Um sich auf ihre Approbation vorzubereiten, haben Fares Nana (li.) und Shaza Khalil (re.) im Marienkrankenhaus ein Praktikum absolviert. Chefarzt Bora Akoglu und Sükriye Altun Mangel begleiten die beiden.
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Um sich auf ihre Approbation vorzubereiten, haben Fares Nana (li.) und Shaza Khalil (re.) im Marienkrankenhaus ein Praktikum absolviert. Chefarzt Bora Akoglu und Sükriye Altun Mangel begleiten die beiden.

Schwieriger Weg zur Approbation

So schwer haben es geflüchtete Ärzte in Frankfurt

  • Stefanie Liedtke
    VonStefanie Liedtke
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Die meisten sind exzellent ausgebildet, haben in ihren Heimatländern schon Jahre lang praktiziert: 84 Ärzte aus Syrien, Afghanistan und dem Irak haben allein im vergangenen Jahr ihre Approbation in Hessen beantragt. Der Weg dahin ist weit. Wie weit, das haben uns zwei syrische Mediziner erzählt, die am Frankfurter Marienkrankenhaus ein Praktikum absolviert haben.

Der Operationssaal ist sein zu Hause: Fares Nana (37) ist Chirurg. In seiner syrischen Heimat hat er Medizin studiert, hat unzählige Prüfungen abgelegt, seinen Facharzt für Chirurgie und eine Weiterbildung in Plastischer und Wiederherstellungschirurgie gemacht, jahrelang Berufserfahrung gesammelt. Er sehnt sich danach, endlich wieder operieren zu dürfen. Doch vom Operationstisch ist der Praktikant des Marienkrankenhauses noch weit entfernt. Stattdessen heißt es Visite auf der Inneren, unter Aufsicht.

Mai 2015, Homs, Syrien. Fares Nana verabschiedet sich von seiner Frau, von seiner fünf Monate alten Tochter und seinem drei Jahre alten Sohn. Ob er sie jemals wiedersehen wird, weiß er nicht. In Syrien herrscht Krieg. Die Familie hofft auf eine bessere Zukunft in Deutschland, gemeinsam, irgendwann.

Ein Wendepunkt

Nana kommt mit dem Flugzeug nach Deutschland, nicht mit dem Boot übers Mittelmeer und zu Fuß über die Flüchtlingsrouten. Er paukt Deutsch, macht in Dortmund einen Medizinkurs, sucht eine Stelle, vergeblich. Im Internet stößt er auf einen Approbationskurs für Ausländer des Frankfurter Vereins Berami. Ein Wendepunkt. Nana ergattert einen Platz. Im Mai, so hofft er, bekommt er seine Approbation. Ohne Berami wäre das schwierig geworden.

Aktuell bereiten sich 70 Ärzte aus aller Herren Länder in Kursen des Vereins auf ihre Prüfungen vor, hinzu kommen zwei Dutzend Zahnmediziner. Die Wartelisten sind lang, allein 60 Humanmediziner stehen darauf. „Wir können den Bedarf bei weitem nicht decken“, berichtet Sükriye Altun Mangel von Berami. „Da gehen Wissen und Ressourcen verloren“, beklagt sie, dass es viel zu wenige Angebote gibt, die ausländische Ärzte auf dem Weg zur deutschen Approbation begleiten.

Nach Zahlen des Hessischen Sozialministeriums haben im vergangenen Jahr 84 Ärzte aus Syrien, Afghanistan und dem Irak in Hessen einen Antrag auf Approbation gestellt, elf wurden bewilligt. Zudem erteilte die Behörde 36 Medizinern eine Berufserlaubnis (siehe Grafik). Das heißt, dass die Ärzte zunächst unter Aufsicht arbeiten und binnen zwei Jahren eine Kenntnisprüfung ablegen müssen. 37 Anträge waren noch in Bearbeitung.

Jeden Tag Unterricht

Auch die 29 Jahre alte Shaza Khalil hofft darauf, irgendwann in Deutschland als Ärztin arbeiten zu dürfen. Die junge Frau aus Damaskus hat ihr Medizinstudium in Syrien abgeschlossen. 2012 ist sie ihrem Mann nach Deutschland gefolgt. Shaza wurde schwanger, brachte eine kleine Tochter zur Welt und nutzte die Elternzeit, um Deutsch zu lernen. Mittlerweile spricht sie nahezu fließend. Jetzt will sie ihre medizinische Ausbildung in Deutschland fortsetzen. Gemeinsam mit Nana absolviert sie seit April vergangenen Jahres den Approbationskurs bei Berami – das heißt jeden Tag von 9 bis 16 Uhr die Schulbank drücken, Deutsch büffeln und für die Medizinprüfung lernen.

Abwechslung bot da das zweimonatige Praktikum im Marienkrankenhaus. „Beide waren immer exzellent vorbereitet und top motiviert“, lobt Dr. Bora Akoglu, Chefarzt der Medizinischen Klinik am Marienkrankenhaus. Er hat Nana und Shalil während ihres Praktikums unter seine Fittiche genommen. Auch die Praktikanten sind zufrieden. „Wir haben viel über das deutsche Gesundheitssystem und die Vorschriften gelernt. Die Ärzte hier haben uns sehr geholfen“, freut sich Nana.

Die Kollegen seien sehr gut ausgebildet, lobt Akoglu. Dennoch findet er es wichtig, dass sie auf die Arbeit in Deutschland vorbereitet werden. Am Ende, davon ist der Chefarzt überzeugt, profitieren beide Seiten. Die ausländischen Ärzte können sich hier ein neues Leben aufbauen, und Deutschland erhalte hochqualifizierte Mediziner, die das Land dringend brauche.

Von den Patienten habe er sehr viel positives Feedback zu seinen Praktikanten erhalten, freut sich Akoglu. Einige, die selbst vor langer Zeit als Flüchtlinge nach Deutschland gekommen sind, hätten angefangen, von ihrer eigenen Geschichte zu erzählen. „Das ist mir direkt aufgefallen“, erklärt er. Auch seine Eltern seien einst als Migranten in die Bundesrepublik gekommen, erzählt Akoglu. „Ich bin hier behütet aufgewachsen, in einem Land, das einem alles ermöglicht.“

Nana hofft, dass das eines Tages auch seine Kinder werden sagen können. Seit drei Monaten sind Frau und Kinder, mittlerweile zwei und fünf Jahre alt, bei ihm in Deutschland. Wenn alles gut geht, erhält der Chirurg im Mai seine Approbation. Und die Chance, auf ein besseres Leben. In Sicherheit.

Wer sich für die Approbationskurse des Vereins Berami () interessiert, kann sich an Sükriye Altun Mangel wenden unter altun@berami.de oder (0 69) 91 30 10 14.

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