille gebracht – vertrugen sich die Streithähne sogar fast wieder, doch das war offenbar nur zum Schein. Denn statt mit der Zigarette, die man angeblich gemeinsam in dem Hinterhof rauchen wollte, wo der Türke wohnte, kam dieser mit der Schusswaffe aus seiner Wohnung zurück, die der Kontrahent im Dunkeln freilich nicht erkennen konnte. Zwei Schüsse wurden abgegeben, einer davon durchschlug den Oberschenkel des Opfers und richtete erhebliche Verletzungen an, die auch heute noch nicht ansatzweise verheilt sind.

Opfer „arg- und wehrlos“

Das Opfer geht heute noch an Krücken, und auch seine Psyche ist in einem entsprechend labilen Zustand. Die Staatsanwaltschaft wollte in Anbetracht der schwerwiegenden Folgen denn auch einen Tötungsvorsatz und deshalb einen versuchten Mord erkennen. Das Opfer, dass sich eigentlich auf eine Zigarette gefreut hatte, sei „arg- und wehrlos“ zum Zeitpunkt der Schüsse gewesen, die Tat deshalb „heimtückisch“ verübt worden, plädierte die Anklagevertreterin, die neun Jahre Haft forderte. Obwohl die Richter zu einer anderen rechtlichen Bewertung kamen, unterschritten sie das Strafmaß der Staatsanwaltschaft nur um ein Jahr. Neben den erheblichen Folgen für das Opfer wurden die 24 Vorstrafen des Angeklagten – davon einige Gewaltdelikte mit Waffen – strafverschärfend bewertet. Wegen seines ausufernden Alkoholkonsums wurde er darüber hinaus in einer Therapieeinrichtung untergebracht.

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