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Beispiel Hamburg: In der Katharinenschule in der Hafencity ist der Schulhof auf dem Dach.

Bildung

Das Schulmodell der Zukunft: Raumkonzept für alle Neubauten ist in Arbeit

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Das Bildungsdezernat arbeitet an einem Raumkonzept für die Schule der Zukunft. Statt langen, verwaisten Fluren gibt es Lernlandschaften, Lehrerzimmer werden zu Teamräumen, gespielt wird auf dem Dach.

Heute sehen Schulen von innen so aus: Es gibt lange Flure, von denen die einzelnen Klassenräume abgehen. Unterrichtet wird hinter verschlossenen Türen. Die Flure sind verwaist. Doch dieses Bild soll in Frankfurt – zumindest an den neu zu gründenden Grundschulen – in Zukunft der Vergangenheit angehören. Das Bildungsdezernat arbeitet gemeinsam mit dem Büro Schneider-Meyer (Stuttgart/Köln) an einem Planungsrahmen für Grundschulen. Erste Ideen dazu wurden nun vorgestellt.

„Der Planungsrahmen soll für uns ein Leitfaden für den Raumbedarf werden“, erklärt Bildungsdezernentin Sylvia Weber (SPD). Derzeit würde man bei jeder neuen Grundschule wieder von vorne überlegen, was für Räume benötigt werden, wie sie angeordnet sein sollen. Immerhin müssen in Frankfurt aufgrund der wachsenden Schülerzahlen allein bis 2023 fünf neue Grundschulen gebaut werden, bis 2030 sogar elf. Ähnliche Konzepte gibt es übrigens auch in Berlin und München. Denn auch dort gibt es wachsende Einwohnerzahlen. An der Spree sollen bis 2024 etwa 50, an der Isar bis 2030 gar 65 neue Schulen entstehen.

Zwar gibt es in Frankfurt das Modellraumprogramm aus dem Jahr 2009, doch das sei mittlerweile veraltet. Dort würden weder moderne pädagogische Konzepte wie Gruppenarbeit und Differenzierung berücksichtigt noch die Ganztagsbetreuung oder die Inklusion. „In der heutigen Zeit brauchen Schulen Räume für die Nachmittagsbetreuung, Rückzugs- und Teamräume“, sagt Weber.

Doch wie genau soll die Grundschule der Zukunft aussehen? „Die Schule der Zukunft ist eine Teamschule“, sagt Walter Heilmann vom Büro Schneider-Meyer. „Niemand kann der Vielfalt und den Herausforderungen alleine gerecht werden.“ Deshalb müssten die Unterrichtsräume so angelegt werden, dass die einzelnen Klassen der Jahrgänger besser zusammenarbeiten können. Das sieht dann so aus: Pro Jahrgangsstufe gibt es einen großen breiten Flur, der gemeinsam genutzt wird, in dem auch mal Gruppenarbeiten stattfinden. Rings um diese offenen Lernlandschaft werden vier Klassenräume, ein Ruheraum, ein Kommunikationsraum und ein Teamraum für die Lehrer angesiedelt. Lerncluster nennt man das. Zudem soll es ein großes Foyer geben, das auch für Schulversammlungen oder Feste genutzt werden kann. Natürlich darf auch eine Mensa nicht fehlen, die nachmittags für die Ganztagsbetreuung zur Verfügung stehen kann. Gleiches gilt für die Fachräume, die ebenfalls in einem Cluster angeordnet werden sollen. 3300 Quadratmeter wäre solch eine Schule groß.

Keine Solitäre mehr

In ihrer Konzeption der Rahmenplanung entwickelten die Planer vom Büro Schneider-Meyer die für das neue Wohnquartier Schönhofviertel vorgesehene Grundschule. Auf dem ehemaligen Siemens-Areal an der Rödelheimer Landstraße soll die erste Hybrid-Schule entstehen. Das ist ein Kombi-Gebäude, in dem sowohl gelernt als auch gewohnt wird. „In den Städten wird es immer schwieriger, große Freiflächen für neue Schulen zu finden“, sagt Jochem Schneider von Schneider-Meyer. „Deshalb kann man die Schulen nicht mehr als frei stehenden Solitär auf einem großen Areal nur für Kinder planen. Schule muss sich öffnen und verankern.“

Wie das funktionieren kann, dafür gibt es schon Beispiele aus anderen Großstädten. Dazu zählt etwa die Katharinenschule in der Hafencity in Hamburg. Der Schulhof befindet sich dort auf dem Dach des fünfgeschossigen Gebäudes. Dieser wird in den Pausen ebenso genutzt wie der öffentliche Park in der Nähe. In der Schule am Südhafen in Kopenhagen dient ebenfalls das Dach als Freifläche. In Amsterdam nutzen zahlreiche Schulen in den Pausen öffentliche Parks oder Quartiersplätze, vor allem wenn sich Schule und Wohnungen in einem Gebäude befinden.

Solche Beispiele könnte man sich auch für die Grundschule im Schönhofviertel vorstellen. Verschiedene Modelle hat das Büro Schneider-Meyer dafür entwickelt. Entweder könnten sich in dem Gebäude oben die Wohnungen und unten die Schule befinden. Man könnte aber auch zwei Gebäuderiegel planen – einen für die Schule, einen fürs Wohnen. Eine Turnhalle könnte man auf das Dach oder unter die Erde bauen.

Suche nach Mietern

Solche Gebäude müssen aber selbstverständlich von den Frankfurtern akzeptiert werden, müssen sich doch auch Mieter finden, die sich ein Gebäude mit nicht immer leisen Schülern teilen wollen. „Das sollte unproblematisch sein“, sagt Schneider. „Die Menschen wissen ja vorher, dass sich dort eine Schule befindet und dass es sich nicht um einen 08/15-Wohnblock handelt, in dem man den ganzen Tag seine Ruhe hat.“

Doch noch wird an dem Planungsrahmen für Grundschulen noch gearbeitet. In Kürze will sich Bildungsdezernentin Weber selbst ein Bild von den Schulen in Kopenhagen machen. Letztlich muss dann das Stadtparlament über den Leitfaden abstimmen. Das könnte im kommenden Jahr der Fall sein.

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