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Lernte den Frankfurter Westen schon in der Ausbildung kennen: Seit Monatsanfang ist Dr. Cäcilie Blume Pfarrerin in Schwanheim.

Martinusgemeinde

Schwanheim: Vom Ölberg an die Gestade des Mains

  • Michael Forst
    vonMichael Forst
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Dr. Cäcilie Blume ist die neue Pfarrerin der Martinusgemeinde. Die Mutter von vier Kindern lebte fünf Jahre lang in Jerusalem.

Das Cello muss sich noch gedulden. Das Lieblingsinstrument von Pfarrerin Dr. Cäcilie Blume steht in seinem Koffer in einer Ecke ihres Büros und wartet auf seinen Einsatz. Seit Anfang September ist die 40-jährige Frau neue Pfarrerin in der evangelischen Martinusgemeinde Schwanheim, teilt sich die Stelle mit Dr. Katja Dubiski, lebt gleich neben der Kirche im alten Pfarrhaus und hat sich mit viel Engagement in ihre neue Aufgabe gestürzt.

Zwar bedeuteten die Einschränkungen der Corona-Krise gerade in der Gemeindearbeit und Seelsorge eine besondere Herausforderung, denn, wie sie sagt: "Der Kontakt ist essenziell." Doch, so schränkt sie ein, habe es ihre Kollegin, die schon Anfang April, also kurz nach dem Lockdown, anfing, noch viel schwerer gehabt. "Sie musste alles am Telefon machen, das ist jetzt besser geworden", stellt sie fest.

Persönliche Begegnungen, etwa mit Gemeindemitgliedern, sind nun immerhin unter Einhaltung der Sicherheitsvorkehrungen möglich. Dass Blume dies als Segen empfindet, wird deutlich, wenn sie sichtlich bewegt davon erzählt, wie sie neulich bei einer älteren, nicht mehr mobilen Dame ihrer Gemeinde das Hausabendmahl gefeiert hat.

Auch wenn Schwanheim ihre erste Pfarrstelle ist: Sich in ganz neue Umgebungen einzuleben, Kontakte knüpfen und auf Menschen zugehen - damit kennt sich Cäcilie Blume bestens aus. Hat die gebürtige Schwäbin doch ihrem relativ jungen Alter zum Trotz schon jede Menge Lebenserfahrung gesammelt: Als verheiratete Mutter von vier Kindern, aber auch als Mensch, der lange in einem fremden Kulturkreis gelebt und gearbeitet hat.

Doch der Reihe nach: Nach ihrem Theologiestudium promovierte sie von 2008 bis 2012 in Tübingen in der praktischen Theologie. Nach ihrem ersten Kind durchlief sie von 2012 bis 2014 ihr Vikariat, die Ausbildung zur Pfarrerin - und kam dabei ihrem späteren Arbeitsplatz ganz nahe: "Das war in Unterliederbach, wobei ich immer vom Nordend dorthin gependelt bin", erzählt sie. "Die Gegend war mir also von der Zeit her noch bekannt." "Nach dem zweiten Examen folgte das zweite Kind", fährt sie lachend fort.

Dann der große Lebensumbruch: Als ihre Tochter Philine ein Jahr alt war, zog die Mama mit ihrem Mann, der bei einer Entwicklungsbank arbeitet, nach Jerusalem, wo sie fünf Jahre lang, bis Juli dieses Jahres, lebte und, inzwischen zur Pfarrerin ordiniert, ehrenamtlich in der deutschsprachigen Erlöserkirche in der Altstadt und auf dem Ölberg arbeitete.

In den beiden Kirchen der Auslandsgemeinde hielt sie Gottesdienste, betreute Pilgergruppen aus Deutschland und viele junge Menschen, die etwa nach dem Abitur für ein Jahr in einem israelischen Kibbuz arbeiten. "Das war sehr spannend", erinnert sie sich. "Gerade weil wir es in Deutschland mit dieser Altersgruppe kaum zu tun haben."

Dass in Jerusalem das Leben mit der Gefahr von Anschlägen zum Alltag und ebenso die Religion zum Menschsein gehört, nennt sie als die prägendsten Erfahrungen dieser Zeit. "Dass jemand auf die Frage nach seiner Religion antwortet: ,Gar nichts', ist dort eigentlich ein Unding", erklärt sie.

Aber auch, dass die westlichen Christen in Jerusalem eine Minderheit darstellten und der Zusammenhalt zwischen Katholiken und Protestanten deshalb umso größer sei, hat sie beeinflusst. Das nimmt sie auch als Aufforderung für ihre Arbeit in Schwanheim mit: "Sich nicht ausruhen auf dem, was man hat, sondern zu gucken, was in der Gemeinde besonders gebraucht wird."

Apropos: Wie sind ihre ersten Eindrücke von ihren Schwanheimer Schäfchen? "Wir sind mit einer riesigen Herzlichkeit aufgenommen worden - von der Gemeinde, aber auch sonst überall in Schwanheim", schwärmt sie. Als Beispiel nennt sie die erste Begegnung mit der Sprechstundenhilfe ihrer Arztpraxis: "Ach, Sie sind die neue Pfarrerin? Wir sind zwar katholisch - aber wie schön, dass da jemand wieder da ist!" Sie glaube, "dass man sich in Schwanheim kennt und aufeinander achtet", sagt sie.

Umso motivierter geht Cäcilie Blume nun ihre neuen Aufgaben an. "Gottesdienste gestalten, aus denen jeder etwas für sich mitnimmt", nennt sie dabei als eines ihrer Ziele und freut sich darauf, in den kommenden Wochen und Monaten "viel kennenzulernen und mich einzubringen".

Sicher auch mit ihren musischen Begabungen: "Ich möchte auf jeden Fall im Kirchenchor singen, wenn es wieder losgeht", sagt sie. Und auch das Cello steht schon bereit.

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