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Viel Spaß haben die Teilnehmer des Schwimmkurses im Hallenbad des August-Stunz-Zentrums. Schwimmlehrerin Eva Warko (rechts) braucht die Mädchen und Jungen nicht groß zu motivieren.

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Schwimmkurse: So klappt es mit dem Seepferdchen

Seit vier Jahren ermöglicht die Arbeiterwohlfahrt (AWO) Frankfurt mit dem Projekt „Freischwimmen“ Kindern aus sozial schwachen Familien anonym Schwimmkurse. Durch Spenden zweier Stiftungen können jetzt wieder 18 Hortkinder ihr Seepferdchen machen.

Einmal in der Woche freuen sich Jaren (8), Ahmet (8), Fatey (8) und Lina (7) ganz besonders auf den Hortbesuch im Alfred-Marchand-Haus (Preungesheim). Dann fahren sie nämlich mit zwei Freunden und Erzieher Werner Krejcek (64) ins Schwimmbad des August-Stunz-Zentrums im Röderbergweg. Im 33 bis 34 Grad warmem und 1,35 Meter tiefem Wasser lernen die Kleinen alles, was sie für das Seepferdchen brauchen. Schwimmlehrerin Eva Warko (42) vom schwimmpädagogischen Verein bringt ihnen Brustschwimmen und Tauchen bei.

Lina kann es gar nicht abwarten, bis sie ins Wasser darf. Als sie wieder hochkommt, hängen kleine Wassertropfen in ihren langen Wimpern, aber das stört sie nicht. „Das macht sehr viel Spaß und ich mache immer ein bis zwei Runden“, sagt sie, bevor sie wieder abtaucht.

Die Vier gehören zu einer der drei Gruppen von Kindern, die von der Arbeiterwohlfahrt (Awo) finanziert schwimmen lernen dürfen. „Das Projekt Schwimmkurs besteht seit vier Jahren“, so Roger Grever (57) von der AWO. „Wir akquirieren Spendengelder, um sozial schwachen Kindern anonym die Möglichkeit zu geben, einen Schwimmkurs zu machen, den ihre Eltern nicht finanzieren könnten. Das Projekt bewährt sich gut und den Kindern macht es einen Riesenspaß.“

Bei tropischen Temperaturen im Schwimmbad schauen Anna Lungershausen, Botschafterin der Town & Country Stiftung und Antonio Panucci, Geschäftsführer von TP Connect und Förderer der Ranger Foundation vorbei. Sie überreichen einen Scheck über 2240 Euro, die dem Schwimmprojekt zugutekommen. „Ich wohne in Frankfurt“, so Lungershausen „und ich finde das Projekt klasse. Es ist für Kinder, die es sonst nicht könnten. Es gibt mehr Nichtschwimmer als man denkt. Oft können schon die Eltern der Kinder nicht schwimmen oder in deren Herkunftsländern gehört Schwimmen nicht zur Alltagskultur.“ Panucci spendet, „weil der Bedarf da ist. Wenn ich mich an früher erinnere, da war es anders. Da wurden wir zum Schwimmen gezwungen und wollten nicht. Jetzt wollen die Kinder unbedingt und können es nicht ohne finanzielle Unterstützung lernen. Schade ist, dass die Stadt so etwas nicht stärker fördert.“

„Solche Sponsoren könnten wir noch mehr gebrauchen. Schön ist, dass jetzt wieder zwei neue Gruppen ihre Seepferdchen machen können“, freut sich Greyer. Die Kinder winken aus dem Pool und üben weiter das Schwimmen. Jaren schafft schon zwei Längen Brustschwimmen ohne Pause. „Das Schwimmen habe ich hier gelernt und ganz viel geübt, damit ich auch im richtig tiefen Becken nicht untergehe“, sagt er strahlend und zieht noch eine Bahn. Jede Gruppe besteht aus sechs bis acht Kindern, die sich in drei Monaten während zehn Stunden à 45 Minuten auf ihr Seepferdchen vorbereiten können. Alle Kosten inklusive Anschaffung und Instandhaltung von Schwimmhilfen, Bad- und Kursleitergebühren für acht Kinder liegen bei knapp 1000 Euro.

Die kleinen Wasserratten gleiten durch das Becken, greifen sich Schwimmnudeln, machen Übungen und setzen die Anweisungen von Eva Warko um. Für jedes Kind nimmt sie sich Zeit und hält alle gleichzeitig genau im Auge, wenn sie tauchen oder mit den Füßen Wasser aufspritzen. Vom Beckenrand springen dürfen sie noch nicht, auch wenn sie das für ihr Schwimmabzeichen später müssen. „Da machen wir vorher noch ein paar Stunden Schwimmtraining“, so Warko. „Aber ich bin mir sicher, dass alle das hinkriegen werden“, sagt sie. Lina macht eine Verschnaufpause und schaut auf das Einhorn auf ihrem rosa Badeanzug und denkt nach. „Ich mag Einhörner, Blumen, Prinzessinnen und Schwimmen. Vielleicht kann ich ja später auch mal Wassernixe werden“, sagt sie und taucht ab.

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