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Ein Biene saugt Nektar aus der Blüte eines Löwenzahns. Nicht umsonst gibt es das Adjektiv ?bienenfleißig?: Die Tiere sind in der Landwirtschaft für 85 Prozent der Erträge verantwortlich, und zwar durch das Bestäuben von Pflanzen.

Insektensterben

Schwere Zeiten für die Biene

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Das Verbot von drei Pflanzenschutzmittel durch die EU, die Bienen gefährden, wird an der bedrohlichen Lage der Nutzinsekten nichts ändern. Da sind sich Imker und Bienenexperten sicher. Eine Expertin nennt Gegenmaßnahmen.

Immer riesigere Ackerflächen mit Monokulturen, Flurbereinigungen, zu früh abgemähte Wiesen und Grünstreifen, zu starke Zerschneidung von Lebensräumen, kaum noch Blühpflanzen in manchen Vorgärten, Parasiten oder Pilze im Bienenstock, Gifteinsatz in der Landwirtschaft: Bienen haben es schwer in Deutschland. Obwohl 85 Prozent der landwirtschaftlichen Erträge von der Bestäubungsleistung der Bienen abhängen und wir Deutsche so viel Honig essen wie kein anderes Volk in Europa – statistisch kommen 1,1 Kilo auf jeden Einwohner pro Jahr. Die eigene Produktion von zuletzt 26 000 Tonnen genügt deshalb nicht, fast 79 000 Tonnen kamen zuletzt aus Importländern wie Argentinien, Mexiko, der Ukraine oder Ungarn.

Die EU hat nun drei sogenannte Neonicotinoide verboten, weil sie manche Bestäuber töten können. Diese Insektizide stören bei Käfern, Schmetterlingen und Bienen die Nervenleitern, so dass die Tiere die Orientierung verlieren, Pollen nicht mehr aufnehmen oder sich nicht mehr fortpflanzen können.

Ist mit diesem Verbot nun alles wieder im Lot? Dürfen sich die Brummer bald wieder voll aufs Zuckerschlecken konzentrieren?

„Die nächsten drei Pflanzenschutzmittel sind längst in der Pipeline. Und die sind brutal bienengefährlich“, sagt Manfred Hederer, Präsident des Deutschen Berufs und Erwerbs-Imker-Bunds mit Sitz in Utting am Ammersee. Er beruft sich dabei auch auf Aussagen eines großen Chemieproduzenten.

Zu schaffen macht den Bienenfreunden der Umstand, dass immer mehr Gifte verspritzt werden. Und immer neuere.

Das liegt daran, dass Insektizide mit der Zeit an Wirkung verlieren, weil Schädlinge Resistenzen entwickeln. Neue Mittel seien kaum zu verhindern, sagt Hederer, der den wachsenden Einfluss von Lobbyisten der Chemieindustrie in seinem Metier beklagt. Widerstand sei wenig aussichtsreich. „Da drohen manchmal Privatklagen in dreistelliger Millionenhöhe, wenn Einsprüche oder Kritiken kommen, die die Zulassung eines Mittels verhindern könnten“, sagt der Präsident. „Da bricht jeder ein.“

Selbst wenn die Zahl der Gifte zurückginge, müsse viel passieren, um die Bienen zu retten – vor allem die Landwirtschaft sei gefordert, sagt Dr. Melanie von Orlow, Expertin für Wildbienen. Überall werde zu viel und zu früh gemäht. Sind zudem Monokulturen wie Raps einmal abgeerntet, finden die Brummer nichts mehr zu fressen.

Manches Nutzinsekt kann die oft riesigen Anbauflächen nicht überfliegen, keinen Paarungspartner finden oder keine neue Nahrung. Während manche Honigbiene bis zu zehn Kilometer weit fliegen könne, schafften manche wilde Arten – zu denen auch Hummeln gehören – gerade mal 200 bis 300 Meter. Manche leben sogar einzeln, andere brauchen spezielle Nahrungsquellen oder Umgebungen. In unserer dicht besiedelten Welt werde es immer schwieriger, solche Wildbienen-Arten anzusiedeln. Auch das erkläre ihren Rückgang.

Helfen Grünstreifen an Ackerrändern den Insekten? „Nur dann, wenn außer Futterpflanzen auch Nistmöglichkeiten angeboten werden“, sagt Expertin von Orlow. Was selten der Fall ist.

Was kann die Politik tun? „Flächen aufkaufen und verkleinern, damit sie bezahlbar sind, an Biobauern abgeben, bestimmte Auflagen für die Nutzung machen und Areale einfach mal brachliegen lassen“, schlägt Dr. von Orlow vor. Jeder einzelne könne etwas tun – den Garten nicht versiegeln, ganzjährige Blühpflanzen ausbringen, Nistmöglichkeiten anbieten. „Und keinen Rasenroboter kaufen“, ergänzt Manfred Hederer. „Da bleibt sonst nichts Blühendes mehr stehen.“

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