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Schwefelsäure steigt in den Himmel

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Von: Friedrich Reinhardt

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Mit Schutzanzügen geht die Werksfeuerwehr gegen den Störfall vor. FOTOs: 5Vision
Mit Schutzanzügen geht die Werksfeuerwehr gegen den Störfall vor. © 5 vision

Ventil nicht richtig zugedreht - Entwarnung kam nach einer Stunde

Es ist kein Aprilscherz, den die Sirenen des Fechenheimer Industrieparks am Freitag um 8.09 Uhr in die Morgenluft geheulte haben. Es war ein echter Alarm. Wenige Minuten zuvor war bei der Allessa-Produktion-Gesellschaft Oleum-Dämpfe ausgetreten - also Schwefelsäure. Werden die Dämpfe eingeatmet, reizen sie Atemwege. Anwohner wurden per Sirene, per Radio, die Warn-App Katwarn und über Soziale Medien aufgefordert, Türen und Fenster zu schließen und die Häuser nicht zu verlassen.

Ursache war ein Bedienungsfehler

Niemand wurde verletzt, teilte der Chemiepark mit. "Es war auch niemand in Gefahr", sagt Störfallbeauftragter Jürgen Steiner. Mitarbeiter hätten sich zügig aus der Dampfwolke entfernt.

Ursache des Unfalls sei ein Bedienungsfehler gewesen, erklärt Steiner. Die Oleum-Dämpfe seien aus einer Leitung ausgetreten. "Mit Stickstoff wird überprüft, ob die Leitung dicht ist", erklärt Steiner. Aber nach der Prüfung sei das Ventil nicht richtig geschlossen worden. So sei es zu dem Schadstoffaustritt gekommen.

Steiner spricht von einer "Kleinstmenge", die freigesetzt wurde. "Etwa eine Luftballon-Füllung. Aber schon kleine Mengen Oleum sorgen für eine große Rauchentwicklung." Mit einem Wasserschleier habe die Werksfeuerwehr die Dämpfe gebunden. Um 8.12 Uhr wurde der Fehler behoben und der Schadstoff-Austritt beendet. Bis die Sirenen die Entwarnung verkündeten, dauerte es noch eine Stunde.

Die Frankfurter Berufsfeuerwehr führte noch Messungen außerhalb der Industrieparks durch. Spuren des ätzenden Stoffs habe man nicht nachweisen können, teilte die Feuerwehr mit. Um 9.16 Uhr kam die Entwarnung. Gegen Mittag wurde die betroffene Anlage wieder in Betrieb genommen.

Anwohner blieben zumeist entspannt

Anwohner reagierten auf den Zwischenfall zumeist routiniert und entspannt. "Wir haben noch geschlafen", erzählt gut gelaunt eine Frau kurz nach der Entwarnung. Ihr Wohnhaus grenzt direkt an den Industriepark. "Is was los, oder was?", habe sie nur gefragt, als ihre Tochter die Fenster schloss. Seit über 40 Jahren wohne die Familie in dem Haus in der Straße Am Gansbühel.

In der Straße wohnt auch Sandra Neubauer, Fraktionsvorsitzende der Grünen im Ortsbeirat 11 (Fechenheim, Riederwald, Seckbach). Direkt nach dem Sirenengeheul habe sie die Bürgernummer angerufen und erfahren, dass Schwefelsäure ausgetreten war. Per SMS informierte sie neuzugezogene Nachbarn. "Die kennen sich damit noch nicht so gut aus." Darum sei es eigentlich nötig, dass Anwohner mit einem Lautsprecherwagen informiert werden, meint Neubauer.

Der Betreiber des Kiosk an der Ecke Kleestraße ist auf Nachfrage überrascht. "Was war los?", fragt er. Seit 6 Uhr steht er in dem kleinen Häuschen. Die Sirene habe er gehört. "Aber Sirenen heulen doch immer mal wieder."

Friedrich Reinhardt

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