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Die Kosten für den Neubau einer Cafeteria mit Aula für die Schule am Ried in Frankfurt Bergen-Enkheim haben sich im Vergleich zur ursprünglichen Planung nahezu verdoppelt. Das Revisionsamt prangert den zu teuren Neubau an.

Bergen-Enkheim

Schule am Ried in Frankfurt: Kosten für Umbauarbeiten haben sich verdoppelt

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Die Kosten für den Neubau einer Cafeteria mit Aula für die Schule am Ried in Frankfurt Bergen-Enkheim haben sich im Vergleich zur ursprünglichen Planung nahezu verdoppelt. Das Revisionsamt prangert den zu teuren Neubau an.

  • Die Schule am Ried in Frankfurt Bergen-Enkheim soll eine neue Cafeteria und Aula erhalten
  • Dem Erweiterungsbau hat der Magistrat zugestimmt
  • Nun prangert das Revisionsamt den Neubau an - er sei zu teuer

Frankfurt - Glaskuppel, eine Bühne für Konzerte und Theateraufführungen, Photovoltaikanlage und begrüntes Dach: So soll der geplante Erweiterungsbau der Schule am Ried in Bergen-Enkheim aussehen. Kostenfaktor 26,4 Millionen Euro. Einer entsprechenden Bau- und Finanzierungsvorlage hat der Magistrat zugestimmt. Nun müssen - voraussichtlich am 7. Mai - nur noch die Stadtverordneten ihr Okay geben, dann steht dem langersehnten Neubau nichts mehr im Wege.

Wenn es allerdings nach dem Willen der Prüfer im Revisionsamt gehen würde, würde die Vorlage abgelehnt werden. So zumindest lautet die Empfehlung der kommunalen Finanzkontrolle in einem vertraulichen Prüfbericht, der dieser Zeitung vorliegt. Darin heißt es, dass es sich bei der vorliegenden Entwurfsplanung grundsätzlich um höchste architektonische und künstlerische Ansprüche sowie um höchste Qualitätsstandards und nicht in erster Linie um eine wirtschaftliche Umsetzung der Bauaufgabe handele. Mit der "extravaganten Architektur" werde der hohe Gestaltungsanspruch der Planer in den Vordergrund gestellt, ohne dass dies in einem angemessenen Verhältnis zur Wirtschaftlichkeit stehe. Weiter schreiben die Prüfer: "So entsprechen beispielsweise der Einbau einer überdimensionalen gerundeten Glaskuppel und die technische Ausrüstung der Bühne auf höchstem Niveau eher den Anforderungen kultureller Einrichtungen, wie beispielsweise einer kommerziellen Eventhalle oder eines professionellen Theaters, als den Anforderungen einer schulischen Aula."

Neubau für Schule am Ried in Frankfurt: Mit Glaskuppel und professioneller Bühne

Die Pläne der Stadt für die Schule am Ried - eineKooperative Gesamtschule (KGS) mit 1400 Schülern - sieht einen zweigeschossigen Erweiterungsbau mit einer Glaskuppel, einer Photovoltaikanlage auf dem Dach, das zudem begrünt werden soll, vor. Das Gebäude soll Platz für eine Aula, eine Mensa, Räume für die Schulsozialarbeit, Lehrer sowie für den Unterricht bieten. Das alte Oberstufengebäude und der Pavillonbau mit Mensa sollen abgerissen werden.

Grundlage für diese Planung sind laut Bau- und Finanzierungsvorlage das 2017 beschlossene Raumkonzept und der Architektenentwurf des Büros ARGE motorplan. Allerdings braucht die Schule mittlerweile mehr Platz, die pädagogischen Anforderungen haben sich im Laufe der vergangenen Jahre verändert. Deshalb ergibt sich gegenüber des ursprünglichen Raumkonzepts ein zusätzlicher Flächenbedarf von rund 220 Quadratmetern.

Dies kritisieren die Prüfer des Revisionsamts in ihrem Bericht ebenso wie die Kostensteigerung. Waren zunächst 13,25 Millionen Euro für den Bau eingeplant, ist jetzt von 26,4 Millionen Euro die Rede. Sprich: Die Kosten haben sich nahezu verdoppelt. Aus Sicht der Experten ist die Kostenexplosion "primär der gestalterischen, architektonischen Entwurfsänderung geschuldet".

Die Prüfer der kommunalen Finanzkontrollen haben eine Vergleichsschätzung auf Basis der genehmigten Bruttogrundflächen und der Kennwerte von Vergleichsobjekten gemäß des Baukosteninformationszentrums Deutscher Architektenkammern GmbH (BKI) gemacht. Mit dem Ergebnis: Die vom Amt für Bau und Immobilien (ABI) übermittelte Kostenberechnung sei gegenüber dem bundesweiten Durchschnitt mit Mehrkosten von circa 6,46 Millionen Euro respektive 38 Prozent deutlich überhöht. Die Revisoren hätten Kosten in Höhe von 17,2 Millionen Euro für angemessener erachtet. Dazu muss aber auch gesagt werden: In der Kostenschätzung haben sich die Experten auf die ursprüngliche Raumplanung bezogen, auch der Neubau der Turnhalle, der Abbruch sowie die Auslagerung wurden außer Acht gelassen.

Streit um geplanten Neubau für Schule am Ried: Dezernat verteidigt hochwertigen Entwurf

"Man kann das Gebäude nicht mit Durchschnittswerten vergleichen", sagt Günter Murr, Sprecher von Baudezernent Jan Schneider (CDU), in dessen Zuständigkeitsbereich das Amt für Bau und Immobilien fällt. Der Erweiterungsbau für die Schule am Ried werde in Passivhausstandard gebaut, dies werde bei bundesweiten Durchschnittswerten allerdings nicht berücksichtigt. Zudem handele es sich nicht um ein herkömmliches Schulgebäude mit überwiegend Klassenzimmern, sondern um einen Bau mit kostenintensiven Flächen wie die Aula und die Bühne. "Das ist natürlich teurer, als nur Unterrichtsräume zu bauen", so der Sprecher.

Der Dezernatssprecher begründet die Kostensteigerungen mit den gestiegenen Baukosten in den vergangenen Jahren, mit Anpassungen der Planungen an die Nutzerwünsche sowie Besonderheiten des "architektonisch hochwertigen" Entwurfs, der in einem Wettbewerbsverfahren ausgewählt wurde. "Man kann von dem Entwurf nicht mehr abweichen, ohne die ganze Planung neu aufrollen zu müssen. Aber man kann natürlich in der Ausführung versuchen, Einsparungen zu erzielen."

Murr sagt aber auch: "Es handelt sich um Investitionen, die man jetzt tätig, durch die man später aber spart." So gebe es etwa zahlreiche Schulen, bei denen man aus Kostengründen die Mensa zu klein gebaut habe, was sich später als Fehler herausgestellte. Die Folge: Ein Anbau wird nötig - und das kostet abermals Geld. 

Die besten Schülerzeitungen wurden vor einigen Jahren beim Wettbewerb Schüler-Presse-Preis ausgezeichnet. Mit dabei bei den Preisträgern war die Schule am Ried. Die erste Ausgabe von „Ried Me“ hatte der Jury gut gefallen.

von Julia Lorenz

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