+
Eine Statue der Justitia hält eine Waage in ihrer Hand.

Gericht

Schwunghafter Opiumhandel im Kleingarten

  • schließen

In einer Gartenlaube mit Blick auf den Fernsehturm soll kiloweise Opium verkauft worden sein. Ein Mann, der laut Anklage an dem Rauschgifthandel im Grünen beteiligt war, steht seit Dienstag vor dem Landgericht Frankfurt. Die Staatsanwaltschaft wirft dem 37-Jährigen vor, Besitzer von mindestens 65 Kilogramm Opium gewesen zu sein.

Großeinsatz des Rauschgiftdezernats in einer Ginnheimer Kleingartenanlage. Im Februar dieses Jahres wurde aus einer Parzelle in mehreren Tranchen mindestens 65 Kilogramm Opium herausgeholt. Die Drogen waren sowohl in der Gartenlaube verstaut, als auch im Komposthaufen versteckt. Man geht davon aus, dass mehr als zwei Zentner Opium in dem Gartenhäuschen gelagert worden waren.

Schon seit längerer Zeit war die Polizei einem Iraner (37) aus Offenbach auf der Spur. Telefonische Überwachungsmaßnahmen und auch die Mitteilungen diverser Verbindungspersonen der Kripo führten in diese Richtung. Unter seinen Landsleuten spielen Opiumhandel und -konsum seit vielen Jahren eine herausragende Rolle – nirgendwo sonst auf der Welt hat sich die althergebrachte Droge, deren Wirkung schon Karl Marx einst mit der Kirche verglich, so lange gehalten.

Der 37-Jährige wurde im März festgenommen. Gestern begann vor dem Landgericht der Prozess gegen ihn. Während die Staatsanwaltschaft von einer Mittäterschaft bei dem Rauschgifthandel ausgeht, bemühte sich der Angeklagte, seine Rolle bei den dubiosen Geschäften möglichst gering zu halten und sich selbst als bloßen Gehilfen darzustellen. So sei ihm der Schrebergarten in der Nähe der Nidda samt Laube und Kompost überhaupt nicht bekannt gewesen. Er habe lediglich das frisch angelieferte Rauschgift bei sich in Offenbach eine Zeit lang zwischengelagert. Danach seien weitere Täter erschienen und hätten den Stoff wohl nach Frankfurt transportiert.

Unklar blieb auch, wie das Rauschgift überhaupt in die Kleingartenanlage kommen konnte. Der offizielle Pächter, also das Mitglied im Gartenverein, soll angeblich keine Ahnung von dem kriminellen Treiben auf seiner Parzelle gehabt haben. Wie ein Vorstandmitglied im Zeugenstand berichtete, hätten zumindest die Schlüssel zu dem Garten den Besitzer gewechselt. Zwar nicht im Rahmen eines – verbotenen – Unterpachtverhältnisses, doch aber zu einer dauerhaften „Pflege“ durch Dritte, die aber ohne Zustimmung des Vorstands ebenfalls nicht erlaubt ist. So mischten sich gestern in den Rauschgiftprozess auch diverse kleingartenrechtliche Paragrafen.

Die nächsten beiden Verhandlungstage werden sich voraussichtlich aber wieder mit der Rolle des Angeklagten beschäftigen, die diesem beim Opium-Handel zukam. Ist er tatsächlich nur ein belangloser Mitwisser oder war er von Anfang an einer der Mitinitiatoren der schwunghaften Rauschgift-Geschäfte.

Geht alles nach Plan, will die von Richter Jochen Kirschbaum geleitete Strafkammer bereits Anfang September ein Urteil verkünden.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare