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Weil überall Tempo 30 gilt, können viele alte Schilder weg: Ralf Trieber ist von der Stadt damit beauftragt, sie abzumontieren. Mit der auf den ganzen Stadtteil Schwanheim ausgedehnten Tempo-30-Zone könnten rund 260 Verkehrsschilder überflüssig werden, hoffen die Planer.

Frankfurt verwandelt Stadtteil in eine geschwindigkeitsreduzierte Zone

Schwanheim wird zum Tempo-30-Stadtteil

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In Schwanheim wird ein Modellvorhaben umgesetzt: Wie läuft der Verkehr, wenn sich der Schilderwald rigoros lichtet? Rund 260 Ge- und Verbotsschilder werden in den nächsten Wochen abgebaut. Der Trick: Die Stadt Frankfurt verwandelt ganz Schwanheim in eine einzige große Tempo-30-Zone.

„Der Stadtteil Schwanheim wird zu einer einzigen Tempo-30-Zone“, heißt es in einer Mitteilung der Stadt. So ganz stimmt das nicht, denn die Verkehrsplaner mussten sich mit einem Kniff behelfen. Die Rheinlandstraße bis zur Endhaltestelle der Straßenbahn und ein Straßenabschnitt vor dem Baufachzentrum Anton Schneider 5 sind Landesstraßen, sogenannte gewidmete Straßen. Diese können von der Stadt nicht so einfach zur Tempo-30-Zone erklärt werden, denn Hessen Mobil, die Straßenverkehrsbehörde des Landes, hat hier die Hand drauf. Das Regierungspräsidium (RP) Darmstadt könnte allerdings eine Ausnahmegenehmigung erlassen. Doch: „Beide Vorstöße des Magistrats sind ins Leere gelaufen“, sagt Gert Stahnke, Chef des Frankfurter Straßenverkehrsamts. Also hat die Stadt die beiden Abschnitte aus der großen Tempo-30-Zone herausgelassen und dort – zur Wahrung der Verkehrssicherheit – Tempo 30 angeordnet.

Das klingt nach Possenspiel, ist aber quasi Notwehr: Die Absicht, aus Schwanheim eine große Tempo-30-Zone zu machen, wurde bereits im Jahr 2013 vom damaligen Verkehrsdezernenten Stefan Majer (Grüne) vorgestellt und 2014 vom zuständigen Ortsbeirat 6 (Frankfurter Westen) und dem Verkehrsausschuss der Stadtverordnetenversammlung beschlossen. Eröffnet werden sollte die Super-Tempo-30-Zone gestern vom neuen Verkehrsdezernent Klaus Oesterling (SPD), aber der fährt nur mit öffentlichen Verkehrsmitteln zu Terminen – und musste erleben, dass das in Randgebieten wie etwa Schwanheim im Zweifelsfall keine gute Idee sein kann. Stahnke und sein Kollege Günter Schneider, Leiter des Baubezirks West im Straßenbauamt, sprangen ein, nachdem Oesterling sich telefonisch entschuldigt hatte.

Das Modellvorhaben ist möglich, weil Schwanheim quasi nur über drei Zufahrten erreicht werden kann: Dort sind gestern Tempo-30-Schilder in Dienst gestellt worden, die nun für den ganzen Stadtteil gelten. Bis zum Wochenende sollen etwa 80 Schilder abgebaut werden, die bislang in Schwanheim Beginn und Ende von Tempo-30-Zonen anzeigten, sowie einige andere überflüssige Schilder mehr.

Bei Rundgängen im Stadtteil wollen das Straßenverkehrsamt und Straßenbauamt in den kommenden Wochen weiter ausdünnen; Stahnke und Schneider rechnen mit noch einmal etwa 180 Schildern, „die weg können“. Darunter sind auch Vorfahrtsschilder oder Hinweisschilder für verkehrsberuhigende „Hubbel“, die vor 15 Jahren gesetzt wurden: „Innerhalb von Tempo-30-Zonen muss der Verkehrsteilnehmer mit solchen Hubbeln rechnen“, sagt Stahnke. Straßenbauer Schneider: „Die Dinger sind ausgefahren. In den 90ern war das mal in, aber das macht man heute nicht mehr. Der Erhalt ist zu kostenintensiv.“

Die Vorfahrt für die Buslinien werde beibehalten, sagt Stahnke. Die Ämter wollen ein Auge darauf haben, wie es in den kommenden Wochen im Stadtteil läuft. In anderen Stadtteilen solle die „Entschilderung im laufenden Geschäft“ umgesetzt werden, erklärte Stahnke. Eine Umsetzungsliste für andere Viertel gebe es nicht.

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