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Englischunterricht im Gymnasium Nord. Gymnasium Nord (Westhausen)

Bildungspolitik

Schulentwicklung bleibt umstritten

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Acht neue Schulen sollen bis 2023 in Frankfurt eröffnet werden. Das sieht der Schulentwicklungsplan von Bildungsdezernentin Sylvia Weber (SPD) vor, den der Magistrat am Freitag beschlossen hat. Der CDU geht das Programm angesichts der wachsenden Stadt nicht weit genug.

In den Sommerferien haben die Fachleute im Bildungsdezernat von SPD-Stadträtin Sylvia Weber noch einmal an der Fortschreibung des Schulentwicklungsplans gefeilt. Denn das Konzept, das ursprünglich schon um Juni beschlossen werden sollte, war auf Drängen der CDU zurückgestellt worden. Sie sah den Bedarf vor dem Hintergrund stark steigender Schülerzahlen nicht ausreichend gedeckt. Am Freitag aber hat der Magistrat den Plan mit den Stimmen der schwarz-rot-grünen Koalition verabschiedet – Weber zeigte sich erleichtert und Sabine Fischer, bildungspolitische Sprecherin der Römer-CDU, sprach von einer „durchaus vernünftigen Planung“. Jetzt fehlt nur noch das Votum des Stadtparlaments, das für September erwartet wird.

Zuvor hatten sich die drei Koalitionspartner darauf verständigt, die Kapazitäten an Realschulen sowie an kombinierten Haupt- und Realschulen zu erweitern. Diese haben derzeit kaum noch die Möglichkeit, Schüler aufzunehmen, die ihre Bildungskarriere nicht am Gymnasium fortsetzen können. Sabine Fischer spricht von mehr als 100 Schülern, die aktuell noch nicht untergebracht seien. „Wir gehen das jetzt an“, verspricht Weber. Doch die Erweiterung der Kapazitäten ist für Fischer nur ein erster Schritt. „Wenn die Entwicklung so weitergeht, dann brauchen wir eine zusätzliche Realschule“, sagte sie im Gespräch mit dieser Zeitung.

Noch größer ist der Bedarf allerdings an den Gymnasien. Ein zusätzlicher Standort ist schon für das kommende Jahr vorgesehen. Doch die CDU sieht darüber hinaus Bedarf für ein weiteres sechszügiges Gymnasium. Sonst könne der Mehrbedarf bis zum Schuljahr 2024/25 nicht gedeckt werden, betont Fischer. Sie rechnet vor: Einschließlich des neu gegründeten Gymnasiums gibt es dann 101 fünfte Klassen. Nach Darstellung des Stadtschulamts gebe es jedoch im Schuljahr 2024/25 einen Bedarf von 115 fünften Klassen, was fast 3500 Schülern entspricht.

„Eine Atempause bei der Schulentwicklungsplanung können wir uns beim momentanen Wachstum der Einwohnerzahlen nicht erlauben“, betont Fischer. Sie plädiert dafür, auch die Erweiterung bestehender Schulen zu prüfen. An der Schule am Ried in Bergen-Enkheim zum Beispiel könnten noch zwei oder drei Züge zusätzlich untergebracht werden.

Ein anderes Problem gibt es bei den Förderschulen. Laut Weber steigt derzeit der Bedarf an Plätzen für Kinder mit der Diagnose einer gestörten geistigen Entwicklung. Woran das liegt, werde derzeit in einem Kooperationsprojekt zwischen Kultusministerium und Goethe-Universität untersucht. Auf Grundlage der Ergebnisse will das Bildungsdezernat prüfen, ob es für diese Kinder sogenannte Kooperationsklassen an neu zu errichtenden Grundschulen gibt oder ob bestehende Förderschulen ausgebaut werden. Fischer betont: „Förderschulen bleiben für die CDU-Fraktion ein wichtiger Baustein im Bildungssystem.“ Sie schlägt eine Erweiterung der Panoramaschule in Nied vor. Mit einem Anbau könne Platz für mindestens zehn zusätzliche Klassen geschaffen werden. Auch für die Mosaikschule in der Nordweststadt stünden zusätzliche Räume bereit.

Sollten die Stadtverordneten in der Plenarsitzung am 27. September der Fortschreibung des Schulentwicklungsplans zustimmen, fehlt nur noch die Genehmigung durch das Kultusministerium. Weber hat sich aber mit dem Staatlichen Schulamt darauf verständigt, schon vorher pädagogische Planungsgruppen einzurichten, um für die neuen Schulen die richtigen Teams zusammenzustellen. Das sei nicht immer ganz einfach.

Schwer ist es auch, geeignete Grundstücke für die Schulen zu finden. „Wo es noch nötig ist, müssen wir Flächen suchen und Bestandsgebäude prüfen“, betont Weber. CDU-Sprecherin Fischer weiß um die Probleme und will deshalb die Erwartungen nicht zu hoch schrauben. Ob die skizzierten Planungszeiträume realistisch sind, werde sich erst in der konkreten Ausführung zeigen. Stefan von Wangenheim, bildungspolitischer Sprecher der FDP, sieht derzeit allerdings eher eine „Entschleunigung“ beim Schulbau und verweist auf die Verzögerungen beim Bau der gymnasialen Oberstufe an der Carlo-Mierendorff-Schule.

(mu)

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