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Gutachter hatten kurz nach dem furchtbaren Geschehen ?Auf der Hohlmauer? Spuren markiert. Wo hier was passiert ist, Zeugen haben dazu unterschiedliche Erinnerungen.

Tod von Silke Thielsch

Schwierige Wahrheitsfindung im Prozess um Todesfahrer

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Die Strafkammer des Landgerichts Frankfurt versucht so genau wie möglich, das furchtbare Geschehen in der Nacht vom 5. auf den 6. September 2015 aufzuarbeiten, bei dem die 41 Jahre alte Teammanagerin der TuS-Handballerinnen zu Tode kam. Doch dies ist 25 Monate später gar nicht so einfach.

Am zweiten Verhandlungstag im Prozess um den Tod von Silke Thielsch zeigte sich heute in Saal 1 des Frankfurter Landgerichts sehr deutlich, wie schwierig es ist, ein solches Geschehen mit seinen vielen kleinen Puzzleteilen erst 25 Monate später juristisch aufzuarbeiten. Selbst Zeugen, die eigentlich in der Nacht recht zeitnah an der Straße „Auf der Hohlmauer“ waren, wo die 41-jährige und ihr Lebensgefährte angefahren wurden und Silke Thielsch fast 400 Meter mitgeschleift wurde, zeigten doch einige Erinnerungslücken.

Zwei Pärchen, die gemeinsam auf dem Heimweg von dem Hoffest waren, auf dem auch das Opfer gefeiert hatte, wollen jeweils ganz unterschiedliche Beobachtungen gemacht haben. Alle vier wurden gestern von Richtern, Staatsanwaltschaft und Verteidigung sowie einem Sachverständigen befragt. Kurz nach Silke Thielsch und Oliver K. waren sie zu dem Kreisel „Auf der Hohlmauer“ gekommen.

Eine Zeugin will auf der gegenüberliegenden Seite des Zebrastreifens, der als Tatort gilt, das Opfer Silke Thielsch noch auf der Motorhaube des silbernen Mercedes gesehen haben. Das Auto habe die 41-Jährige vor sich hergeschoben, „und plötzlich war sie weg.“ An der Stelle könne Silke Thielsch niemals mehr gestanden haben, so der Vorsitzende Richter der Schwurgerichtskammer, Volker Kaiser-Klan, woraufhin die Zeugin doch einräumte, sich vielleicht nicht richtig erinnern zu können. Aber Schreie der Frau wollte die 36-Jährige noch gehört haben.

Die habe er nicht vernommen, so ihr Mann, der einige Meter entfernt als Standort der beiden Pärchen angab. Er sei auch sicher, der Mercedes-Fahrer habe Silke Thielsch und ihren Lebenspartner erst im Kreisel angefahren. Aber Schleifspuren habe er sicher in Erinnerungen, so der Zeuge, der dem Mercedes hinterher gelaufen ist. Dies hat auch der andere Zeuge aus der Gruppe der beiden Pärchen getan, der gesehen hat, wie ein silbernes Auto davon fuhr, „das sehr zügig unterwegs war.“ Der 35-Jährige hatte noch gehört, wie der Lebensgefährte des Opfers rief: „Wo ist meine Frau?“ Dann sei er dem Wagen hinterher gelaufen.

Nachdem die Zeugenaussagen doch einige Differenzen zeigen hinsichtlich des Tatortes, will das Gericht auf Anregung der Verteidigung des Angeklagten beraten, ob tatsächlich alle Zeugen gehört werden sollen. Schließlich erklären der Angeklagte und auch der Lebensgefährte, der als Nebenkläger auftritt, übereinstimmend, dass Silke Thielsch und Oliver K. vor dem Zebrastreifen angefahren wurden.

Indes wurde gestern noch einmal aufgearbeitet, was geschah, als das Auto nach seiner Horrorfahrt hinter der Kreuzung zum Stehen kam. Der Mercedes-Fahrer hatte umgehend die Polizei angerufen. Im Gerichtssaal wurde der Notruf des 27-Jährigen abgespielt. Jemand sei ihm vors Auto gelaufen und hänge da noch fest, hatte Hendrik R. der Polizeibeamtin geschildert. Ein Kollege habe daraufhin schon gleich eine Streife und Rettungswagen alarmierte, bevor der genaue Standort noch erklärt wurde, wobei dem ortsfremden Mercedes-Fahrer eine Passantin zur Hilfe kam, so die Polizeibeamtin gestern vor Gericht.

Später war sie dem Angeklagte noch einmal begegnet, als er zur Vernehmung auf die Dienststelle kam. Dort habe dieser Widerspruch gegen die Beschlagnahme des Führerscheins eingelegt, und auch schon erklärt, sich ohne Anwalt nicht zu äußern, so die Polizeibeamtin, die auf Nachfrage des Richters erklärt, der Angeklagte hätte damals auf sie sehr ruhig gewirkt, „er war wohl etwas geschockt.“

Einer der beiden jungen Männer, die als Beifahrer und auf dem Rücksitz in dem Mercedes saßen, hatte kurz nach dem Geschehen in der Nacht seine Mutter angerufen und sie gebeten, sofort zu kommen, sagte diese gestern im Zeugenstand. Ihr Sohn habe in der Nacht „sehr aufgeregt“ am Telefon geklungen, und erinnert sich an die Worte: „Hendrik hat eine Frau überfahren, der Idiot“.

Die 54-Jährige hatte den Angeklagten bisher als höflichen jungen Mann kennen gelernt. Hendrik R. war der beste Freund ihres Sohnes gewesen. Der hatte am ersten Prozesstag erklärt, dass er seit dem furchtbaren Geschehen in Kriftel keinen Kontakt mehr zu dem Angeklagten habe.

Der Prozess wird am Freitag (9.30 Uhr) fortgesetzt.

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