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Nein, das wird keine Werbefläche. Das Gerüst schützt vielmehr den unter den Leitungen rollenden Verkehr.

Bauarbeiten

Seckbach: Gerüst fängt im Notfall die Stromkabel auf

  • Dennis Pfeiffer-Goldmann
    vonDennis Pfeiffer-Goldmann
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Leitungen müssen nach über 50 Jahren ausgetauscht werden

Nach 57 Jahren unter Hochspannung wird die Strom-Überlandleitung nördlich von Bergen-Enkheim erneuert. Für Übertragungsnetzbetreiber Tennet ist es ein recht umfangreiches Vorhaben - und es sorgt bei vielen Passanten für fragende Blicke.

Zwei Gerüste, einfach so in der Landschaft, ohne Häuser? Die Konstruktionen an der Bundesstraße 521 nördlich des Berger Ortsausgangs Richtung Bad Vilbel verwundern seit einiger Zeit viele Autofahrer. "Die Konstruktionen dienen dem Schutz während unserer Arbeiten", erklärt Mathias Fischer, Sprecher des Höchstspannungsnetz-Betreibers Tennet.

In der Tat: Direkt darüber und auch über die Vilbeler Landstraße verläuft die 220-Kilovolt-Freileitung von Großkrotzenburg zum nördlich von Seckbach gelegenen Umspannwerk Frankfurt-Nord. In Großkrotzenburg erzeugt nicht nur das Kraftwerk Strom, hier sind auch diverse Überlandleitungen verknüpft. 1963 ist die 22 Kilometer lange Überlandleitung von dort nach Frankfurt in Betrieb gegangen. "Jetzt ist es an der Zeit, sie zu sanieren", erklärt Fischer.

Komplette Technik wird getauscht

Vier Stromkreise sind es, die entlang der Leitungstrasse verlaufen - eine neuere sowie drei alte. Diese drei werden saniert. Dabei werde die komplette Technik ausgetauscht, erklärt der Tennet-Sprecher: Leiterseile, Erdseile und Isolationsketten.

Die Masten blieben stehen, erhielten aber frischen Korrosionsschutz. Die Leiterseile würden durch neue ersetzt, indem die neuen an den alten entlang gezogen würden.

An dieser Stelle kommen die Gerüste an der Straße ins Spiel: "Falls beim Seilzug einmal ein Seil durchhängt, soll niemand gefährdet werden." Im schlimmsten Fall liege dann das Seil auf dem Gerüst auf - und hänge nicht in den rollenden Verkehr hinunter.

Zumindest vor Stromschlägen müsste sich selbst dann niemand fürchten. Denn der Stromkreis, dessen Leitung gerade getauscht ist, ist dabei natürlich abgeschaltet. Allerdings: Achtgeben müssen zumindest die Arbeiter sehr. Denn die anderen drei Leitungen stehen derweil weiter unter Spannung, damit in Frankfurt keine Lichter ausgehen.

In der vorletzten Juliwoche hat Tennet mit den Arbeiten begonnen. Bis Mitte März sollen sie dauern. "Dabei wandert auch das Gerüst noch einmal", kündigt Mathias Fischer an. Denn die Leitung verlaufe hier in direkter Nachbarschaft des Umspannwerks, aufgeteilt in zwei Teiltrassen. Derzeit wird an der südlichen gearbeitet, also in Höhe des Wasserbehälters Berger Warte. Später sollen die Arbeiten dann an die nördliche Trasse wechseln, also in Höhe des Jüdischen Friedhofs.

Per Höchstspannung von 220 bis 380 Kilovolt wird Strom über große Distanzen transportiert. Vier Firmen betreiben dieses Netz in Deutschland: Amprion im Westen, Transnet BW in Baden-Württemberg, "50 Hertz" in den östlichen Bundesländern sowie Tennet in der Mitte Deutschlands von Nord- und Ostsee über Niedersachsen und Hessen bis Bayern. Dennis Pfeiffer-Goldmann

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