Holten karibisches Lebensgefühl in den Stadtteil (v.l): Kevin Glenn, Prince Martin und Gregory Salamdy.
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Holten karibisches Lebensgefühl in den Stadtteil (v.l): Kevin Glenn, Prince Martin und Gregory Salamdy.

Sommerfest

Schwanheim: Sie feierten im Takt heißer Reggae-Rhythmen

  • VonSabine Schramek
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Der FC Germania baut beim Nachbarschaftsfest auf viel Miteinander aller Nationen.

Schwanheim -Eigentlich ist der FC Germania Schwanheim 06 ein reiner Fußballverein mit drei Plätzen. Längst werden hier nicht nur Fußballspieler gefördert, sondern auch Anhänger von Cricket und Schach. Beim Nachbarschaftsfest wird klar, dass der Verein ein ganz besonderer ist. Der "Sunshine Reggae" der dänischen Gruppe "Laid Back" klingt aus Lautsprechern über den Platz, auf dem Kids fröhlich kicken. Grillrauch steigt auf, Trommeln werden den Musikern Kevin Glenn, Gregory Salamdy und Prince Martin aus Trinidad und Tobago am Vereinshaus aufgestellt.

Es duftet und klingt nach Party. Hinter den Rauchwolken wird herzhaft gelacht und der 1. Vorsitzende Ferdinand Diefenhardt unterhält sich angeregt mit Younick Jeong und seinem Vater. Das Freundschaftsspiel zwischen der koreanischen und der japanischen Fußballmannschaft ist vorbei, die Spieler sind glücklich. "Bei der Herrenmannschaft ging es 1:0 für Korea aus, bei der Jugendmannschaft 1:0 für Japan", sagt der koreanische Migrationsbeauftragte Jeong.

Mit Bratwurst und koreanischen Pfannkuchen stärken sich die Asiaten. Sein Sohn strahlt. "Wir leben in einem anderen Land und wollen uns wenigstens hier näherkommen. Beim gemeinsamen Sport gelingt das gut", ist er überzeugt.

Zu den asiatischen Teams kamen die Schwanheimer eher durch Zufall. "Die ältere koreanische Gemeinde, die in Frankfurt lebt, hatte eine Fußballmannschaft gegründet. Allerdings fehlte ein Platz zum Spielen", erklärt Younick Jeong. "Da hat mein Vater mit dem Germania-Vorsitzenden gesprochen, ob wir hier einmal in der Woche trainieren können. Über meinen Freundeskreis habe ich dann auch von Japanern gehört, die das Gleiche wollten, und hier sind wir alle aufgenommen worden", erklärt er weiter.

Koreaner und Japaner verhalten sich in ihren Heimatländern sehr distanziert. "Auch hier auf dem Golfplatz hat man sich nicht gegrüßt. Seit es die Fußballmannschaften gibt, hat sich das zum Glück verändert, und auch die ältere Generation begrüßt sich. Der Krieg ist vorbei, und das wollen wir hier in Frankfurt auch zeigen. Es ist für uns alle ein Meilenstein, der funktioniert", sagt er stolz.

Internationalität liegt Diefenhardt nach eigenen Worten am Herzen. Seit 62 Jahren ist er Vereinsmitglied und seit 2005 der 1. Vorsitzende der Germania. "In den letzten Jahren haben wir uns vom reinen Fußballverein gegenüber anderen Sportarten stark geöffnet. Jetzt haben wir ein Cricket-Team der Jugendlichen aus ganz Frankfurt, die ein Nationaltrainer aus den Niederlanden betreut. Und wir bieten unseren Mitgliedern auch Schach an", erzählt er stolz.

Manuela Wich trägt ein Schachbrett zu einem Tisch am Fußballplatz. Sie kennt sich aus und hat mehr als 20 Preise in der 2. Bundesliga beim Schach eingeheimst. "Meine Prämisse ist, dass ich neben dem gemeinsamen Fußballsport im Verein auch soziale Bindungen fördern möchte. Das kommt auch richtig gut an." Nicht nur Fußballer setzen sich mit ihr ans Brett, sondern auch Nachbarn, die Lust auf Neues haben.

Auf dem Vereinsgelände ist gute Stimmung. Einige Musiker aus Heidelberg haben sich wegen eines Staus verspätet, der Atmosphäre tut es keinen Abbruch.

Im Vereinslokal, das seit einem Jahr neue Betreiber hat, wird fleißig Obst geschnippelt und gekocht. Die Tische sind voller Besucher, die es sich bei Pizza, Bohnensalat und Frikadellen gut gehen lassen.

Bei Musik aus der Karibik und Afrika hat auch Jugendtrainer und Mitglied im Jugendausschuss Shadie Shekh Idris Spaß. Seit früh morgens hat er schon mit angepackt. Er hat mit vier anderen Jugendlichen die gesamte Anlage in Ordnung gebracht, sich um Lautsprecher und Bandenwerbung gekümmert. Sogar die Bänke wurden vor dem Fest noch frisch gestrichen. Allein 14 Jugendmannschaften sind im Verein mit 300 Mitgliedern zu Hause. "Hier ist immer ganz schön was los", sagt der 22-Jährige und lacht. Auch neben dem Training setzt er sich ein. Sein Vater lebt im Sudan. "Er hat mich letztes Jahr gefragt, ob wir nicht etwas aus unserem Verein für seinen alten Jugendverein haben", berichtet Idris. Da habe er den Container ausgeräumt und ein Spendenpaket mit über 70 Trikots, einem Dutzend Bälle und mehreren alten Handschuhen vom Torhüter der 2. Mannschaft gepackt, sei hingereist und habe es ihm übergeben. Er schwärmt: "Die haben sich total gefreut, und dann habe ich dort noch eine Woche lang der Jugend gezeigt, wie wir hier trainieren." sabine Schramek

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