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Die Wochenmarktbesucher stehen Schlange, um frische Bratwürste, Schnitzel- und Fleischkäsebrötchen zu holen.

Wochenmarkt

Börsianer und Weltenbummler schlemmen und schlendern in der Schillerstraße

Freitags trifft man sich auf dem längsten Wochenmarkt Frankfurts in der Schillerstraße. Er startete mit fünf Ständen kurz vor dem Eschenheimer Turm und reicht heute bis kurz vor die Hauptwache – inklusive Börsenplatz.

Was auf den ersten Blick aussieht, wie ein schöner, frischer Obst- und Gemüsestand ist auch einer. Aber nicht nur. Sieben Sorten Äpfel, Birnen, Pfirsiche, Aprikosen, Quitten, Kirschen und Walnüsse sind nicht importiert, sondern wachsen bei Andreas Hellmeister (46) in Gau-Algesheim im Rheingau. Ebenso wie Kartoffeln. „Auf 120 Hektar Grund machen wir unsere Landwirtschaft“, erzählt der fröhliche Landwirt. „Dazu gehören nicht nur Obst, sondern auch 50 Schweine, die auf Stroh leben. Und 70 Stück Rindvieh plus 50 Gänse, die alle auf den Wiesen grasen. Nur die Gänse kommen nachts rein. Sonst kommt der Fuchs.“

Von Beginn an dabei

Hellmeister ist von Anfang an auf dem längsten Wochenmarkt in Frankfurt. Mitten auf der Schillerstraße zwischen 41 weiteren Händlern verkauft er nicht nur selbst Angebautes und exotisches Obst, sondern auch in Dosen selbstgemachten Bierschinken, Blutwurst und Eisbein. Es gibt auch Obstsaft und Obstbrände zwischen Rosenkohl, Feldsalat und Flugmango. Ein riesiges Plakat zeigt weiße Gänse, die jetzt schon für Heiligabend küchenfertig bestellt werden können. „Man muss halt schauen, wo man bleibt“, so der Landwirt, der den Hof mit zwei weiteren Mitarbeitern führt.

In der Mittagspause eilen Banker und Börsianer an die bunten Stände, Touristen schlendern staunend zwischen bunten Blumen und Gestecken, Grüner Soße, Käse, Hüten und Schals, Bauernbrot, Fisch, Honig, Küchenutensilien aus Holz, Wolle, Kaffee, Würstchen und Chili con Carne vorbei. Sie schauen sich dabei nicht nur die appetitlichen Auslagen an, sondern auch die alte Börse. Hinter Bulle und Bär wird am Weinstand über Arbeit gesprochen.

Vorher stehen die Geschäftsleute Schlange, um frische Bratwürste, Schnitzel- und Fleischkäsebrötchen zu holen. Von der Hauptwache bis zum Eschenheimer Turm sind der Börsenplatz und die Schillerstraße auf zwei Seiten voller duftender Köstlichkeiten. Asiaten testen Biobrot, Amerikaner naschen Käse. Den ganzen Tag lang ist der Markt voller Leute.

Vor 22 Jahren begann das Markttreiben am Eschenheimer Turm mit fünf Ständen. Jahr für Jahr wurden es mehr, bis die Straße voll war. Wenn es Baustellen gab, mussten einige ausweichen und so stehen seit fünf Jahren auch fünf Stände prominent auf dem Börsenplatz. Der Stand von Käse-Reuter auf der Schillerstraße schließt allerdings Ende des Jahres wegen einer Baustelle. Darum gibt es jetzt 40 bis 60 Prozent Rabatt.

Schlechte Ernte

Die Händler sind zufrieden. So leicht wie 1996 ist der Verkauf trotzdem nicht. Hellmeister plaudert aus dem Nähkästchen. „Die Leute kaufen viel spezieller ein als früher, weil niemand mehr einlagert. Da gibt es wohl keinen Platz mehr für. Damals gingen Kartoffelsäcke im halben Zentner weg, jetzt eher fünf Kilo. Dieses Jahr ist es wegen der 14 Wochen ohne Regen schwerer gewesen, als sonst. Die Ernte war schlechter und das Futter für das Vieh ist ganz extrem knapp, weil die Wiesen kaum gewachsen sind.“ Zehn Kälber musste er schon verkaufen, um die anderen Tiere gut über die Runden zu kriegen. „Die Leute wollen hauptsächlich Filet, aber ein 350 Kilo-Bulle besteht aus viel mehr. Die jungen Leute wissen gar nicht mehr, wie man Suppenfleisch macht, das ist schade.“ Obst, Gemüse, Maronen, Salat und Kohl gehen weg wie warme Semmeln.

Nach Büroschluss beginnt der nächste Run. Leute aus den Büros und Jugendliche, die vom Shoppen auf der Zeil kommen, haben Hunger und Durst. Und es ist Freitag, da lassen sie es sich gut gehen. Bei Stollen, Tapas und Suppe, bei Wein und Bier. Bis der Marktaufseher um 18.30 zum Feierabend klingelt.

von SABINE SCHRAMEK

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