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Frankfurt 13.7.2018, Schulterschluss im Kampf gegen Krebs: Drei Frankfurter Wissenschaftler wollen in die erste Liga der Krebsforschung vorstoßen: V.li.: Auf Initiative von Prof. Hubert Serve, Prof. Florian Greten und Prof. Ivan Dikic entsteht in der Mainmetropole das Frankfurt Cancer Institute. Damit sichern sich Universität und Uniklinik über Jahre, vermutlich Jahrzehnte Millionen an Forschungsmitteln.

Medizin

Schulterschluss gegen den Krebs - drei Forscher wollen Großes in Frankfurt schaffen

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Was wäre, wenn sich drei exzellente Wissenschaftler zusammentäten, um Krebs zu bekämpfen? Wenn sie all ihr Wissen bündelten zum Wohle der Patienten? Sie könnten etwas Großes schaffen. Sie tun es. In Frankfurt.

Krebsforscher gibt es wie Sand am Meer. Viele der klügsten Köpfe weltweit haben sich dem Kampf gegen den Krebs verschrieben, besiegt haben sie ihn nicht. Allein in Deutschland erkranken jährlich knapp eine halbe Million Menschen daran, mehr als 200 000 Betroffene sterben pro Jahr. Dass in der Mainmetropole nun mit dem Frankfurt Cancer Institute (FCI) ein weiteres Krebsforschungsinstitut entsteht, klingt zunächst wenig spektakulär. Ist es aber.

„Mit diesem Projekt haben wir es schon jetzt geschafft, Frankfurt als Standort der Krebsforschung auf der Deutschland- und auf der Weltkarte zu verorten“, freut sich der Biochemiker und Leibniz-Preisträger Ivan Dikic (52). Er ist einer der drei Frankfurter Wissenschaftler, die hinter dem FCI stecken. Die anderen beiden sind der Krebsmediziner Hubert Serve (56), Direktor des Universitären Centrums für Tumorerkrankungen (UCT) und der Tumorbiologe Prof. Florian Greten (45), Direktor des Georg-Speyer-Hauses. Und darin liegt auch schon die Besonderheit des Projekts: Mit Dikic, Serve und Greten haben sich drei exzellente Wissenschaftler zusammengetan und dem Krebs den Kampf angesagt. „Krebs ist extrem kompliziert. Ein einzelnes Team wird ihm nicht beikommen“, ist Dikic überzeugt. „Wir sind sehr unterschiedlich, das ist unser Vorteil. Zusammen sind wir stärker als jeder für sich.“ Das Ziel ist klar definiert: „Wir wollen in die erste Liga vorstoßen“, betont Greten.

Oberste Maxime dabei ist für alle drei, Forschung so zu betreiben, dass sie auch beim Patienten ankommt. Natürlich ist das kein ganz neuer Ansatz. „Alle Welt spricht von translationaler Krebsforschung“, weiß Serve. In der Praxis funktioniert das aber oftmals nur schleppend. „Zuletzt hatten die beiden Welten – Krebsforschung und Krebsmedizin – nicht mehr viel miteinander zu tun. Sie wieder zusammenzuführen, ist eine große Aufgabe“, betont Serve.

Während die Mediziner auf der einen Seite verstehen müssten, dass es wichtig für die Therapie ist, die biologischen Mechanismen zu ergründen, die zu einer Erkrankung führen, müssten die Grundlagenforscher verstehen, dass es eben nicht egal ist, ob sie die Biologie des Lindwurms untersuchten oder die von Tumoren. „Es gibt relativ viele Leute mit großen Problemen und kleinen Lösungen. Und es gibt relativ wenige Leute mit großen Lösungen für kleine Probleme“, spitzt es Serve bewusst zu.

Mit dem FCI streben die drei Forscher nach großen Lösungen für große Probleme. „Wir hoffen, auf diese Weise bessere Diagnosemöglichkeiten zu erarbeiten, bessere Medikamente und bessere Behandlungen“, erläutert Ivan Dikic.

Dabei konzentriert sich das FCI zunächst vor allem auf drei Krebsarten: auf Blutkrebs (Leukämie), Enddarmkrebs (Rectumkarzinom) und auf Glioblastome (Hirntumore). „Unser Ziel ist es, wirklich neue Ansätze zu schaffen“, erläutert Serve.

Dabei wollen sich die Wissenschaftler bewusst an Fragen orientieren, die in der Realität der Krebsmediziner eine Rolle spielen. Serve nennt ein Beispiel: Bevor Ärzte Patienten mit Enddarmkrebs operierten, werde das Krebsgeschwür in der Regel bestrahlt, um es zu schrumpfen. „Es gibt eine Reihe von Patienten, bei denen sind zum Zeitpunkt der Operation keine Krebszellen mehr vorhanden. Ihnen könnte man die Operation ersparen“, berichtet Serve. Nur, dass die Ärzte bislang nicht sagen können, bei welchen Patienten die Bestrahlung ausreichend ist und bei welchen nicht. Das wollen die Forscher vom FCI ändern.

Doch nicht nur: „Beim Hirntumor wollen wir eine Immuntherapie entwickeln“, ergänzt Serve. Das heißt, die Wissenschaftler wollen sich das körpereigene Immunsystem im Kampf gegen den Tumor zunutze machen. Und sie wollen, so Serve, „die Heilbarkeit von Leukämien erhöhen“.

Dabei bietet Frankfurt als Standort zwei entscheidende Vorteile: die räumliche Nähe der renommierten Forschungsinstitute der Goethe-Universität und des Georg-Speyer-Hauses zur Uniklinik auf der einen sowie die persönliche Nähe zwischen Dikic, Greten und Serve auf der anderen Seite. „Zusammenarbeit ist das Kernanliegen vieler Standorte, aber viele einzelne, exzellente Leute arbeiten am Ende doch eher für sich. Wir haben den Vorteil, dass wir uns als Team sehen“, beschreibt es Greten.

„Bei einem Projekt wie diesem muss sich jeder aus seiner eigenen Komfortzone heraus begeben. Das geht nur, wenn man sich versteht und sich vertraut“, ergänzt Serve.

Seit sie sich im Oktober 2013 zum ersten Mal zu dritt getroffen haben, schmieden die drei Professoren an ihrem Plan – und fanden dafür rasch Unterstützer: Ministerium, Universität, Stadtgesellschaft, Deutsche Krebshilfe, Bund und Land – alle haben das Vorhaben auf ihre Weise unterstützt, teilweise mit erheblichen Summen (siehe Text unten).

Offiziell wird das FCI im Januar seine Arbeit aufnehmen, wenn die ersten Forschungsgelder fließen. „Dann legen wir direkt los, es ist alles vorbereitet“, versichert Dikic. Schließlich geht es um nichts Geringeres, als dem Krebs etwas entgegenzusetzen. Etwas, das wirkt.

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