Vogel-Perspektive: Rainer Berg (rechts) und die Exkursionsteilnehmer halten Ausschau nach den kleinen Sängern. Foto: Hamerski
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Vogel-Perspektive: Rainer Berg (rechts) und die Exkursionsteilnehmer halten Ausschau nach den kleinen Sängern.

Sachsenhausen: Naturerlebnis

Sehen, hören - wie uns Vögel jetzt betören

  • vonKatja Sturm
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Rotkehlchen, Kleiber, Meisen - Exkursion für Frühaufsteher führt durch den Stadtwald

Das Rotkehlchen plustert sich mächtig auf. Eigentlich, sagt Malte Hoffmann, sei der Vogel des Jahres 2021 ein ganz zartes Wesen. Ein kleines Häufchen Leben, wie man spürt, wenn man so ein Kerlchen mal in der Hand halten darf. Doch wie es da auf dem Areal des Stadtwaldhauses kugelrund in einem Baum sitzt und tiriliert, was das Zeug hält, könnte man meinen, man hätte es mit einem viel massigeren Fluggefährten zu tun. Der markante Gesang des Sympathieträgers wird die Teilnehmer der "Vogelexkursion für Frühaufsteher" am Sonntagmorgen im Frankfurter Stadtwald durch die gesamte zweistündige Tour begleiten. Zumindest den Teil der Gruppe, der diese zusammen mit dem Ornithologen Hoffmann angeht. Das andere Dutzend Teilnehmer hat sich gemeinsam mit Rainer Berg, dem Leiter des Stadtwaldhauses, in anderer Richtung auf den Weg gemacht. Alle halten Abstand und sind mit Mund-Nasen-Schutzmasken ausgerüstet. Trotz der Einschränkungen, die der Corona-Krise geschuldet sind, freut sich Berg darüber, dass so eine Veranstaltung überhaupt wieder möglich ist.

2020 fielen fast alle Veranstaltungen aus

Im vergangenen Jahr waren mit einer Ausnahme im Herbst alle lehrreichen Mini-Expeditionen ausgefallen, die im Programm "Entdecken, Forschen und Lernen im Frankfurter Grüngürtel" vorgesehen waren. Jetzt geht es wieder los mit dem Kennenlernen all der Wesen und Pflanzen, die den Menschen umgeben.

Wie oft hat sich mancher schon gefragt, welcher Vogel da wohl auf seinem Balkon sitzt. Und wen er hört, wenn er morgens im Bett liegt. Ein kleiner Test vorab zeigt auf, wie groß das individuelle Basiswissen ist.

Grünen-Umweltdezernentin Rosemarie Heilig, die mit dabei ist, kennt sich recht gut aus. Doch selbst die studierte Biologin wird noch einiges Neue erfahren. Etwa dass Kohlmeisen ihren Ruf einsilbig, Blaumeisen den ihren derweil mehrsilbig beenden. Und dass man die beiden so, ohne sie zu sehen, sehr wohl voneinander unterscheiden kann.

Am besten im Herbst zu lernen anfangen

Das Gurren der Ringeltaube, das "nervige" Tschirpen des Kleibers, das Rufen des Mäusebussards - oder war das ein Eichelhäher, der den Artgenossen nachahmt? Sofern nicht wieder ein Flugzeug am Himmel mit seinem Brummen das Konzert der Waldbewohner überdeckt, lassen sich aus der Vielzahl der Stimmen immer mehr Sänger erkennen. Besser wäre es, mit dem Lernen der verschiedenen Vogellaute im Herbst zu beginnen, wenn nur wenige ihre Lieder anstimmen, rät Hoffmann. Dann verfügt man bereits über ein solides Grundwissen, wenn in wärmeren Tagen neue dazukommen. Eine App kann dabei helfen.

Absolute Experten erkennen sogar die Dialekte und schließen daraus, woher es einen Zugvogel aus der Ferne nach Deutschland trieb. Dass sich hessische und sächsische Kohlmeisen nicht verstehen, davon kann keine Rede sein. Es muss schon einer aus Sibirien eintreffen, um anders zu tönen.

Wer sich für bestimmte Flugkünstler interessiert, kann versuchen, diese über die Art des Nistkastens im eigenen Garten anzulocken. Nicht jeder Vogel passt in jedes Häuschen hinein. Es gibt kleinere und größere Öffnungen, der Mauersegler braucht einen breiteren Türrahmen, der dafür nicht so hoch sein muss. Keinesfalls sollte so ein vorgefertigter Bau in der Mittagshitze hängen. Ein höheres Dickicht finden Insektenfresser angenehm, weil sie dort Nahrung finden und sich und ihren Nachwuchs vor Feinden verbergen können.

Belohnt wird der Mensch für sein Entgegenkommen damit, dass er, ohne dafür zu zahlen, regelmäßig Wohlgesang aus bestens geschulten Kehlen zu hören bekommt. Manchmal sogar mehr als genug. Hoffmann verrät: So ein aufgeblähtes Rotkehlchen kann auch mal eine komplette Nacht durchsingen. Katja Sturm

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