+
Statue der Justitia

Prozess

Die schwangere Ehefrau erstickt: Lebenslang für den Vater zweier Kinder

Familienvater muss lebenslänglich ins Gefängnis, weil er seine schwangere Frau erstickt haben soll.

Für den heimtückischen Mord an seiner Frau muss ein 37-Jähriger lebenslänglich ins Gefängnis. Die 21. Strafkammer des Landgerichts sieht es als erwiesen an, dass Munir L. seine Frau im September 2017 im gemeinsamen Schlafzimmer in der Bockenheimer Voltastraße erstickte.

Selten war eine Urteilsverkündung eine so schonungslose Abrechnung mit dem Angeklagten. Der Vorsitzende Richter Volker Kaiser-Klan bescheinigte dem 37-Jährigen und dessen Verteidiger am Montag, während der mehrmonatigen Verhandlung Angaben gemacht zu haben, die mal „makaber“, „absurd“ oder „völlig unglaubhaft“ gewesen seien. „Der Angeklagte war sehr stark damit beschäftigt zu zeigen, dass er selbst das Opfer ist“, so Kaiser-Klan. Die Urteilsverkündung wurde durchgängig vom Schluchzen des Angeklagten begleitet. Dieses Schluchzen sei „Selbstmitleid“, für seine tote Frau nämlich habe der Angeklagte während der gesamten Hauptverhandlung kein Wort des Bedauerns oder der Trauer gefunden.

Beziehung auf der Kippe

L. und seine Frau waren 2015 gemeinsam mit ihren beiden kleinen Kindern aus Afghanistan nach Deutschland gekommen. 2016 waren sie in einem Übergangswohnheim in Bockenheim untergekommen. In der Ehe stand es nicht zum Besten. Im Juli 2016 reichte L. die Scheidung ein und zog aus der gemeinsamen Wohnung aus. Auf Drängen von L.’s Vater gab der Sohn aber nach und zog wieder in die Wohnung ein. Was sich dort in den folgenden Monaten abspielte, vor allem in dem beengten Schlafzimmer, in dem die Eheleute gemeinsam mit den beiden kleinen Kindern nächtigten, war ebenfalls Gegenstand der Hauptverhandlung.

„Wir haben uns lange Gedanken gemacht, wie diese Blackbox ausgeleuchtet werden kann“, so Kaiser-Klan. Aber auch die Ereignisse der Tatnacht im Schlafzimmer blieben im Dunkeln. Die Ehefrau ist tot, die beiden Kinder, der zum Tatzeitpunkt zweijährige Sohn und die fünfjährige Tochter, konnten nicht bei der Aufklärung helfen, und der Vater hatte seit seiner Festnahme zwei Tage nach der Tat bei der Polizei, dem Familiengericht und vor Gericht immer wieder andere Versionen geschildert. In einer ersten Version habe die im fünften Monat schwangere Frau morgens einfach tot im Bett gelegen, dann, nachdem Rechtsmediziner den Einsatz von Gewalt festgestellt hatten, räumte L. ein, er habe seine Frau mal in den Schwitzkasten genommen. Die Gründe dafür waren auch unterschiedlich. Einmal wollte L. seine Frau maßregeln, weil diese keine Milch für die Kinder kochen wollte, dann gab L. wieder an, er habe seine Frau vom Selbstmord abhalten wollen, ohne dabei aber anzugeben, warum seine Frau sich denn habe umbringen wollen. Der Angeklagte und sein Verteidiger hätten während des Prozesses „versucht, eine Reihe von Nebelkerzen zu zünden“, so der Richter. Dazu zählte auch, dass die Schuld bisweilen bei den Rettungssanitätern gesucht wurde, die nach dem Tod der Frau von einer Nachbarin verständigt wurden.

Bei Pflegefamilien

L. war nach dem Tod seiner Frau mit den Kindern bei einem Bekannten in der Nordweststadt untergekommen, bis er festgenommen wurde. Die Kinder sind jetzt in einer Pflegefamilie untergebracht.

L.s Verteidiger kündigte nach dem Urteilsspruch an, Rechtsmittel einlegen zu wollen. Die Rechtsmediziner hätten nicht bewiesen, dass sein Mandant die Ehefrau erwürgt hätte, sagte der Verteidiger Seyed Iranbomy.

von OLIVER TEUTSCH

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare