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Angeklagt ist die 38 Jahre alte ehemalige Geschäftsführerin sowie deren 50-jährige Schwester, die als Verkäuferin arbeitete.

Prozess

Schwestern verkauften gefältsche Handtaschen in Nobel-Boutique

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Vor dem Landgericht Frankfurt hat gestern der Prozess gegen zwei Frauen begonnen, die in ihren beiden Nobel-Boutiquen im großen Stil Handtaschen-Plagiate und andere Fälschungen verkauft haben sollen.

Mehr als 200 gefälschte Handtaschen mit so renommierten Hersteller-Namen wie Gucci, Fendi, Celine oder Prada, Marken-Unterhosen und auch vier hochwertig ausschauende Schals räumte die Polizei im August 2016 aus zwei Boutiquen an der Goethestraße/Alte Rothofstraße und am Flughafen in die bereitstehenden Dienstfahrzeuge. Gestern begann vor dem Landgericht der Prozess gegen die 38 Jahre alte Geschäftsführerin der Läden und ihre Schwester (50), eine ihrer Verkäuferinnen.

Die umfangreiche Anklageschrift, die gestern vor der Wirtschaftsstrafkammer des Landgerichts verlesen wurde, umreißt jedoch nur den ersten, kleineren Teil des Betrugskomplexes, in den die 38-Jährige verwickelt ist. Sie hatte sich den ersten Besuch der Polizei im August 2016 nämlich offenbar keineswegs zur Warnung reichen lassen und munter weiter mit Plagiaten gehandelt, ja ihr zweifelhaftes Warensortiment sogar noch erweitert. Im Juni 2018 räumte die Polizei ein zweites Mal buchstäblich ab: Neben den üblichen Tasche fielen jetzt auch hunderte gefälschte Markenschuhe der Beschlagnahme und damit der amtlichen Vernichtung anheim. Und weil die Geschäftsführerin widersprüchliche Angaben zu ihren Wohnverhältnissen machte, half die Justiz nach und besorgte ihr einen festen Aufenthaltsort – per Haftbefehl in der Untersuchungshaftanstalt.

Die 50 Jahre alte Schwester, die den zahlreichen vor allem aus Übersee stammenden Kunden die gefälschten Artikel als angebliche Outlet-Ware preisreduziert mit süßem Lächeln angedreht haben soll, befindet sich jedoch weiter auf freiem Fuß. Auch wenn sie in den Nobelläden nur die zweite Geige gespielt hatte, ist sie doch als Mittäterin angeklagt, weil es beim Verkauf der Plagiate auf ihre direkte Mitwirkung ankam.

Vorerst geht es also nur um die Waren, die 2016 aus den beiden Geschäften geräumt wurden. Die polizeilichen Ermittlungen brachte dabei der viel gerühmte „Kommissar Zufall“ ins Rollen: Eine Kundin hatte eine Handtasche mit „Fendi“-Etikett für teures Geld, aber unter Listenpreis, erworben und musste kurze Zeit später feststellen, dass das gute Stück Defekte aufwies. Mit ihrer Beschwerde wendete sich die Frau daraufhin aber nicht etwa dorthin, wo sie die Tasche erworben hatte, sondern direkt an den Hersteller. Dort beäugte man das angebliche „Fendi“-Produkt interessiert – eine Überprüfung ergab rasch, dass es sich um eine zwar sehr gute, aber doch um eine Fälschung handelte. Die Firma schaltete ihre Rechtsabteilung ein, es gab Schritte gegen die Boutiquenbesitzerin in Frankfurt und Strafanzeige bei der Polizei.

Gestern war der Publikumsandrang beträchtlich – der Standort Goethestraße zog. In Anbetracht der vielen Leute auf den Presseplätzen aber verging den beiden Frauen auf der Anklagebank offenbar die Lust zur Aussage. Heute nicht, vielleicht beim nächsten Mal. Um dann nicht wieder unvermittelter Dinge in die Dienstzimmer zurückkehren zu müssen, hat Vorsitzender Richter Alexander El Duwaik für den heutigen Freitag schon einmal einige geschädigte Kunden sowie eine Firmenvertreterin in den Zeugenstand geladen.

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