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Ist immer gut gelaunt: Schuhmachermeister Thomas Faulstich (50). In seinen Händen und hinter ihm im Regal nach Maß gefertigte Schuhe. Je nach Ausführung kosten sie zwischen 600 und 1800 Euro. "Wenn man sie richtig behandelt halten sie ohne Probleme zehn Jahre lang", verspricht der Experte.

Niederrad: Handwerk

Schuhmachermeister ist Barfußläufer

  • vonSabine Schramek
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Für seine Maßanfertigungen ist Thomas Faulstich weit über den Stadtteil hinaus bekannt.

Ursprünglich wollte Thomas Faulstich Fußballprofi werden. Es kam aber anders. Statt Meister mit dem Fußballleder wurde er Schuhmachermeister und ist jetzt der Einzige, der in Niederrad Schuhe nach jedem Wunsch noch per Hand anfertigt.

Von außen ein wenig antiquiert

Von außen sieht das Geschäft auf den ersten Blick eher altertümlich aus. Hinter der Scheibe steht eine mechanische männliche Puppe mit brauner Batschkapp, kariertem Hemd, Krawatte und rotbrauner Schürze vor einem Leisten, auf dem ein Schuh mit dem Absatz nach oben hängt. Daneben Herrenschuhe zum schnüren, schnallen und reinschlüpfen. Wer den Laden betritt, begegnet nicht einem kauzigen alten Mann wie im Fenster, sondern einem fröhlichen und kreativen Macher. Thomas Faulstich (50) begrüßt jeden Kunden mit strahlendem Lächeln. Die Frau, die schwere lederne Motorradtaschen reparieren lassen möchte ebenso, wie den Businessmann, dem er Schuhe fertigen soll, die perfekt zum Anzug passen. "Kunden sind einzigartig. Ebenso wie jeder Fuß", so Faulstich gelassen.

Seit 20 Jahren führt er sein Geschäft in der Bruchfeldstraße. Mit 15 begann er seine Lehre. "Ich wollte eigentlich Profifußballer werden, aber mein Knie ging kaputt. Da habe ich bei meinem Vater im Reparaturbetrieb angefangen", erzählt er.

Zwischen historischen Schuhmachergeräten sind hohe Regale, die voller Rahmen genähter Schuhe stehen. Schwarze lederne Schnürstiefeletten für die Dame, Herrenschuhe in jeder erdenklichen Form und Farbe. "Es kommen deutlich mehr Männer als Frauen für Maßschuhe", so Faulstich. "Frauen wechseln halt gerne sehr oft ihre Schuhe. Maßschuhe sind da zu langlebig", sieht er als Grund.

Die Schuhe in den Regalen sind handgefertigte Probierschuhe. "Das ist wichtig, weil manche erst so das richtige Gefühl bekommen. Es gibt Leute, die ihre Schuhe richtig spüren wollen und andere, die mit ihren Zehen Klavier spielen möchten." Es gibt Maßschuhe, die auf bereits produzierten Leisten hergestellt werden und Schuhe, die ganz individuell gemacht werden. Mit eigenen Leisten. "Bei extra hergestellten Leisten empfehle ich auch ein zweites Paar." Der Preis für völlig individuelle Schuhe liegt je nach Ausstattung für das erste Paar bei 1500 bis 1800 Euro. Maßschuhe mit vorhandener Leiste gibt es ab 600 Euro. Rahmengenähte fertige Schuhe bietet er ab 200 Euro an. "Maßschuhe können auch nach zehn Jahren noch gewartet und wieder völlig zerlegt und wieder neu aufgebaut werden", erklärt der quirlige Mann. Kunden seien Geschäftsleute aus ganz Frankfurt und viele, die auf Einlagen angewiesen seien und im Handel dafür nichts Passendes fänden.

Wie man richtig geht

Faulstich selbst ist Barfußläufer. "Vor drei Jahren habe ich damit im Wald angefangen. Ich sehe Füße ja auch von der anderen Seite. Mit Schuhen laufen wir anatomisch eigentlich falsch. Wir treten mit der Ferse zuerst auf. Der natürliche Gang ist über den Mittelfuß mit gleichmäßigem Auftritt nach vorne. Das kräftigt die Muskelketten statt die Knochenketten zu strapazieren." Ganz ohne Schuhe ist er nicht in seinem Laden. Er trägt Barfußschuhe, die ganz flexibel sind und breite Kappen haben. "Das ist einfach gesünder und erdet meine Füße. Ich berate Kunden auch beim Maßschuh so, dass es besser ist, Schuhe vorne breiter zu machen, damit die Zehen nicht eingequetscht werden. Nicht jeder will das, weil die Schuhe dann etwas länger sind." Er überlegt ob er, wegen seiner speziellen anatomischen Kenntnisse, Kurse zum Barfußlaufen anbietet. "Da könnte ich Brücken schlagen zwischen schicken Schuhen und gesundem Gang", sagt er euphorisch. Faulstich ist auch jemand, der nichts wegwirft. "Ich repariere alles. Gürtel, Taschen, Autoverdecke, Motorradsitze, Handyhüllen und Schuhe. "Heute heißt das Upcycling, aber ich war schon immer so", meint er lachend und gibt auch Tipps.

Das Schlimmste, was man Schuhen antun könne, sei, sie täglich zu tragen. "Einen Tag tragen und zwei Tage direkt nach dem Tragen mit einem Holzschuhspanner, der das Leder wieder bügelt, ruhen lassen. Das ist richtig. Ich vergleiche das mit Unterhosen. Die trägt man auch nicht durch." Für die Pflege von Lederschuhen und Taschen empfiehlt er die regelmäßige Reinigung mit Sattelseife. "Dann in handtuchtrockenem Zustand sorgfältig mit guter Schuhcreme einreiben und am nächsten Tag aufpolieren. Dann halten sie ewig." SABINE SCHRAMEK

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